Virtualisierungs-Software: Innotek Virtual Box OSE
Konkurrenz für VMware

BetriebssystemSoftwareWorkspace

Virtual Box ist eine Open-Source-Alternative zu VMware Workstation und Co. Das Besondere: Die Software läuft unter Windows, Linux und Mac OS X.

Testbericht

Virtualisierungs-Software: Innotek Virtual Box OSE

Virtual Box ist Virtualisierungs-Profis bereits bekannt, denn die kommerzielle Variante gibt es schon länger. Vor drei Monaten hat sich Hersteller Innotek aber entschlossen, eine etwas eingeschränkte Version (kein USB-Support, Einschränkungen bei RDP) unter die GPL V2 (GNU General Public License) zu stellen. Und genau das macht die Software interessant: Sie ist kostenlos und einfach zu bedienen, sie kann viel und läuft stabil.

Für Privatnutzer gibt es kostenlose Binarys für Windows und Linux, die sich einfach installieren lassen. Firmen dagegen müssen den Quelltext selbst kompilieren (siehe dazu Kasten unten) oder eine kommerzielle Lizenz erwerben. Der Vorteil der Bezahlversion von Virtual Box: keine Funktionseinschränkungen und Firmensupport.

Stabil mit Linux und Windows

Virtual Box läuft auf Windows (ab Version 98 bis Vista), Linux und eingeschränkt unter Mac OS X. Auch die Anzahl der Gastsysteme kann sich sehen lassen. Es werden alle wichtigen Windows- und Linux-Versionen unterstützt, zudem Open BSD, OS/2 und DOS mit Einschränkungen. Kleine Schwäche: Unter Windows 2000 und XP läuft Virtual Box nur mit Admin-Rechten, bei Vista reichen ein Administrator-Konto und die Installationserlaubnis per Benutzerkontensteuerung.

Praktisch ist dagegen, dass Virtual Box mit virtuellen Disks von VMware zurechtkommt. So können VMware-User ihre Images weiter verwenden oder virtuelle Appliances nutzen.

Die Bedienung ist vorbildlich. Für die Einrichtung einer virtuellen Maschine brauchen versierte Nutzer nicht länger als zwei Minuten, ein übersichtlicher Wizard führt aber auch Virtualisierungsneulinge sicher zum Ziel. Für die virtuellen Betriebssysteme können Festplatten entweder mit statischer Größe oder auch dynamisch angelegt werden. Der Vorteil der Dynamik: Das System belegt immer nur so viel Platz auf der Festplatte, wie es tatsächlich benötigt. Das ist vor allem ein Vorteil für Nutzer, die mehrere virtuelle Umgebungen parallel betreiben.

Ein kleiner Schnitzer hat sich beim ersten Start von neuen virtuellen Maschinen eingeschlichen. CD- und DVD-Laufwerke werden nicht automatisch ins System eingebunden. Wer also ein Betriebssystem neu installieren will, muss über Devices/Mount CD/DVD-ROM nachhelfen. Alternative: Mounten Sie das Laufwerk über die zentrale GUI für jede eingerichtete virtuelle Maschine. So können Sie auch ISO-Dateien angeben; im Test laufen diese Installationen deutlich schneller ab.

RAM, RAM und noch mehr RAM

Auch unter Virtual Box teilen Sie den verschiedenen Betriebssystemen feste Arbeitsspeicher-Kontingente zu. Das Problem dabei: Die gestarteten virtuellen Maschinen schnappen sich bei Virtual Box den kompletten Speicher, der ihnen zugeteilt ist. Cleverer wäre es, wenn beim RAM-Verbrauch ? ähnlich wie bei den Festplatten ? Speicher nur nach tatsächlichem Bedarf akquiriert würde.

Im Test von PC Professionell lässt sich dieses unschöne Verhalten auf die Spitze treiben: Die virtuellen Maschinen hamstern so lange Arbeitsspeicher, bis am Schluss nicht genug für das Hostsystem übrig bleibt. Es stürzt ab, nachdem es zuvor mit panischen Swap-Vorgängen versucht hat, den Betrieb aufrechtzuhalten. Unser Tipp: Halten Sie immer genug RAM für das Hostsystem parat. 512 MByte sollten auch für Vista reichen.

