Flirt-Hemmungslöser im Web
Online Glück – 2. Generation

Allgemein

Online-Dating-Seiten gibt es viele. Doch was, wenn man sich wirklich trifft? Ein neuer Service für Internet und Handy will die “Ladehemmung” beim Flirten lösen.

Echtzeit-Flirt-Hilfe aus dem Handy

Flirt-Hemmungslöser im Web

Seit 21. Mai ist der Service “flirTrain” online und stellt seine Dienste per Web und WAP bereit. Er bietet angeblich ” erstmalig Flirt-Tipps in Echtzeit auf dem Handy an”. Eine nette Idee – doch taugt sie auch was? Ein beschreibender Selbstversuch.

Partnersuche per Web hat Konjunktur – Pleiten in dem Segment auch. Denn den Online-Partnerbörsen fehlt es an Sicherheit, dass “Mandy, 23, blond, 176, 52” und “Ben, 32, Online-Broker, 1,98, sportlich” auch tatsächlich aussehen und sind, was sie vorgeben. Doch wer seinen echten Traum an der Supermarktkasse sieht, steht schnell auf dem Schlauch. “Damit das nicht mehr sein muss, gibt es hierfür netzbasierte Rettung”, posaunt die R-Agentur des Dienstes heraus.


(Der Web-Service flirTrain liefert Tipps zm Anbandeln.)

Das Portal dazu kommt aus der Single-Hochburg München und ist ein mobiler Flirtcoach, der seine Tipps im Internet verteilt – und nach einer Registrierung auch auf das Handy liefert. Der Web-Dienst ist von Werbepartnern wie McDonalds finanziert, die Tipps auf dem Internet-Service sind dementsprechend oberflächlich. Wer mehr will, als diesen “BigMac” der Redaktion hinter flirTrain, muss den Handy-Dienst abonnieren. Weil die Telekommunikationsfirmen eine Bindung von mindestens drei Monaten verlangen, kann sich der interessierte Kunde mit Flirthemmung dort in Verträgen erst ab drei Monaten verpflichten. Bis zum 21.06. ist der Dienst allerdings noch kostenfrei im Probebetrieb, danach kostet er 1,89 Euro im Monat, also 5,67 Euro im Vierteljahr. Die Zahlung erfolgt per Kreditkarte oder Bankabbuchung.


Web 2.0 fürs Flirten

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“flirTrain ist das einzige Portal für Flirt-Tipps in Deutschland und das erste, das die Tipps passend zur Situation genau dann liefert, wenn man sie braucht”, schwärmt Erfinder Andreas Varesi. Bei Recherchen konnten wir außer einem Playboy-Podcast auch keinerlei Mitbewerber entdecken. Und Echtzeit-Lösungen für einen “Flirt-Blackout”, die man eben heimlich auf der Restaurant-Toilette lesen kann, fehlen bislang vollkommen.

Ob diese Tipps immer etwas bringen, hängt zwar auch von der Person ab und was sie daraus macht – aber immerhin sind sie ein Ideengeber, wenn die grauen Zellen vor Aufregung nicht mehr wollen.


(Übersicht für Männer: Tagestips und andere “Ladehemmer”)

flirTrain ist in zwei Sektionen geteilt: Männlich und Weiblich. Das macht Sinn. Gleichfalls Sinn macht, die Wahl des eigenen Partnerwunsches nicht auf das katholische Ehebild zu reduzieren. Wer sich als Nutzer registriert, kann hier nicht bloß Tipps einsehen, sondern sie auch bewerten und eigene Tipps abgeben. “Das ist fast wie Wikipedia gepaart mit Versions-Tracker für mehr Glück in der Partnerschaft.”, heißt es beim Anbieter.


(In der Betaversion mussten Frauen noch rosa sehen)

“Web 2.0 ist sicher ein Schlüssel zu flirTrain”, sagt Gründer Varesi über sein Mitmach-Portal, bei dem Spaß am Mitmachen angeblich ganz oben eingereiht ist. Ein anderer Schlüssel sei, dass flirTrain Wert auf ernsthafte Tipps lege und stumpfe Anmachen und sexistische Sprüche konsequent verbannen wolle. Dafür sorge eine vierköpfige Redaktion, je zwei Frauen und Männer, die jeden der Tipps prüft, bevor er online geht.


