Akute Wiiitis – der erste dokumentierte Fall

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Es traf ausgerechnet einen Arzt im Praktikum. Eine medizinische Fachzeitschrift dokumentierte seine Symptome, die zunächst nur schwer erklärbar schienen.

Der gesunde 29-jährige erwachte an einem Sonntagmorgen in Barcelona mit intensiven Schmerzen in der rechten Schulter. Er konnte sich an keine Verletzung erinnern, hatte sich in der letzten Zeit auch nicht sportlich betätigt. Ein Rheumatologe stellte schließlich eine akute Sehnenentzündung fest, die den rechten Musculus Infraspinatus beeinträchtigte.

Der leidende Patient wurde befragt, wie er die letzten 24 Stunden verbracht hatte. Es kam schließlich heraus, dass er eine Wii-Spielekonsole gekauft und damit über mehrere Stunden ein Tennis-Game gespielt hatte.

Die leicht ironische Beschreibung im New England Journal of Medicine führt aus, dass er anders als im wirklichen Tennis durch seine mäßige Fitness nicht daran gehindert wurde, es zu übertreiben:

„Anders als beim echten Sport sind körperliche Stärke und Ausdauer nicht als begrenzende Faktoren zu verstehen.“

Wiiitis darf als Variante des zuerst 1990 beschriebenen Leidens Nintendinitis gelten. Ihre Beschreibung unterscheidet sie jedoch deutlich genug, um eine eigene Bezeichnung zu rechtfertigen.

Bei unerklärlichen Gelenk- oder Muskelschmerzen werden Ärzte in Zukunft bei nicht sportlich oder gymnastisch aktiven Patienten die Frage nach der Wii ihren Standardfragen hinzufügen müssen. Der Fallbericht weist außerdem darauf hin, dass Tennis nicht die einzige Video-Sportart von Nintendos Wii ist. Die übrigen und in Zukunft eingeführte Sportarten können die Diagnose erschweren:

„Künftige Spiele beanspruchen vielleicht andere und unerwartete Muskelgruppen. Ärzte sollten sich daher bewusst sein, dass es vielfache und vielleicht rätselhafte Formen von Wiiitis gibt.“

Der erste Wiiitis-Patient musste nicht lange leiden. Ein Schmerzmittel und eine Wii-freie Woche beseitigten seine Symptome.

(bk)

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New England Journal of Medicine