Systemumstellungen sind nicht nur eine Sache der IT
Undankbare Aufgaben für die IT-Abteilung

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Neu eingeführte Systeme stoßen viel seltener auf den Widerstand der Mitarbeiter, wenn es in der Firma eine effektive Zusammenarbeit zwischen IT- und Personalabteilung gibt.

Systemumstellungen sind nicht nur eine Sache der IT

Mit gequältem Gesichtsaudruck und hängenden Schultern fragte mich der Typ: »Wessen Idee war es, alles zu ändern?« Und an diese Frage gewöhne ich mich im Moment, da ich Teil eines Teams bin, das an einem neuen System arbeitet ? das direkt 1000 Nutzer betrifft.

Natürlich kam die Frage nicht unerwartet. So, wie es jetzt läuft, funktioniert alles gut: Die alten Systeme sind noch recht schnell und alle Nutzer kommen mit der Client-Software zurecht. Warum also auf den Müll damit, um ein anderes System einzuführen, dass das gleich tut, aber 1,5 Millionen Euro mehr kostet und eine komplette Umschulung der Mitarbeiter quer durch alle Firmenbereiche erfordert? Es geht nicht um ein Upgrade, ein bisschen Austausch Neu-gegen-Alt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes das Herausreißen der alten Desktop-Computer, die Installation neuer Systeme mit einer völlig anderen Plattform, vollgepackt mit Software, die die Nutzer nie zuvor gesehen haben. Und obendrein dürfen sie all ihre bisherigen Konzepte wegwerfen und den Umgang mit einer speziell angepassten Content-Management-Datenbank lernen.

Als ich also schrieb, dass das neue System die Nutzer »direkt betrifft«, meinte ich eigentlich, dass es ihre Welt auf den Kopf stellen wird.

Und warum das alles? Es interessiert mich ehrlich gesagt gar nicht. Die Entscheidung ist wahrscheinlich vor ein paar Jahren auf Vorstandsebene gefallen, und irgendein armes Würstchen mit gequältem Gesichtsausdruck und hängenden Schultern interessiert da nicht. Das System wird umgestellt, also leb damit!

Es geht nicht um das Warum, sondern darum, wer es durchziehen muss. Richtig geraten: die IT-Abteilung. Die Argumentation ist schließlich einfach: Das Projekt beinhaltet eine Veränderung der produktiven Systeme, der Client-Computer und der Softwareanwendungen. Ist doch alles IT-Zeug, oder?

Freilich ist die IT-Anteilung ziemlich entzückt von der Aussicht, nicht länger den Support für alte Computer übernehmen zu müssen oder sich mit antiquierten Betriebssystemen und Anwendungen herumzuschlagen, die nicht nur Altlasten sind, sondern geradezu prähistorisch.

Aber IT ist heute ein wesentlicher Bestandteil der täglichen Arbeit und nicht nur ein künstliches Anhängsel. Ein Systemwechsel bedeutet also ? wenn Nutzer betroffen sind ? einen Wechsel der ganz alltäglichen Arbeitsabläufe. Und so wie ich das verstehe, ändern sich damit die Jobs der Mitarbeiter und es handelt sich um eine Thema für die Personalabteilung. Die Personaler zählen nicht gerade zu den beliebtesten Führungskräften in einem Unternehmen, aber sie sind sicher diejenigen mit den richtigen Fähigkeiten, um solche Veränderungen auf der Mitarbeiterebene angemessen umzusetzen. Doch stattdessen steht die IT-Truppe an vorderster Front und versucht krampfhaft gute Laune zu verbreiten, um die Nutzer nicht zu sehr aufzubringen. Nicht zu vergessen die ganzen Projektmitarbeiter und Ausbilder, die immer und immer wieder versuchen, auf die ewig gleiche Frage eine Antwort zu geben: »Warum das alles?«

Nun, wenn das Projekt erst einmal läuft, ist es für diese Frage aber eh zu spät.