Sarkozy bläst zur Piratenjagd

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Der neue französische Präsident läutet eine konzernfreundliche Copyright-Politik wie in den USA ein. Und hat eine Kommission in Marsch gesetzt.

Nicolas Sarkozy will durchziehen, was er vor der Wahl angekündigt hat, sagt er. Und dazu gehört der verstärkte Kampf gegen illegale Downloads, den er mit großen Worten einleitet: „Wenn wir so weitermachen, dann vernichten wir die Kultur.“

So weit darf es nicht kommen, da ist der hyperaktive Élysée-Chef vor. In Cannes versprach er Vertretern der Filmwirtschaft: „Ich werde jedoch wachsam sein in dieser Hinsicht. Jeder muss seinen Beitrag leisten für die Verteidigung der Rechte. Sie können auf mich zählen.“

Ein paar Wochen später empfingen seine Berater die Abgesandten der Plattenindustrie. Auch sie können sicher sein, dass Sarkozy auf ihrer Seite steht, wenn es darum geht, ein überholtes Urheberrecht vor jeder sinnvollen Veränderung zu schützen. Schon vor der Wahl hatte er lautstark die von den französischen Sozialisten geforderte „Global-Lizenz“ verdammt, die auf eine Art Pauschalgebühr für die Nutzung von Tauschbörsen hinausläuft. Sarkozy, der auch schon Pariser Vororte mit „Hochdruckreinigern“ von „Gesindel“ befreien wollte, bezeichnete eine solche Lizenz als Ausdruck von jeunisme – „Jugendwahn“.

Jetzt schickt er eine Regierungskommission ins Gefecht gegen Jugendwahn, Piraten und alles andere, was seinen Freunden in der Industrie nicht so gefällt. Als erster Punkt steht auf der Tagesordnung, na was wohl, härtere Strafen für die Piraten. Und um Downloads zu verhindern, sollen auch die Internet-Provider eingespannt werden.

In der Kommission wird mit Denis Olivennes ein weiterer Präsident vertreten sein. Er ist der Boss von Fnac – der führenden französischen Kette von Medienkaufhäusern.

(bk)

Le Monde

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