Mobile Computing: Dummheit als größtes Sicherheitsrisiko
Wer schaut über Ihre Schulter?

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Pendler, die ihren Laptop im Zug benutzen, könnten neugierigen Blicken vertrauliche Informationen preisgeben. Kelvyn Taylor von der IT Week wundert sich – aber kuckt nicht. Ehrlich!

Hinrichtung aufgeschoben

Mobile Computing: Dummheit als größtes Sicherheitsrisiko

Normalerweise hasse ich Pressemeldungen, die vollgestopft sind mit in Auftrag gegebenen “Untersuchungen”, welche in geeigneter Weise “belegen”, dass dieses Wunderding X das Beste ist, was uns je passieren konnte.

Ja, ich weiß die Welt des Marketings funktioniert so, aber deshalb muss ich sie noch lange nicht lieben.

Als ich nun kürzlich eine E-Mail von 3Ms PR-Agentur erhielt, die die verhängnisvolle Wortgruppe “gemäß Untersuchungen, die von 3M in Auftrag gegeben wurden”, enthielt, konnte diese von Glück reden. Denn nur weil die Untersuchungsergebnisse einen gewissen Wahrheitsgehalt versprachen, erbarmte ich mich zu einem Aufschub der Hinrichtung.


Dummheit enthült Geheimdaten

Mobile Computing: Dummheit als größtes Sicherheitsrisiko

3M stellt unter anderem Handy-Zubehör und “Privacy Filter” für Notebooks her. Darum ging es in der Pressemitteilung. “Shoulder surfing” (also jemandem über die Schulter zu schauen und mitzulesen) scheint etwas zu sein, was zutiefst in den menschlichen Genen verankert ist, wobei 80% der Befragten in der “Untersuchung” zugaben, bei anderen in der Öffentlichkeit “mitzulesen”.

Ich bin mir sicher, dass dies nun wahrlich nichts Neues unter der Sonne ist, und als regelmäßiger Pendler kann ich die Ergebnisse, dass 56Prozent der Leute zugaben, dass sie zu lesen versuchen, was denn so auf dem Laptop des Mitreisenden abläuft, nicht in Frage stellen. Ich gehöre ja auch dazu.

Was mich wirklich beunruhigt und verblüfft, ist die schiere Dummheit so vieler Laptop-Nutzer an öffentlichen Orten. Sie scheinen tatsächlich in Bezug auf das, was sie tun, völlig ahnungslos zu sein. Während meiner täglichen Zugfahrten von und nach London habe ich über die Jahre auf Informationen geblickt, die jedem IT-Manager die Tränen in die Augen treiben und jeden Konkurrenten sich vor Entzücken die Hände reiben lassen würden.


Betrachtungswinkel als Sicheheitsrisiko

Mobile Computing: Dummheit als größtes Sicherheitsrisiko

Einmal schaute ich auf eine Präsentation, die detailliert das Finanzergebnis eines größeren Unternehmens enthielt, bevor dies der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte.

Leider sind die heutigen Laptops mit riesigen, hellen, klaren Bildschirmen und gewaltigen Betrachtungswinkeln das gefundene Fressen für neugierige Blicke. Und ich habe meine Zweifel, dass das Filtersystem von 3M dieses Problem endgültig lösen kann. Ich habe festgestellt, dass die beste Stelle für einen Blick über die Schulter durch die Kopfstützen ist, weil man damit fast auf gleicher Kopfhöhe seines Vordermanns ist.

Die überfüllten Züge, in denen man heutzutage meist stehen muss, erlauben einen Blick aus der Vogelperspektive auf Passworteingaben sowie Mobiltelefone und PDA-Displays.


Hardware schützt vor Neugier nicht..

Mobile Computing: Dummheit als größtes Sicherheitsrisiko

Für die Unternehmen ist es ein echter Grund zur Sorge, dass wirtschaftlich sensible Informationen in dieser Form vor der Öffentlichkeit ausgebreitet werden. Zum großen Teil liegt dies allerdings an der allgegenwärtigen Einstellung, die wir heutzutage zu haben scheinen, dass nämlich “tote” Zeit mit Arbeit ausgefüllt werden muss.

Alle Sicherheits-Hard- und -software der Welt kann die neugierigen Augen eines Nachbarn nicht daran hindern, umherzuschweifen. Also, Ihr Pendlergefährten, holt Eure Laptops raus, aber versucht wenigstens ein gesundes Maß an Verfolgungswahn zu entwickeln. Macht Euch aber keine Sorgen, wenn Ihr mich in der Nähe seht – ich verspreche, nicht zu genau hinzuschauen. Ehrlich!