Räuber stutzen Vietnams Internet

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Piraten gibt es nicht nur im Web und auf See, sondern nun auch unter beiden Oberflächen: Findige Diebe haben angesichts des hohen Kupferpreises einfach mal große Stücke wichtiger Unterseekabel “abgezweigt”.

Sie hatten wohl die Nase voll vom Fischfang und gingen vor Vietnams Küste auf einen ganz anderen Beutezug. Es ging ihnen ordentlich etwas ins Netz: Nicht ein paar Meter oder eine Kurzstrecke interessierte sie, nein die Hightech-Fischer schnitten sich gleich mal großzügige 98 Kilometer (!) von den gut armdicken Strängen ab. Blöderweise waren es Backbones, über die etwa 80 Prozent des Internet-Verkehrs zwischen Hong Kong und Thailand fließen.
Die Lücken im Netz können zwar ersetzt werden, aber das kostet mindestens einen Monat Zeit und die Kleinigkeit von ungefähr 4,5 Millionen Euro. Vietnam hat momentan nur noch ein 10 Gbps SMW3-Kabel übrig, welches sie mit der Welt verbindet. Ginge diese letzte Nabelschnur auch noch verloren, wäre man wieder in die Frühzeit der Web-Schleicherei zurückgeworfen.
Premierminister Nguyen Tan Dung nannte die Folgen des Diebstahls eine Gefahr für die Wirtschaft und eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Auch das Image des Landes könne Schaden nehmen. Daher hat er nun Patrouillenboote der Verteidigungsstreitkräfte losgeschickt, um die letzten heilen Telekom-Kabel zu bewachen.
Übrigens hatte die Regierung voriges Jahr erlaubt, uralte Kabel der früheren Südrepublik und alte US-Hinterlassenschaften von vor 1975 zu bergen und zu “entsorgen”. Diese Erlaubnis zog man vorigen Monat eilig zurück als es auch hochaktuellen und wichtigen Kabeln an der Kragen ging. Wie war das noch mit Pandoras Büchse? (Ian Williams/rm)


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