Bundeswehr: Der Wachhund hat unsere Datenbänder gefressen

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Etwa so unglaublich klingt die Ausrede, mit der die Truppe sich an die Öffentlichkeit wagte. Die Datenvernichtung entwickelt sich zu einem handfesten politischen Skandal.

Das kommt inzwischen vielen afghanisch vor: Als der Verteidigungsausschuss des Bundestags Vorwürfe über einen behaupteten Foltereinsatz der KSK in Kandahar klären wollte, da waren die geheimen Unterlagen weg. Und auch Informationen über den deutschen Guantanamo-Häftling Kurnaz waren rein zufällig verschwunden. Hatten sich bei einer „Datenpanne“ komplett verflüchtigt – obwohl es sich um Hunderte von Bändern handelte.

400 Nasen sind in Grafschaft-Gelsdorf bei Bonn damit beschäftigt, Geheimes für die Bundeswehr zu sammeln. In einem IT-System, das sich „Jasmin“ nennt. Die angefragten Informationen über Auslandseinsätze aber sind jetzt angeblich weg aufgrund eines „technischen Defekts“ an einem „Datensicherungsroboter“, der die Daten nicht mehr zu lesen vermochte. Es geht dabei um Informationen, die 1999 bis 2003 gesammelt wurden.

Fachleute wundert insbesondere, warum auf Sicherungsbänder verzichtet – und gar nicht erst versucht wurde, die Datenbänder zumindest teilweise wieder lesbar zu machen, was in der Regel durchaus möglich ist.

Zur angeblichen Datenpanne passt im Übrigen nicht, dass 2006 in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen Hans Christian Ströbele nach den KSK-Einsätzen nicht von den verschwundenen Daten die Rede war. Nach der heutigen offiziellen Darstellung wurden die Bänder jedoch 2005 vernichtet, ohne einen Versuch der Datenrettung zu unternehmen.

(bk)

Tagesspiegel