Noch zehn Jahre und dann ewig leben

Allgemein

Es ist eine Weissagung des Technopropheten Ray Kurzweil. Wer noch schlappe zehn Jahre durchhält, soll die „Singularity“ erleben, und das bedeutet Unsterblichkeit.

Es ist eigentlich keine neue Geschichte, über die unser legendärer Inquirer-Gründer Mike Magee heute gestolpert ist und die ihn zu tiefen philosophischen Kontemplationen angeregt hat. Es gibt da einen Technopropheten namens Kurzweil, über den erschien mal wieder ein Bericht. Dem ist alle paar Jahre langweilig, und dann schreibt er immer ein Buch. In dem erklärt er dem Rest der Welt, wie die Welt in ein paar Jahren aussieht.

Ray Kurzweil scheint jedenfalls seine eigenen Vorhersagen zu glauben, sich schon auf die Unsterblichkeit zu freuen und es unbedingt selber durchziehen zu wollen. Er wirft täglich, so wird kolportiert, 225 Pillen mit „Mikro-Nährstoffen“ ein. Genussvoll ist das bestimmt nicht, und ob es wirklich gesund ist, darf bezweifelt werden.

Singularity nach Kurzweil heißt, in etwa 15 Jahren verschmelzen unsere Biologie mit unserer Technologie. Zahlreiche Trends entwickeln sich auf einer logarithmischen Skala, und sie alle treffen am gleichen Punkt zusammen. Ray hat viel nachgerechnet und Grafiken erstellt, die das beweisen. Und diese Grafiken sehen alle irgendwie gleich aus.

Die Singularity schenkt uns die Herrschaft über unsere Biologie und unsere Lebensspanne. Ray Kurzweil verspricht uns die Unsterblichkeit, wenn wir noch rund 10 Jahre durchs Leben stolpern, ohne ins Jenseits abzudriften.

In naher Zukunft werden wir virtuelle Welten schaffen können, die es unmöglich machen, die digitalen und analoge Welten zu unterscheiden. Was sich jetzt nach Matrix kombiniert mit Second Life anhört, auch wenn Kurzweil diese Begriffe nicht verwendet hat.

Der singuläre Kurzweil erinnert mich an einen bekennenden Perry-Rhodan-Fan, der mir eine solche Geschichte schon vor mehr als zehn Jahren unterjubeln wollte. Er war so beeindruckt von der Unsterblichkeit seiner Serienhelden (wurden die nicht Aktivatorträger genannt?), dass er es ihnen gerne nachmachen wollte. Seine Theorie ging etwa so:

Er müsse sich jetzt besonders gesund ernähren, Sport treiben (er schwitzte noch heftig von seinen Anstrengungen auf dem Trainingsgerät) und gesunde Pillen einwerfen. Damit wollte er die nächsten zehn Jahre runterreißen. Dann wäre die Medizin schon wieder weiter, und er schaffe wahrscheinlich nochmal zehn Jahre. Dann sie die Medizin noch weiter und verlängere sein Leben um vielleicht zwanzig Jahre … und irgendwann winke die Unsterblichkeit.

Hat er vermutlich auch in einem dieser Bücher gelesen, die so etwa alle zehn Jahre erscheinen.

(bk)

Inquirer UK