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DOSSIERS

Nur Steintafeln halten ewig
Digitale Amnesie

von Manuel Masiero 0

Archivieren an Hochschulen: TU München

Nur Steintafeln halten ewig

Mit welchen Problemen eine wissenschaftliche Einrichtung beim Thema Langzeitarchivierung zu kämpfen hat und wie sie gelöst werden, zeigt sich eindrucksvoll beim Leibniz-Rechenzentrum (LRZ). Das in München ansässige LRZ ist IT-Dienstleister für alle Münchener Universitäten und kooperiert mit anderen öffentlichen Einrichtungen wie der Bayerischen Staatsbibliothek, deren Daten es zum Großteil archiviert.

Zwei Millionen Gigabyte im Archiv
Die Datenmengen, die das LRZ insgesamt verwaltet, sind gigantisch »Wir nähern uns gerade der Grenze von 2000 Terabyte, die Hälfte davon sind Archivdaten«, sagt Werner Baur, Leiter der Gruppe Datei- und Speichersysteme. DVDs kommen bei diesen Datenmengen als Speichermedium nicht in Frage. Ein kleines Rechenbeispiel zeigt, warum: Um 2000 TByte mehr als 2 Millionen GByte auf DVDs zu archivieren, müsste man fast 470 000 Medien brennen. Stattdessen setzt das LRZ auf das klassische Magnetband. Mit der modernen Bandtechnologie lassen sich bis zu 1000 GByte Daten pro Magnetband speichern.

Festplatten-Archivierung lohnt sich nicht
Theoretisch kommen zwar auch Festplatten als Datenträger in Frage. »Das ist allerdings von den Energiekosten her bei unseren Datenmengen nicht effizient genug«, gibt Baur zu bedenken. »Im Gegensatz zu Bändern muss man in Platten nicht nur Energie hineinstecken, um sie am Laufen zu halten. Man muss auch die Wärme, die dabei entsteht, wieder abführen. Wenn Sie Tausende von Festplatten betreiben, brauchen Sie dafür eine große, teure Klimaanlage«.
Daten
bewahren die Wissenschaftler am Leibniz-Rechenzentrum zehn Jahre lang auf. Dies empfehlen auch die Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für wissenschaftliche Daten. Einzelne Einrichtungen müssen ihre Daten allerdings länger halten die Unikliniken beispielsweise mindestens 30 Jahre.

Automatisiert per Software-Steuerung
Die Verwaltung der Archivdaten erfolgt mit einer speziellen Software, dem Tivoli Storage Manager von IBM. Damit lassen sich individuelle Richtlinien definieren: Wie lange werden welche Daten aufbewahrt, wie viele Versionen soll es geben oder wann werden sie gelöscht. »Wir haben vorgegebene Standard-Einstellungen, etwa, dass die Daten zehn Jahre archiviert werden«, sagt Baur. »Wenn unsere Kunden andere Anforderungen haben, vereinbaren wir individuelle Regeln. Die Daten werden dann anderen Management-Klassen zugeordnet«.

Auf Nummer sicher mit Mehrfach-Backups
Um digitale Daten über Jahrzehnte hinweg zu erhalten, sieht das LRZ nur eine praktikable Lösung: Die Informationen müssen nach einigen Jahren auf neue Datenträger migriert werden. In der Regel verbleiben die Daten nicht mehr als fünf Jahre auf dem gleichen Medium.
Mit dieser Strategie schlägt das LRZ zwei Fliegen mit einer Klappe: Man senkt die Wahrscheinlichkeit, dass Daten infolge mangelnder Haltbarkeit des Datenträgers verloren gehen. Und vor allem: Man bleibt auf dem aktuellen Stand der Technik, was die Lesegeräte betrifft.
Aufbewahrt werden die Bänder in Räumen, in denen konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit herrschen, die mehrfach gegen alle möglichen Katastrophen abgesichert sind. Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch einmal zu einer völligen Zerstörung des Rechenzentrums kommen, bleiben immer noch die Nachbarn: Die wichtigsten Daten werden an das einige hundert Meter entfernte Rechenzentrum der Max-Planck-Gesellschaft in Garching geschickt.

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