Provider in der rechtlichen Grauzone
Gebühren gegen den Datenstau

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Ein zweigeteiltes Internet, in dem Unternehmen dafür bezahlen, dass ihrem Datenverkehr eine höhere Priorität eingeräumt wird, wirft eine Menge rechtlicher Fragen auf.

Provider in der rechtlichen Grauzone

Wenn ich mich recht erinnere, wurden zu Zeiten des Dotcom-Booms in Erwartung des wachsenden Internet-Traffics ziemlich viele Glasfaserkabel verlegt. Zum Leidwesen der Infrastruktur-Provider und Telekommunikationsgesellschaften hat sich das aber nicht so schnell gerechnet wie erhofft, sie blieben auf ihren immensen Kosten sitzen und warteten auf Umsätze.

In den letzten fünf Jahren haben sich die freien Kapazitäten nun verringert und es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis in Spitzenzeiten der Bedarf das Angebot übertrifft. Schlimmer wird das noch, wenn China und Indien online gehen und der langerwartete Boom beim mobilen Internet einsetzt. Viele Beobachter glauben, dass Apples iPhone diesen Boom einleitet. Und für die Carrier wäre das ein willkommener Ersatz, nachdem ihre Umsätze mit Sprachtelefonie schwinden und sie sich bemühen, mit digitalen Inhalten Geld zu machen.

Der Bedarf an zusätzlicher Bandbreite wird also steigen, was bedeutet, dass wir entweder ganz erheblich in den Ausbau bestehender Kapazitäten und das Verlegen neuer Glasfaserkabel investieren müssen ? oder akzeptieren, dass die uneingeschränkte Nutzung des Internets der Vergangenheit angehört.

Technologie kann dazu beitragen Engpässe zu beseitigen, zum Beispiel indem Inhalte geschickter in Caches zwischengespeichert und verteilt werden. Aber ohne neue Kapazitäten bleibt uns nur, das zu teilen, was da ist. Das beschwört Schreckgespenster herauf wie Download-Beschränkungen oder ein zweigeteiltes Internet.

Eine beträchtliche Anzahl großer ISPs untersucht bereits die Möglichkeit, großen Content-Providern für den schnellen Transport der Daten zu ihren Kunden Gebühren zu berechnen. Jeder dieser Versuche birgt aber das Risiko, vom Kunden als Abzocker betrachtet zu werden ? auch wenn die ISPs so etwas durchaus tun dürften.

Wesentlich unklarer ist die Rechtslage dagegen, ob ein dazwischen liegender ISP das Recht hätte, den Datenfluss durch sein Netzwerk zu beschränken. Es gibt keinen allgemeingültigen Vertrag, der die Nutzung des Internets regelt. Die ISPs mögen einzelne Peering-Abkommen abgeschlossen haben, aber ein kleiner Provider in, sagen wir Melbourne, Australien, wird kaum eine Vereinbarung mit einem ISP in Washington, D.C. haben.

Kann also ein großer Backbone-Carrier einseitig Prioritäten für Daten einführen oder den kleinen Providern andere Traffic-Beschränkungen auferlegen?

Ich denke, bevor es soweit ist, brauchen wir eine radikale Umgestaltung der Grundlagen, auf denen das Internet aufgebaut ist, oder ein allgemein anerkanntes Repertoire an akzeptierten Handlungen und Standards. Eine stückweise Einführung regionaler oder lokaler Traffic-Beschränkungen würde einige extrem komplizierte Rechtsfragen aufwerfen, was für alle Beteiligten zu großer Unsicherheit und Kosten führen würde.