Produktivitätsverlust durch Internet?
Web 2.0 ist nicht für jeden das, was man unter Spaß versteht

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Für die Unternehmensbosse wird der durch die Web-Revolution erzielte Zuwachs an Produktivität durch stundelanges Surfen beschnitten. James Murray fragt sich, ob Web 2.0 schuld ist und was man als Unternehmer dagegen tun kann.

Ist Web 2.0 sinnlos?

Produktivitätsverlust durch Internet?

Ich muss etwas gestehen: YouTube ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Man sagt zwar, dass Sarkasmus die niedrigste Form von Witz sei, aber Videoclips über einen Mann, dem versehentlich mit einem Baseballschläger zwischen die Beine gehauen wird oder über irgend ein Gör, das vorgibt, Obi Wan Kenobi zu sein und einen Plastesäbel schwingt, müssen dem sehr nahe kommen.

Auch kann ich in MySpace oder Faceback keinen echten Sinn sehen, außer auf Leute zu stoßen, die ich jahrelang nicht gesehen habe – um erneut festzustellen, warum ich eigentlich den Kontakt zu ihnen verloren habe.

Online-Spiele lassen mich ebenfalls kalt, sie bieten eine blasse Nachahmung des Sega Master Systems, das in erster Linie ziemlicher Mist war. Und man komme mir ja nicht mit “Second Life”, das das Ende der Zivilisation so eindringlich heraufbeschwört wie jeder schmelzende Eisberg.


Masse begräbt Qualität

Produktivitätsverlust durch Internet?

Aber von meinen Freunden und Arbeitskollegen weiß ich, dass ich mit meinen Vorbehalten ziemlich allein auf weiter Flur bin. Es scheint, als ob das Web noch nie unwiderstehlicher war – mit Hochgeschwindigkeits-Breitband, den hilfreichen Web 2.0 Seiten und dem hochauflösenden Video als tragenden Säulen.

All das heißt für IT-Chefs eine Büchse der Pandora zu öffnen. Die Internet-Revolution hat es den Menschen mehr als jemals zuvor erleichtert, an die Informationen zu kommen, die sie brauchen, um ihre Arbeit besser zu machen. Um nur ein Beispiel zu nennen ist da die Reihe an Webseminaren zum Thema: “Wie betreibt man eine grüne IT-Abteilung”. Dieses Seminar wird von IT Week und seiner Schwesterzeitschrift Computing veranstaltet. Mittels diesen interaktiven Web-TV-Shows von einer Stunde Dauer können sich die IT-Mitarbeiter Präsentationen anhören, Fragen stellen, mit ihren Fachkollegen debattieren und Informationen herunterladen, ohne ihren Schreibtisch zu verlassen.

Die Kehrseite aber ist, dass jedem Gran an wertvoller, beruflich relevanter Information 10 Clips gegenüberstehen, bei denen ein Kind von einem Trampolin fällt – die weniger motivierten Arbeitskräfte eines jeden Unternehmens lassen sich davon aber leicht ablenken. Es ist unmöglich zu sagen, wie viele Stunden jeden Tag von Büroangestellten verschwendet werden, weil sie dermaßen alberne Clips auf YouTube anstarren, die es noch nicht mal in “Pleiten, Pech und Pannen” schaffen würden.


Spaß statt technische Beschränkung

Produktivitätsverlust durch Internet?

Für die IT-Chefs stellt sich nun die Frage: Was tun? Einige Unternehmen versuchen es mit technischen Lösungen, indem sie die Nutzer einfach vom Websurfen abblocken oder versuchen, Material herauszufiltern, das nicht zum Job gehört. Der Haken ist, dass man auf diese Weise seine Mitarbeiter nicht nur wie unzuverlässige, ungezogene Kinder behandelt, sondern ihnen möglicherweise auch den Zugriff auf nützliches Online-Material verweigert.

Akzeptable Nutzungsvorgaben sind effektiver, aber man setzt sich häufig über sie hinweg. Ihre Einhaltung zu erzwingen, ist dem Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht gerade förderlich.

Vielleicht müssen die Unternehmen eine etwas tolerantere Haltung gegenüber dem Surfen einnehmen. Bedenkt man, dass die Büroangestellten in Großbritannien europaweit bereits die meisten Arbeitsstunden aufweisen (die Deutschen folgen dicht danach), sollten ihre Arbeitgeber ihnen vielleicht gestatten, immer mal 10 Minuten mit einer Billigversion von Tetris zu vertrödeln.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.