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DOSSIERS

Nur Steintafeln halten ewig
Digitale Amnesie

von Manuel Masiero 0

Persönliches sicher speichern: CDs & DVDs


Nur Steintafeln halten ewig

Ob CD, DVD, Festplatte oder Flash digitale Speicher gehen meist früher als später kaputt. Bleibt die Frage, welchem dieser Medien der Anwender seine Daten noch am ehesten anvertrauen kann.

Wenn unsere Enkel in 50 Jahren versuchen, Digitalbilder oder Filme anzuschauen, die wir heute archivieren, scheitern sie unter Umständen daran, dass sich der Datenträger nicht mehr lesen lässt. Genau das wird auch passieren, wenn man ein und dasselbe Speichermedium verwendet weder optische Medien, Festplatten noch Flash-Speicher halten so lange durch.


(Klicken zum Vergrößern)

Das Märchen von der CD-Haltbarkeit
CD-ROMs verlieren selbst unter optimalen Lagerbedingungen schon nach wenigen Jahren ihre Daten. Das hätte auch das deutsche Musikarchiv nicht vermutet. Seit 1983 nimmt man dort ein Exemplar von jeder hierzulande erschienenen Audio-CD auf. Die Sammlung ist inzwischen auf stattliche 373 000 Tonträger gewachsen, allein 2006 kamen 20 000 neue dazu. Allerdings sind mittlerweile 200 der Audio-CDs, die in den ersten drei Jahren eingegangen sind, unlesbar in weniger als 25 Jahren zerstört durch aggressive Lacke des Label-Aufdrucks, die die Deckschicht des Mediums buchstäblich aufgelöst haben.
Gerade Sammlern entpuppt sich die Kurzlebigkeit der Datenträger als Katastrophe. Ihre sorgsam gehegten Alben und Filme zerfallen langsam und unmerklich und Jahre früher als bislang angenommen. Hier hilft nur noch, die Originale recht
zeitig zu kopieren. Auf Audio-CDs und Video-DVDs neueren Datums verhindern das Kopierschutzmechanismen leider recht effektiv.

Selbstgebranntes in Gefahr
Wenn bereits gepresste CDs so kurzlebig sind, wie sieht es dann erst mit CD- und DVD-Rohlingen aus? Eine kurze Umfrage in der PCpro-Redaktion ergibt ein eindeutiges Bild: Wenn Probleme auftauchen, dann speziell mit einmal beschreibbaren Medien wie CD-Rs und DVD-Rs, und das teilweise schon kurz nach dem Brennen. Der Autor dieses Artikels speichert seine Musikfiles beispielsweise seit zwei Jahren auf DVDs. Beim Versuch, die Soundfiles jetzt auf Festplatte umzukopieren, lassen sich einzelne Dateien nicht mehr lesen hier haben sich die Informationen bereits verflüchtigt.

Wiederbeschreibbares hält länger durch
Nach den Langzeit-Erfahrungen der Tester sind wieder beschreibbare Medien wie CD-RWs, DVD-RWs, DVD+RWs und DVD-RAMs deutlich widerstandsfähiger. Das belegt auch ein Dauertest von PCpro, in dem DVD-Medien über Monate hinweg gelöscht und wieder beschrieben werden. Obwohl die Scheiben nur bis 1000 Schreib-Lösch-Zyklen verkraften sollen, halten einige, wie der 4x-DVD+RW-Rohling von Ricoh, 10-mal länger durch als vorgesehen. Wer wichtige Daten auf optische Medien speichern will, sollte aber zur DVD-RAM greifen. Dieses Medium hält wegen seiner Sektorierung und der physikalischen Anordnung der Daten deutlich länger durch als die Konkurrenz – rund 100 000 Zyklen sollen es sein.
Auch die Nachfolge-Technologie garantiert keine ewig sicheren Daten: Weil sich der physikalische Aufbau von Blu-Ray-Disks und vor allem HD-DVDs grundlegend kaum von CDs und DVDs unterscheidet, kann man ihnen eine ähnlich begrenzte Lebensdauer attestieren.
Spricht man Rohlingshersteller auf die Langlebigkeit ihrer Produkte an, will keiner eine Garantie geben, die sich über die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren hinaus erstreckt. Treuherzig verweist man stattdessen auf Labortests, die CD- und DVD-Rohlingen unabhängig vom verwendeten Dye-Material wie Phtalocyanin oder Azo eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren attestieren.
So richtig traut man den eigenen Studien ohnehin nicht: Ein Ricoh-Produktmanager gab an, spätestens alle fünf Jahre wichtige Daten von einer CD auf ein frisches Medium umzukopieren.

Kauftipp: Zerkratzen Sie Ihren Rohling
Welche Rohlinge sollte man also kaufen? Die Dye-Farbe hat keinen entscheidenden Einfluss auf die Langlebigkeit, die Verarbeitung allerdings sehr wohl. Machen Sie mit einem oder zwei Exemplaren einer Rohlings-Charge den Praxistest: Je leichter sich die Labelschicht mit einem scharfen Gegenstand zerkratzen lässt, desto unsicherer sind Ihre Daten. Auf der Etikettenseite des Mediums befindet sich nämlich auch die Reflexionsschicht. Ist sie beschädigt oder fehlt, läuft der Laserstrahl ins Leere. Verzichten Sie zudem darauf, den Rohling mit einem Stift zu beschriften. Selbst der Farbstoff von ausgewiesenen CD-Markern kann chemische Prozesse auslösen, die die Deckschicht angreifen.
Greifen Sie beim Kauf zu Markenprodukten. Lediglich A-Brands wie Philips, Ricoh, Sony und Verbatim unterhalten eigene Produktionsstätten. Sicher ist: Damit bekommt man keine Rohlinge zweifelhafter Herkunft untergeschoben. Gefertigt wird mit eigenen Stampern. Das erlaubt eine exakte Produktion und ein präzises Finish wichtig für die Langlebigkeit der Medien. Wird beispielsweise die Lackschicht zur Versiegelung des Rohlings nicht optimal aufgetragen, kann dessen Reflexionsschicht korrodieren.

Fazit: Kurzlebig und zu empfindlich
Trotz ausgereifter Fehlerkorrektur-Mechanismen genügen bereits Korrosionsschäden, Verfärbungen oder wenige Kratzer auf CD- und DVD-Rohlingen, um sie unlesbar zu machen. Auch bei sorgfältiger Aufbewahrung muss man teilweise schon nach einem Jahr mit Datenverlusten rechnen. Festplatten sind hier die bessere Wahl nicht zuletzt, weil die Speicherkapazität der CDs und DVDs enge Grenzen setzt.

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