Ideen-Datenbank für Schüchterne

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Aktuell gibt es Tipps für rund 1000 Situationen. Wortlose Ideen für Schüchterne sind ebenso dabei wie Notbremsen für überschäumende Bohlen-Typen. Und alle diese Tipps stehen für die “Messaging-Generation” auch auf dem Handy zur Verfügung. Der einfachste Weg dazu ist ein WAP-Push, der den Link als SMS auf das Handy bringt. Der lässt sich bei den meisten Modellen auf einen Hot-Key legen und ist dann immer parat, wenn es Not tut. Das wollten wir probieren,

Online registrieren funktioniert erst einmal recht einfach: Nickname und Passwort ausdenken, dazu einige weitere Basisdaten tippen. Dann Flirtprofil und bevorzugte Flirt-Orte bestimmen. Das geht über das Anklicken von Boxen. Danach lassen sich Flirt-Tipps gefiltert und ungefiltert anzeigen – also die, die am wahrscheinlichsten passen oder alle zusammen. Über einen Schalter oben im Menü der Tipps lassen sich sogar die passenden Tipps der Gegenseite einsehen.

Zur optimalen Vorbereitung gibt es einen Umfangreichen Ratgeber. “Sieh für den Partner lecker aus” ist einer der Tipps, der mit Blick auf diverse Männer sicher Not tut – auch wenn ihn nicht gleich alle umsetzen können. Seine eigentliche Stärke spielt flirTrain unterwegs aus. Der Handy-Test zeigt: es braucht keine Minute, bis ein passender Tipp auf dem Display ist. Das mag manchem Wortlosen zu langsam sein, doch schnellere Dienste gibt es nicht.


Bezahlbarer Ideengeber

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Ein Tipp, der flirTrain mit dem möglichen Erfolg verbindet, ist der Handytipp für Schüchterne. Dazu nimmt man sein Handy, tippt eine Nachricht wie “Hast du Lust auf einen Kaffee?” ein und schaut das Gegenüber an. Schaut es zurück, gilt es zu lächeln – das ist ein grundsätzlicher Tipp, der überall zu finden ist. Lächelt das Gegenüber zurück, schiebt man das Handy hin. Immerhin – der Kaffee wurde akzeptiert, das Date scheiterte aber am Ehering des Schreibers. An diese Kleinigkeiten muss der Flirtende aber selber denken.

Die Beta-Tester des Portals waren da erfolgreicher, zum Beispiel der User mit dem Namen “Rocker”: “Heute hab ich eine süße Maus gesehen, wie sie bei dem Sch… wetter mit einer Zeitung auf dem Kopf rumgerannt ist. Hab dann mal bei Flirtrain Regen eingegeben und den Tipp ‘Biete ihr an, sie mit unter Deinen Schirm zu nehmen’ gefunden. Sie unter meinen Schirm zu bekommen war ja nicht wirklich schwer – aber die Idee sie auf einen Kurzurlaub in ein Cafe einzuladen war der Megatipp. Sie fand’s süß und ist tatsächlich mitgekommen”. So einfach ist es aber nicht immer – das Spiel mit den Stichworten zu bestimmten Situationen will gelernt sein.

Und “wichtig ist uns auch, dass die Nutzung nicht teuer wird”, sagt Andreas Varesi. Die optimierten Dateien seien auf einem GSM- wie auf einem UMTS-Handy fast gleich schnell. Und kosteten im teuersten Tarif Deutschlands – einem der Telecom – 49 Cent pro SMS (unabhängig von der Grundgebühr, die nach dem Probebetrieb fällig wird). Meist werden schon 19 Cent für einen guten Tipp reichen. Der Betreiber scheint aber auch auf den Sucht-Effekt und die Gruppendynamik beim gemeinsamen Tipps-Lesen zu setzen – damit sich die geringen Gewinnmargen auch irgendwann rechnen.

Wer ohne die (zugegebenermaßen) simplen Tipps nicht auskommt, hat mit dem Service durchaus einen Stichwort- und Ideengeber. Für Dinge wie den nötigen Charme und das – nicht zu aufgesetzte – Lächeln muss der Nutzer trotzdem selbst sorgen. Da hilft aber weder der Psychiater noch der Web- und Handy-Dienst. Aber ein Anfang ist gemacht!