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DOSSIERS

Nur Steintafeln halten ewig
Digitale Amnesie

von Manuel Masiero 0

Persönliches sicher speichern: Festplatten

Nur Steintafeln halten ewig

Bis zu 60 Monate Garantie geben Hersteller wie Seagate und WD ihren Desktop-Festplatten mit auf den Weg. Aber egal, ob 3,5-Zoll-, 2,5-Zoll- oder 1,8-Zoll-Laufwerk, mit mindestens drei Jahren Haltbarkeit ist man immer dabei. Speziell die Mini-Festplatten eignen sich als sichere Datenspeicher: Je kleiner der Formfaktor, desto geringer die Masse, entsprechend höhere Beschleunigungen und Verzögerungen verträgt das Gerät. Bei 2,5-Zoll-Laufwerken wie der Fujitsu MHV2200BT sind es üblicherweise um die 900 G im ausgeschalteten Zustand. Desktop-Laufwerke vertragen nur rund 250 G. Ein Freibrief für sorglosen Umgang ist aber selbst der höchste Beschleunigungs-Wert nicht. 900 G können zum Beispiel schon dann auftreten, wenn man die Festplatte aufrecht auf den Tisch stellt und umkippt. Behandeln Sie Ihre Festplatte daher möglich sorgsam. Nur bei einem Flashspeicher muss man sich keine Sorgen um die gespeicherten Daten machen, wenn das Gerät vom Tisch fällt.

100 000 Festplatten im Test
Wann erliegen Festplatten tatsächlich einem Defekt und was sind die Ursachen dafür? Um das herauszufinden, haben Mitarbeiter des Google-Konzerns die SMART-Werte von mehr als 100 000 Laufwerken ausgewertet, die beim Suchmaschinenprimus seit bis zu für Jahren im Dauereinsetz sind. Smart (Self Analysis And Reporting Technology) ist eine Selbstdiagnosefunktion, die unter anderem Lesefehler, die Anzahl der Betriebsstunden und die Start-Stop-Zyklen einer Festplatte protokolliert. Alle aktuellen Parallel- und Serial-ATA-Laufwerke sind mit dieser Technologie ausgestattet.
Es lohnt sich durchaus, häufig die Smart-Werte der Festplatte zu checken beispielsweise mit einem Tool wie HDTune. Denn Laufwerke, die das erste Mal einen Scanfehler über Smart melden, fallen innerhalb der nächsten 60 Tage 39-mal so häufig aus wie ihre intakten Kollegen. Der Festplatten-Gesundheitscheck ist aber keine Allzweckwaffe: Bei immerhin 36 Prozent der ausgefallenen Festplatten meldete Smart keinen Defekt.

Entweder sofort oder sehr spät defekt
Wer wichtige Daten auf Festplatte sichert, wird zwangsläufig alle paar Jahre auf ein neues Modell migrieren. Zum einen, weil mehr Speicherplatz gefordert ist. Zum anderen nimmt die Lebenserwartung eines Laufwerks deutlich ab, wenn die 5-Jahres-Grenze beziehungsweise 60 Monate Garantiefrist überschritten ist. Erfahrungsberichte vieler Anwender zeigen aber auch: Viele Festplatten erliegen bereits wenige Tage bis Wochen nach dem Kauf einem Defekt. Das bestätigt sich mit der Google-Studie: Die Wahrscheinlichkeit eines Defekts ist bei frischen Laufwerken und Geräten, die schon fünf Jahre und länger laufen, am höchsten. Neugeräte bleiben auf der Strecke, weil sich mögliche Produktionsfehler während der »Burn-in«-Phase offenbaren.

Burn-in-Test für neue Hardware
Um sicherzugehen, dass Ihre neue Festplatte frei von Kinderkrankheiten ist, sollten Sie das Laufwerk einem
Härtetest unterziehen. Gut dafür geeignet ist das kostenlose Tool SiSoft Sandra XI Lite, das einen speziellen Burn-in-Test anbietet. Dabei werden ausgewählte Systemkomponenten, darunter die Festplatte, fortlaufend und stark durch Benchmarks belastet. Je länger der Stresstest dauert, desto höher ist die Beanspruchung der Hardware, aber desto leichter lassen sich auch fehlerhafte Laufwerke ausmachen.
Festplatten-Oldies zwingen weniger Produktionsfehlern, sondern schlicht die Materialermüdung in den digitalen Ruhestand. Nach spätestens zehn Jahren ist endgültig Schluss: Etwa zu diesem Zeitpunkt ist die Flüssigkeit des Festplattenlagers restlos verdunstet. Ist das Laufwerk erst einmal in diesem Zustand, kommt man nur noch mit professioneller Hilfe von Datenrettungslabors an seine Daten.
Tipp: Wer wichtige Daten auf seine Festplatte speichert und sie anschließend ins Regal stellt, sollte sie nach maximal einem Jahr wieder anschließen. Je länger das Laufwerk ungenutzt herumliegt, desto größer die Gefahr, dass die Lagerflüssigkeit aushärtet.

Ausfallsicherer mit hoher MTBF-Zahl
Geht es darum, die Fehleranfälligkeit von Festplatten zu verdeutlichen, wird gerne der MTBF-Wert herangezogen (Mean Time Between Failures). Dieser taucht üblicherweise im Datenblatt einer Festplatte auf und gibt an, nach welchem Zeitraum statistisch gesehen ein Lesefehler auftritt. Achten Sie beim Kauf einer Festplatte daher auf einen möglichst hohen MTBF-Wert: Je höher, desto ausfallsicherer läuft das Gerät. 2,5-Zoll-Laufwerke kommen üblicherweise auf rund 300 000 Stunden, SCSI-Festplatten und für Dauerbetrieb ausgelegte Desktop-Laufwerke beziffern Hersteller mit 1,2 Millionen Stunden. Rechnet man nach, müsste ein Defekt also erst nach etwas mehr als 138 Jahren auftreten. MTBF bezieht sich allerdings auf eine ganze Laufwerkscharge. Anschaulicher und deshalb immer häufiger in den Datenblättern angegeben ist der AFR-Wert. Dieser gibt an, welcher Prozentsatz einer produzierten Menge an Festplatten innerhalb eines Jahres ausfällt je niedriger, desto besser.

Fazit: Sicher für einige Jahre
Schnell, preiswert und sicher: Festplatten speichern ihre Daten für etwa fünf Jahre unfallfrei im passenden RAID-Verbund lässt sich die Ausfallsicherheit noch erhöhen. Wer das Risiko eines Defekts minimieren will, greift zu einem 3,5-Zoll-Laufwerk: Festplatten in dieser Klasse bieten mit 1,2 Millionen Stunden die höchsten MTBF-Werte und sind damit am ausfallsichersten. Üblicherweise sind das Laufwerke, die für den Dauerbetrieb ausgelegt sind, beispielsweise Hitachi Deskstar E7K500 oder Seagate Barracuda 7200.10. Laufwerke mit kleineren Formfaktoren wie 2,5 Zoll kommen nur auf MTBF-Werte von etwa 300 000 und sind daher weniger zuverlässig als die 3,5-Zoll-Kollegen.
Festplatten bieten zudem nicht nur wesentlich mehr Speicherplatz als CDs, DVDs oder Flashspeicher, sondern sind auch wesentlich flotter beim Datentransfer. Trotz der gebotenen Leistung gibt es die Laufwerke für wenig Geld 1 GByte Speicher ist umgerechnet schon für weniger als 30 Cent zu haben.

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