Dem RAM-Dilemma könnte man zwar mit einem 64-Bit-Betriebssystem entgehen, das mehr als 4 GByte Speicher adressieren kann. Doch damit funktioniert Virtual Box leider nicht; als Hostsystem muss es momentan noch ein 32-Bit-OS sein. Die Entwickler beteuern aber auf der Webseite, dass fieberhaft an der 64-Bit-Unterstützung gearbeitet wird. Trotzdem, ein klarer Nachteil gegenüber der kommerziellen Konkurrenz.

Optimierte Grafiktreiber

Genügend Speicher vorausgesetzt, reagiert Virtual Box flüssig auf alle Kommandos und vergrößert Fenster ohne Murren auch in den Vollbild-Modus. Um virtuelle Maschinen zu beschleunigen, sollten Sie unbedingt die Guest Additions unter Devices installieren. In dem Paket stecken optimierte Treiber für Windows und Linux, mit denen die Gastsysteme höhere Bildschirmauflösungen schaffen. Im Test klappt das bei XP- und Linux-Gästen über Devices/Install Guest Additions ohne Probleme. Alle Vista-Versionen streiken dagegen. Ein Trick führt aber zum Ziel: Mounten Sie die ISO-Datei VBoxGuestAdditions.iso unter Devices/Mount CD/DVD-ROM.


Probleme auf dem Mac

Virtualisierungs-Software: Innotek Virtual Box OSE

Ein Alleinstellungsmerkmal von Virtual Box: Es läuft auch unter Mac OS X und wildert damit im Revier von Parallels Desktop und dem noch nicht ganz fertigen VMware Fusion. Doch gegen Parallels (siehe dazu PC Professionell Ausgabe 4/2007, Seite 102) hat Virtual Box keine Chance. Schon beim Kompilieren der Software gibt es erste Probleme, die sich nur mit viel Fingerspitzengefühl umschiffen lassen. Beim Programmstart hagelt es dann Fehlermeldungen beim Laden der Kernel-Extensions. Unter Mac OS X taugt Virtual Box ausschließlich für Bastler.

Die Tester vermissen zudem die Möglichkeit, physische Installationen in virtuelle Maschinen umzuziehen. Hier hat Virtual Box nichts zu bieten. Admins müssen in diesem Fall auf Tools von anderen Herstellern zurückgreifen. Wer auf die getestete Open-Source-Version setzt, der bekommt auch keinen USB-Support, das kann nur die kommerzielle Variante. Außerdem ? und das dürfte die größte Einschränkung in der Praxis sein ? können Dateien zwischen Host und Gast nicht über einen freigegebenen Ordner ausgetauscht werden.

Virtuelle Schnappschüsse

Wer eine VM einrichtet, kann davon unter Virtual Box einen Schnappschuss erstellen. Das geht bequem über VM/Take Snapshot. Der Virtual Disk Manager verwaltet alle virtuellen Festplatten sowie CD-, DVD- und Floppy-Images. Der Manager ist vor allem beim Kopieren von virtuellen Disks praktisch, denn das einfache Duplizieren im Explorer scheitert an der ID, die Virtual Box jedem Image zuordnet. Das Kommandozeilen-Tool vboxmanage clonevdi passt die ID an und fertigt eine Kopie des Images an.


Testergebnis

Virtualisierungs-Software: Innotek Virtual Box OSE

Produktname: Innotek Virtual Box OSE
Hersteller: Innotek
Internet: Innotek Homepage
Preis:
kostenlos

Note befriedigend
Leistung (40%): befriedigend
Ausstattung (30%): befriedigend
Bedienung (30%): gut

Das ist neu:
– Unterstützung für Windows, Linux, Mac OS X
– Dynamische virtuelle Partitionen
– Snapshots von virtuellen Maschinen

Systemvoraussetzungen
Betriebssysteme: ab Windows 98, Linux,
Mac OS X
Prozessor: Pentium 4/3 GHz
Arbeitsspeicher: 1 GByte

Fazit
Virtual Box läuft stabil und schnell und ist mit guten Funktionen ausgestattet. Dennoch ist die Open-Source-Version nur für Bastler und Entwickler zu empfehlen, alle anderen sollten zur kommerziellen Version greifen, Mac-User sind bei Parallels besser aufgehoben.