Verantwortungsvolles Handeln statt rüdem Geschäftsgebaren
Benimmregeln für IT-Firmen

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Auf einem immer härter umkämpften Markt wird irgendwann der Anbieter die Nase vorn haben, der seiner sozialen Verantwortung am ehesten gerecht wird.

Verantwortungsvolles Handeln statt rüdem Geschäftsgebaren

Ethik ist nichts für Journalisten, doch es sind nicht nur die Medien, die mit moralischen Prinzipien Schindluder treiben. Auch IT-Firmen haben einiges gutzumachen.

Der neueste Aufruhr um SAPs Support-Tochter TomorrowNow und Oracle zeigt, dass die Betrügereien nicht aufhören. Wem es entgangen sein sollte: Im März kam es bei Oracle angeblich zu »Industriespionage in großem Stil«, man behauptete SAP hätte illegal Dokumentationen heruntergeladen. SAP-Chef Henning Kagermann erklärte reuig: »Schon ein einziger Download ist aus meiner Sicht inakzeptabel«.

Allerdings stritt Kagermann ab, dass sich SAP Zugriff auf das geistige Eigentum von Oracle verschafft hätte und sagte, dass er »überrascht und enttäuscht« sei, weil Oracle ihn nicht informiert habe, bevor das Unternehmen rechtliche Schritte eingeleitete.

So weit, so normal: Wenn zwei Firmen Kopf and Kopf an der Unternehmensfront kämpfen, rufen sie häufig schon beim ersten Hauch eines Fehlverhaltens die Herren Anwälte. Skeptiker könnten nun behaupten, dass dem Krieg um die heruntergeladenen Dokumente die Schlacht um Unternehmensanwendungen vorausgegangen sei, ja erst durch diese ausgelöst wurde.

Bevor sich aber die Oracle-Anhänger hoch auf ihr moralisches Ross schwingen, sollten sie einmal einen Blick auf das Sündenregister dieser Firma werfen und ihre Gedanken in das Jahr 2000 gleiten lassen. Damals hatte man Privatdetektive angewiesen, den Müll einer Pro-Microsoft-Gruppe zu durchwühlen, in der Hoffnung, Beweise für irgendwelche dunklen Machenschaften zu finden. Sogar als er erwischt wurde, war Oracle-Chef Larry Ellison um einen Bluff nicht verlegen. »Es ist völlig zutreffend, dass wir versucht haben, Microsofts heimliche Praktiken zu enthüllen«, sagte er damals. »Ich fühle mich mit dem, was wir getan haben, sehr gut.«

Als dann im vorigen Jahr der Skandal um HP losbrach und aufgedeckt wurde, dass das Urgestein des Silicon Valleys das Ausspionieren von Vorstandsmitgliedern, Journalisten und deren Familien autorisiert hatte ? da nahm sich das Mülleimerprojekt von Oracle vergleichsweise bescheiden aus.

Es gibt noch viele weitere Beispiele für zwielichtige Praktiken unter den IT-Firmen und der rote Faden, der sich durch alle Fälle zieht, ist, dass auch die schwärzesten Flecken auf der weißen Weste die kurzfristigen Verkaufszahlen nicht beeinflussen. Weniger klar sind dagegen die langfristigen Auswirkungen, die durch diese Medienstürme ausgelöst werden.

Da ein verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln anfängt, nicht mehr nur ein Punkt auf einer Liste zu sein, sondern für Unternehmen zu einem Indikator für ethisches Verhalten wird, könnte sich das ändern. Wenn die Firmen sich mit dieser neuen Transparenz arrangieren, werden sie wiederum ihre Lieferanten nach den gleichen Maßstäben beurteilen und den gleichen hohen Prüfungen unterziehen.

Wer eine weiße Weste hat und Privatsphäre, Vertraulichkeit und ethischen Prinzipien achtet, wird vom Markt bevorzugt werden. ganz besonders von Technologiemärkten, die immer mehr zum Massenmarkt werden.