Windows-Emulatoren für den Mac
Mit dem Apfel durchs Fenster

BetriebssystemMacWorkspace

Für den Apple Macintosh gibt es nur in einigen Bereichen eine gute Software-Auswahl. Mittels Emulatoren können Nutzer auf die ganze Vielfalt der Windows-Welt zugreifen, ohne auf den Sex-Appeal eines echten Mac zu verzichten.

Die Stunde der Windows-Emulatoren

Windows-Emulatoren für den Mac

Es ist eine alte Geschichte, aber sie hat immer noch Nachwirkungen: “Als wir den Mac entwickelten, haben wir ein echt geiles Gerät geschaffen: Bloß die Software haben wir vergessen”, berichtet Guy Kawasaki, einer der Gründerväter des Apple Macintosh ((http://www.apple.com/de/)). Das Layout-Programm Pagemaker bedeutete damals die Rettung. Und noch immer sind es vor allem Grafiker und Layouter, für die Mac-Software entwickelt wird. Mit dem Wechsel von Apple zur Intel-Plattform ist es zwar wesentlich einfacher geworden, Anwendungen von Windows nach Mac zu portieren. Trotzdem lohnt sich für die meisten Entwickler von Spielen und Unternehmens-Software der zusätzliche Aufwand nicht.

Hier schlägt die Stunde der Emulatoren: sie ermöglichen es, Windows-Software im Original-Modus auf Macs lauffähig zu machen. Apple selbst hat das Problem erkannt und wird deshalb die Emulator-Software Boot Camp zum festen Bestandteil des nächsten Betriebssystems Mac OS X 10.5 Leopard machen. Dennoch gibt es noch Raum für die Angebote von Drittherstellern, die mit einem höheren Leistungsumfang punkten wollen: Zu nennen sind hier zunächst Parallels Desktop für Mac 3.0, das in Deutschland von Avanquest vertrieben wird, Microsoft Virtual PC für Mac 7 sowie VMware Fusion.

Für das Parallels-Produkt spricht insbesondere der hohe Reifegrad, während Boot Camp und VMware Fusion noch immer in der Beta-Phase sind. Microsoft Virtual PC ist ursprünglich von Connectix entwickelt worden und schon von ehrwürdigem Alter. Es gab schon Berichte, dass die Weiterentwicklung ganz eingestellt wurde. Das dementiert zwar Andreas Hartl, Leiter Plattform Strategie bei Microsoft Deutschland. Da es aber hoffnungslos veraltet ist und mit 319 Euro für die Vollversion auch das mit Abstand teuerste Angebot ist, ist das Microsoft-Produkt derzeit keine ernstzunehmende Alternative.

Das Bedürfnis nach Emulatoren ist jedenfalls da. VMware Fusion, das erst seit wenigen Monaten erhältlich ist, wurde schon über 200.000-mal heruntergeladen, Parallels geht von 500.000 aktiven Nutzern seiner Software aus. Apples Bootcamp kann schon auf 2,5 Millionen Downloads verweisen. Ausdrücklich muss darauf hingewiesen werden, dass der Anwender in jedem Fall eine Vollversion von Microsoft Windows zur Hand haben muss: Das Betriebssystem wird bei keinem Emulator mitgeliefert.


Win-Emulatoren: Für die Grundausbildung reicht es

Windows-Emulatoren für den Mac

Der Name Boot Camp hat einen etwas martialischen Klang, aber letztendlich steht er nur für die stinknormale Geländeübung, die jeder Bundeswehrsoldat im Rahmen seiner Grundausbildung hinter sich bringen muss. Und auf Grundfunktionalitäten beschränkt sich auch Apples Boot Camp, aktuell in der Version 1.3: Es ist notwendig, einen Neustart durchzuführen, um die Emulation zu starten. Das kann einige Minuten dauern.


Boot-Camp ist ein Anfang, doch Steve Jobs lobt auch die Drittanbieter

Seit der Vorstellung vor einem Jahr ist die Software nicht wesentlich weiterentwickelt worden. Auf die Umstellung auf Virtualisierungs-Technologie, die von vielen Beobachtern erwartet wurde, hat Apple bisher verzichtet.

Immerhin sind in der Version 1.3 die Grafik-Treiber, die Lokalisierung und die Windows-Hilfe ausgebaut worden. Apple-Chef Steve Jobs selbst hält Boot Camp für ein großartiges Produkt, lobt aber ausdrücklich die Mitbewerber Parallels und VMware: “Es sind drei hervorragende Arten, Windows auf Mac laufen zu lassen.”


Echter Parallel-Betrieb

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Echte Virtualisierungs-Technologie verwendet Parallels Desktop 3.0. Die Software startet die Emulation als Prozess im Betriebssystem, was einen Neustart überflüssig macht. Eine hundertprozentige Windows-Emulation ist nicht möglich und kann auch gar nicht sein: Obwohl die 3D-Fähigkeiten wesentlich verbessert wurden, streiken noch immer die meisten Spiele. Was dagegen läuft, ist etwa das Action-Spiel Quake 3 und 29 weitere Games, die meistens OpenGL verwenden, sowie sechs 3D-Anwendungen, darunter Autocad 2008 und Solidworks 2007

Zur Spiele-Kompatibilität gibt es ein eigenes Forum, ebenso zu allgemeinen Anwendungen. Bei Anwendungen ist es sehr praktisch, dass die Software mittels Smart Select automatisch erkennt, wenn eine Datei einer Windows-Anwendung zugeordnet ist. Wenn der Nutzer auf die Datei klickt, öffnet die Software direkt die Windows-Applikation. Dies funktioniert etwa bei Microsoft Visio.


