iPhone – die ersten Urteile

Allgemein

Ganz heimlich durften ein paar auserwählte Journalisten zwei Wochen mit dem iPhone spielen. Und verraten jetzt, was sie erlebt haben.

Weil Steve Jobs es so wollte, durften sie nicht einmal darüber reden, dass sie das iPhone bereits hatten. Nur vom bekannt Apple-freundlichen Walter Mossberg drang zuvor durch, dass ihm das iWunder schon ausgehändigt wurde. Und deshalb wurde unter Schreibern hart spekuliert, wer das iPhone hatte oder nicht – und wenn ja oder nein, warum oder nicht. Die von Apple nicht Ausgewählten hingegen dürfen sich mit in die Käuferschlangen stellen, um überhaupt über das iPhone schreiben zu können.

Die ersten vier Rezensenten sind aus der Deckung gekommen. Walter Mossberg vom Wall Street Journal überschrieb seine Besprechung: „Das iPhone ist ein bahnbrechender Handheld-Computer“. Später neutralisierte er die Überschrift jedoch in „Das iPhone durchgetestet“.

David Pogue erkannte für die New York Times: „Das iPhone erfüllt überwiegend seinen Hype“. Edward C. Baig von USA Today befand: „Apples iPhone ist nicht perfekt, aber es ist den Hype wert“. „Endlich, das iPhone“ freute sich Steven Levy von Newsweek.

Die Ausgewählten sind sich einig, wie schön und chic das iPhone ist („das schickste Mobiltelefon, das ich jemals gesehen habe“, „ein kleiner, traumhafter Handheld-Computer“. Vorsichtshalber erwähnen sie aber auch, dass das Gerät die stratosphärisch hochgefahrenen Erwartungen unmöglich erfüllen kann. Sie lobten es über den grünen Klee und bemängelten überwiegend nur Einzelheiten.

Mossberg etwa störte sich daran, dass Kopieren & Einfügen nicht möglich ist (Office-Dokumente können betrachtet, aber nicht bearbeitet werden). Detaillierte Kritik kommt eigentlich nur von Pogue, der eine Anzahl von Features vermisst, die andere Smartphones schon lange kennen: kein Slot für Speicherkarten, kein Chat-Programm, keine Sprachsteuerung. Es gibt keine installierbaren neuen Programme außer von Apple; andere Firmen können nur Mini-Programme für Safari schreiben. Der Safari-Browser kann weder Java noch Flash und schließt damit Millionen von Web-Videos aus.

Zwei Rezensenten kamen gut mit der Nur-Finger-Eingabe von Buchstaben über den Touchscreen zurecht und führen es teilweise auf die gute automatische Fehlerkorrektur zurück. Levy hingegen brauchte Tage, um die richtigen Buchstaben auch nur mit einem Finger treffen zu können. Ähnlich erging es Pogue:

“Es ist frustrierend, auf die dünnen kleinen virtuellen Tasten auf dem Bildschirm zu tippen, besonders am Anfang … Jedenfalls ist die Texteingabe nicht die starke Seite des iPhone. Der BlackBerry wird nicht so schnell verschwinden.“

Die Laufzeit mit dem nicht austauschbaren Akku befand die Mehrzahl für erstaunlich gut. Apple habe die Versprechungen in dieser Hinsicht weitgehend eingehalten, waren sich die Tester einig.

Alle zusammen fallen sie zwar nicht über Apple, jedoch über das von Apple als einzigem Betreiber auserwählte Netzwerk von AT&T her. Die EDGE-Datenverbindungen beschreiben sie mit drastischen Worten wie „schäbig“ und „qualvoll langsam“. Das betrifft den Abruf von E-Mails mit Anhängen sowie den Aufbau von Webseiten. Pogue berichtet von krassen Ladezeiten:

Homepage der New York Times: 55 Sekunden.
Amazon.com: 100 Sekunden.
Yahoo: 2 Minuten.

„Man sehnt sich beinahe schmerzlich nach einem Wählmodem“, kommentiert er. Er erwartet jedoch weitere Verbesserungen des iPhone wie des Netzwerks und fällt ein salomonisches Urteil: „Das iPhone ist revolutionär; es ist voller Fehler.“

(bk)

Wall Street Journal

New York Times

USA Today

Newsweek