Rechnen in Lichtgeschwindigkeit
CERN: Big Bang in Genf

Exklusiv für VNUnet haben die News-Redakteure Thomas Kretschmann und Mehmet Toprak das CERN besucht. Dort wird gerade der weltweit größte Teilchenbeschleuniger gebaut. Eine Reportage über Protonen-Strahlen, GRID-Computing und Antimaterie.

von Mehmet Toprak , Thomas Kretschmann 0

Geheimnisse des Universums

Rechnen in Lichtgeschwindigkeit

Eines der größten Geheimnisse des Universums wird vielleicht schon bald gelüftet. Im CERN (Centre Européen pour la Recherche Nucléaire) in der Nähe von Genf. Schon der Versuchsaufbau fasziniert. Ein 27 km langer ringförmiger Tunnel, 60 bis 100 Meter unter der Erde. Darin werden Atomteilchen (Protonen) auf zwei gegenläufige Bahnen geschickt und so lange beschleunigt, bis sie fast Lichtgeschwindigkeit haben. 11 000 mal in der Sekunde rasen die Teilchen durch den Tunnel. An vier Stellen im Tunnel kreuzen sich die Teilchenstrahlen und kollidieren. Dabei zerfallen die Protonen in Splitter. Möglicherweise entstehen neue Teilchen.

So muss es im Universum unmittelbar nach dem Urknall vor 14 Milliarden Jahren “ausgesehen” haben. Die Physiker, die hier am weltweit größten Forschungszentrum für Teilchenphysik forschen, interessieren sich in erster Linie für die neu entstehenden Teilchen.

GRID-Computing weltweit
In einem Hightech-Kontrollzentrum überwachen Techniker und Wissenschaftler die Experimente. Spätestens hier kommt die PC-Technik ins Spiel. Denn die Daten aus den Teilchenkollisionen werden in riesigen Serverfarmen gesammelt, in GRID-Computing-Systemen analysiert und auf Bandlaufwerken archiviert – ingesamt 15 Petabyte pro Jahr, das sind 10 hoch 15 Byte. Eine weltweite Forschergemeinde will diese Daten analysieren und erhofft sich so Aufschluss darüber, was genau unmittelbar nach dem Urknall passiert ist und wie das Zusammenspiel zwischen der geheimnisvollen Antimaterie und der Materie funktioniert.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Start des LHC (Large Hadron Collider) auf Hochtouren. Anfang 2008 soll es soweit sein. Einige Experimente sind bereits in Betrieb, wie beispielsweie ALICE (A Large Ion Collider Experiment).



Gigantische Dimensionen: Detektor im CERN (Foto: CERN)

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