Schwere Wahl für mobiles Geschäft
Ist Symbian noch ernst zu nehmen?

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Kommentar: Symbian läuft ernsthaft Gefahr, durch unternehmensfreundlichere Rivalen aus dem Firmenkundenmarkt gedrängt zu werden.

Schwere Wahl für mobiles Geschäft

Sind mobile Anwendungen für Ihr Unternehmen wichtig? Wenn ja, welche Plattform nehmen Sie für den mobilen Zugang zu Ihren Firmendaten? Diese Fragen haben die Unternehmen schon seit Jahren zur Verzweiflung getrieben und das Fehlen einer einzigen Standardplattform wurde als Hemmnis dafür verantwortlich gemacht, dass der Einsatz häufig hinausgezögert wird.

Vor ein paar Jahren gab es die weit verbreitete Ansicht, dass Symbian das Rennen machen wird. Seine Plattform war von Grund auf als mobiles Betriebssystem gestaltet, das seine Wurzeln in den erfolgreichen Psion-Handhelds der 90er Jahre hatte. Auch hatte das Unternehmen den Rückhalt aller wichtigen Handset-Hersteller wie Nokia, Motorola, Sony Ericsson und Samsung.

Heute jedoch glaubt man in der IT-Industrie eher, dass das Betriebssystem von Symbian mehr für Handsets im Consumer-Bereich geeignet ist und dass Windows Mobile oder das BlackBerry für Unternehmen die weitaus bessere Wahl seien – auch wenn sie teilweise unsicher sind. Symbian scheint dem aber nichts entgegenzusetzen.

Dieser Eindruck wird noch durch solche Veranstaltungen verstärkt, wie einem Roundtable-Meeting, an dem ich kürzlich teilnahm. Bei dieser Gelegenheit haben Führungskräfte von Symbian verschiedene verfügbare Anwendungen demonstriert – wovon fast alle auf Verbraucher abzielten. Eine nennenswerte Ausnahme war eine Anwendung, bei der der Nutzer mittels über die Kamera des Mobiltelefons einen Schnappschuss von einer Visitenkarte machen konnte, dieses Bild dann auf einen Online-Server hochlud, der die Kontaktinformationen über eine optische Zeichenerkennung ausfilterte und sie dann in eine Datenbank zwecks späterer Verfügbarkeit integrierte.

Nun war das zwar beeindruckend und nützlich,aber man kann diese Software wohl kaum als Killerapplikation bezeichnen, die für eine IT-Abteilung das Zünglein an der Waage ist, wenn sie sich entscheiden soll ob nun Symbian oder Windows-Mobile-Telefone die bessere Wahl sind. Windows Mobile kommt schließlich mit eingebautem Support für Push-Email daher, der von einem Exchange Server bereitgestellt wird. Wenn man außerdem seine eigenen mobilen Anwendungen verschlüsseln will, ist es möglich, die gleichen Tools zu verwenden wie für die Desktop-Entwicklungen von Windows.

Es gibt noch einen anderen Grund, weshalb Unternehmen sich Windows Mobile gegenüber immer geneigter zeigen. Die meistem Produkte bei Unternehmens-Software kommen aus den USA. Und die meisten Entwickler dort tendieren nicht gerade dazu, dem eher europäischen Symbian Priorität einzuräumen, wenn sie nach einem mobilen Zugang für ihre Anwendungen suchen. Ich habe mit Firmen gesprochen, die planen, zuerst eine Palm-OS Version ihres Produkts zu entwickeln und zu verkaufen, bevor sie daran denken, zu Symbian zu portieren.

Natürlich mag für Symbian diese Situation nicht allzu bedenklich sein. Schließlich macht Nokia allein 40 Prozent aller weltweit verkauften Telefone aus, und fast alle davon sind Consumer-Geräte auf Symbian-Basis. Wenn das Unternehmen aber nicht aus dem Firmenkundengeschäft verdrängt werden will, muss es etwas mehr tun, um die amerikanischen Entwickler für den Unternehmensmarkt dazu zu bringen, die Briten etwas ernster zu nehmen.