Blick zurück im Zorn
Was in der IT-Branche schief läuft

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Die vergangenen Jahre in der IT-Industrie waren geprägt von Versagen, Verschwendung, Inkompetenz und absichtlichen Versäumnissen, meint Les Hatton.

Blick zurück im Zorn

Vor vier Jahren fing ich an, Artikel für die IT Week zu schreiben, und rückblickend sieht man, dass einige Themen immer wieder auf der Tagesordnung standen. Nicht funktionierender IT-Systeme spielten eine große Rolle. Und obwohl ich es gewöhnt bin, dass Systeme versagen und ich einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Berufslebens damit zugebracht habe, die Gründe für Fehlschläge in der IT zu untersuchen, glaube ich doch, dass das Ausmaß an Verschwendung in den letzten Jahren, insbesondere was IT-Systeme in staatlichen Einrichtungen anbelangt, als nationale Schande bezeichnet werden kann.

Ich habe den starken Verdacht, dass einer der Gründe dafür in der Motivation der Projektverantwortlichen liegt. Sie wollen sich in gewisser Weise unsterblich machen, indem sie etwas von wahrer Größe erschaffen. Aber jemand mit übersteigertem Ehrgeiz ist der letzte, den man als Chef für ein IT-Projekt brauchen kann. Erfolg in diesem Bereich hat man für gewöhnlich mit recht konservativer Computer-Technik, die eine relativ kleine Zahl leicht verständlicher Anforderungen befriedigt und hoffentlich skalierbar ist.

Das ist keine Raketenwissenschaft, sondern genau um das Gegenteil dessen, was einige altehrwürdige Führungskräfte lieben. Im gleichen Atemzug sage ich natürlich: Es gibt Ausnahmen, aber die sind selten.

Wenn ich lese, dass der neue britische Premierminister Gordon Brown technikfeindlich eingestellt ist, habe ich nicht viel Hoffnung, dass sich etwas bessern wird und wir werden wohl auch in Zukunft pro Jahr um die 22 Milliarden Euro für irgendwelchen Schwachsinn verjubeln. Es ist wahrscheinlich am besten, diese Verschwendung als eine Art Steuer ? nennen wir sie doch Idiotensteuer ? anzusehen und damit, wie den Tod, als unvermeidlich.

Ein weiteres Thema, dem ich mich mehrfach gewidmet habe, ist das Design von Bedienoberflächen. Ich kann es gar nicht deutlich genug sagen, aber die allgemeine Qualität ist heutzutage einfach schrecklich. Die Designer scheinen völlig unfähig zu sein, notwendige von nicht notwendiger Komplexität zu unterscheiden. Windows ist ein ganz offensichtliches Beispiel, aber es gibt noch Unmengen weiterer Produkte, die mit sinnlosen Features aufgebläht worden. Und dabei geht es nicht nur um Software. Ich kenne mich mit Quantenmechanik aus, aber oft schaffe ich es kaum ein modernes Autoradio abzuschalten. Vielleicht ist so etwas dem Designer nie untergekommen?

Noch ein Thema, das mit penetranter Regelmäßigkeit auftaucht, ist die wachsende Qualifizierungslücke. Ich habe bereits in meinen frühesten Artikeln warnend darauf hingewiesen. Das Problem wurde größer und größer und auch in diesem Jahr ist die Zahl der Einschreibungen an den Universitäten wieder niedrig. Ich kann dazu nur sagen, dass die Wirtschaftskapitäne, die sich über die Qualifikationskrise beklagen, zumindest teilweise für deren Existenz verantwortlich sind – mit kurzfristigen Vogel-Strauß-artigen Managementpraktiken, geringen Aufstiegschanchen und generell schlechter Bezahlung.

Die Situation wird sich nicht verbessern. Was auch immer die Regierung sagen mag ? das Niveau der Lese- und Schreib- sowie der rechnerischen Fertigkeiten ist in den letzten Jahren signifikant gesunken.Als Blair Number 10 Downing Street betrat, meinte man, dass es nur noch besser werden könne. Nun mit Brown kann es auf jeden Fall nicht mehr schlimmer werden.

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