Business-Software ohne “Usablity”
Unternehmensanwendungen müssen kundenfreundlicher werden

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James Murray von der IT Week meint: Unausgereifte, mangelhafte Software treibt Firmenkunden in die Arme von Alternativen für Privatanwender. Google und Co dürfen sich freuen.

Not mit Notes

Business-Software ohne “Usablity”

Vor einigen Wochen wollte ich ein paar Tage frei nehmen, um zur Hochzeit eines Freundes zu fahren und habe deshalb versucht, die “Abwesenheitsmitteilung” in meinem E-Mailsystem zu aktivieren. Nach einer halben Stunde hing ich dank einer Kombination aus eigener Dummheit und einer noch blöderen Software noch immer im Büro herum – mein Posteingang näherte sich dem Schmelzpunkt und die nette Dame vom Helpdesk erklärte, dass Lotus Notes “so was wirklich nicht hätte tun sollen”.

Ich hatte folgende Aktionen durchgeführt: Auf der Symbolleiste habe ich die Funktion für “Abwesenheitsnotiz” gefunden, meine Urlaubsdaten eingeben – 4. bis 9. Mai – und auf “Aktivieren” geklickt.

Den Monat hatte ich wohlweislich auf Mai umgestellt, nicht aber das Jahr geändert. Deshalb lautete die automatische Antwort: “Ich werde ab 04.05.2006 außer Haus und erst am 10.05.2007 wieder anwesend sein”.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das System dann meine Abwesenheitsnotiz automatisch an jeden geschickt hat, der mir im letzten Jahr eine E-Mail gesendet hat.


Benutzerfeindliche Funktionen sind Standard

Business-Software ohne “Usablity”

Die Folge war, dass sich mein Urlaubsbeginn verzögerte, weil mein Posteingang mit irrtümlichen Rückläufern der Nachrichten und Abwesenheitsnotizen von den Heerscharen von Leuten überflutet wurde, die unbeabsichtigt in den Genuss meiner Kontaktaufnahme gekommen sind. Mittlerweile haben unzählige andere Leute vielleicht in ihren Posteingang geguckt und sich gefragt: “Warum sagt mir dieser Idiot Murray, dass er in Urlaub fährt?”

Ich will es ja gern zugeben – bei dieser Geschichte lag es daran, dass ich die Daten nicht korrekt überprüft hatte. Dennoch stellt sich die Frage, wer in aller Welt eine derartig nutzerfeindliche Funktion absegnen würde? Ich weiß das die Entwicklungsteams für Software immer unter Druck stehen, aber sicher gehört es nicht zu den geistigen Glanzleistungen, sich vorzustellen, dass jemand, der eine automatische Abwesenheitsnotiz erstellen möchte, dies von dem betreffenden Tag an tun möchte und nicht 12 Monate vorher – und dass ein automatisches Updaten des Anfangstermins eine vernünftige Einrichtung wäre. Ist es andererseits nicht absolut naheliegend, dass die Option, seinen Mailpartnern ein ganzes Jahr lang mitteilen zu können, dass man abwesend war, völlig bekloppt ist?

Für die Software-Industrie ist es Anlass zur Sorge, dass dermaßen benutzerfeindliche Funktionen überraschend häufig auftreten. Es geht nicht darum, dass es zu teuer oder zu kompliziert wäre, diese Dinge in Ordnung zu bringen, sondern darum, dass in der Planungsphase durch die Programmierer ein Widerwillen oder die Unfähigkeit besteht, sich in die Nutzer hineinzuversetzen.


Unverhoffte “Consumerisierung” im Business

Business-Software ohne “Usablity”

Deshalb verwundert es kaum, dass die Nutzer den traditionellen Anwendungen die kalte Schulter zeigen und sich mehr den Alternativen zuwenden, die für den Privatanwender gedacht sind, wie Google Mail und Co. Solange die Software-Spezialisten für Unternehmens-Anwendungen nicht in die Gänge kommen, wird es den IT-Managern weiterhin schwer fallen, die Nutzer davon abzuhalten, einfacheren und eingängigeren Anwendungen den Vorzug zu geben, die eigentlich für Otto Normalverbraucher gedacht sind.

Dies mag ein unvorhergesehenes Argument für die vor zwei Jahren von Gartner verkündete “Consumerisierung” der Geschäfts-IT sein. Die Hersteller von Business-Software können dies nur abwehren, indem sie bessere Programme anbieten.