(3D-Windows-Spiele im Mac funktionieren bei Parallels, wenn sie mit OpenGL programmiert wurden)

Mit der so genannten Coherence-Mode, die in der Parallels-Version 2.5 eingeführt wurde, ist es möglich, Windows-Anwendungen genau so laufen zu lassen wie native Mac-Software. Unter Coherence verschwindet der Windows-Desktop und wird durch die Mac-Oberfläche ersetzt, ohne dass dies die laufende Anwendung beeinflusst.


(Parallels Desktop macht Windows-Applikationen zu Mac-Programmen)

Eine weitere wichtige Funktion ist Snap Shot, die es ermöglicht, alle Einstellungen der laufenden Emulations-Sitzung abzuspeichern. Dies ermöglicht eine Wiederherstellung, sollte ein Programm abstürzen. Außerdem unterstützt die Software Partitionen, die mit Boot Camp angelegt wurden.


Hypervisor verteilt den Hardware-Zugriff

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Parallels emuliert Windows von 3.1 bis Vista, Linux, OS/2, Solaris und MS-Dos 6.22. In technischer Hinsicht unterscheidet sich Parallels von anderer Virtualisierungs-Software wie der von VMware, bei der ein Betriebssystem die Hauptrolle spielt und die anderen nur Gäste sind. Parallels verwendet dagegen den Hypervisor, der allen Systemen gleichen Zugriff auf die Hardware erlaubt, ohne durch den Flaschenhals eines Primär-OS hindurch zu müssen.

Parallels Desktop für Mac 3.0 ist bei Avanquest für 79.99 Euro erhältlich.


VMWare: Die neue Kernspaltung

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VMware ist derzeit eindeutiger Marktführer bei virtuellen Systemen. Andererseits betritt das Unternehmen mit dem Mac-Emulator Fusion Neuland. Fusion unterstützt eine Vielzahl von Betriebssystemen, neben Windows von 3.1 bis Vista auch etliche Linux-Varianten, FreeBSD, Novell Netware, MS-Dos 6.x und das Unix-Derivat Sun Solaris. Für Unternehmen ist es besonders interessant, dass das VMware-Produkt auch 64-Bit-Betriebssyteme und Multi-Core-Prozessoren unterstützt.


Mit VMWare lassen sich virtuelle Instanzen f
ür viele Betriebssysteme enrichten

Insgesamt enthält Fusion damit eine größere Anzahl von Systemvarianten als Parallels. Auch 3D-Support und DirectX 8.1 zur Spielekompatibilität sind eingebaut. Wie bei Parallels gibt es auch hier eine Snap Shot-Funktion, um Abstürzen vorzubeugen.


Mit fdem VMWare Power Manager lässt sich in jedem Betrierbssystem die Hardware abfragen und nutzen

VMware Fusion erkennt vorhandene Boot Camp-Installationen der Anwender automatisch, so dass Mac OS X neben Windows XP oder Vista ohne zusätzliche Einstellungen laufen kann. Ein wesentlicher Vorteil ist die Integration mit den Server-Produkten von VMware: Anwender können mittels VMware Fusion virtuelle Maschinen einsetzen, die mit VMware Server, VMware Infrastructure 3 oder VMware Workstation erstellt wurden. Somit können sie virtuelle Maschinen, die sie bereits erzeugt haben, leicht portieren und auf ihren Macs laufen lassen.


Gut, aber keine Alleskönner

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Mit Battery Pass-through können Anwender den Batterieladestand ihrer Macs aus einer virtuellen Maschine mit anderem Betriebssystem sehen. Der SuperDrive des Macs mit Lese-/Schreib-Unterstützung für CDs und DVDs wird in jeder nicht Mac-basierten virtuellen Maschine unterstützt. Windows nutzt die Netzwerkverbindungstechnologien des Mac und schaltet zwischen Festnetz- und AirPort/WLAN-Verbindungen um. Nutzer können ihre Mac-Umgebungen von anderen virtuellen Maschinen aus auf separaten Bildschirmen simultan einsehen.

Die VMware-Software liegt derzeit noch in keiner endgültigen Version vor, sondern nur in der Beta 1.4. Die finale Version soll Ende August erscheinen. Kunden können das Produkt schon jetzt zum Vorzugspreis von 39,99 US-Dollar direkt bei VMware vorbestellen. Nach Erscheinen soll es dann 79,99 Dollar kosten.

Im direkten Vergleich spricht für Parallels die einfachere Bedienung, für VMware der größere Leistungsumfang.
Beide Produkte können gute Emulationen bieten, sind aber keine Alleskönner.