Findet gehostetes Grid-Computing seine Kunden?
Sun hat es gebaut – aber wird es gebraucht?

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Die Erwartungen des Anbieters an seinen Utility-Computing-Dienst Network.com stehen mit der Realität des Marktes auf Kriegsfuss.

Riesige Infrastruktur ohne Kunden

Findet gehostetes Grid-Computing seine Kunden?

Der Utility-Computing-Dienst Network.com von Sun erinnert mich an Londons Stadtteil “Canary Wharf” – er kam in den 60erJahren und fortan immer weiter herunter, bis er schließlich neu bebaut wurde. Doch anfangs war hier eine riesige, fast leere Infrastruktur, der genau das fehlte, wofür sie gedacht war – zahlende Kunden.

Heute ist Canary Wharf ein blühendes Geschäftszentrum und Sun gibt sich zuversichtlich, dass der Run auf seine Ressourcen zur IT-Verarbeitung dem Gescharre um Land im Londoner Osten gleichkommen wird. Aber sind diese Erwartungen realistisch?

Das Hauptproblem beim “Utility Computing” scheint die Identifizierung eines Zielmarkts zu sein. In den USA, wo Network.com bereits eine Weile verfügbar ist, scheint das Interesse an diesem Dienst bei denjenigen Kunden am größten zu sein, die in finanzieller Hinsicht zu größter Vorsicht neigen – bei den KMUs (Kleinn und mittelständischen Unternehmen).


Falsche Zielgruppe KMUs?

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Kleine Software-Entwicklungsbuden, die große Programme zusammenstellen wollen, ohne selbst viel Hardware an sich zu binden, scheinen den Verlockungen von sofort verfügbaren, eigens zu diesem Zweck gedachten Verarbeitungskapazitäten am ehesten zu erliegen.

Geld mit KMUs zu machen ist zwar kein Ding der Unmöglichkeit, berücksichtigt man aber die engen Margen, muss man viel mehr verkaufen, als Sun dies jetzt tut.

Lässt man die KMUs mal beiseite, so finden sich auf der Liste von potentiellen Kunden noch die großen Firmen, die rechenintensive Zahlenverarbeitungen oder Datenanalysen vornehmen. Pech für Sun, dass diese Firmen sich normalerweise ihre eigenen hochleistungsfähigen Rechenkapazitäten leisten können und diese kaum stundenweise von jemand anderem leasen müssen.


Sun-Erzrivale Intel besser?

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Noch trostloser sieht es aus, wenn man sich ansieht, was Intel, ein Erzrivale von Sun, für seine Computer-Architektur auf der x86-er Basis vorhat. Der Prozessor-Riese ist optimistisch, in ein paar Jahren Teraflop-Verarbeitungskapazität auf Servern zu bieten und kurze Zeit später sogar für Desktop-PCs.

Angesichts solcher zukünftigen Rechenleistung, die zugleich hochleistungsfähig als auch preisgünstig ist und auf dem Desktop eines jeden Nutzers möglich ist, sieht das Geschäftsmodell von Sun doch etwas armselig aus.


Das tote Pferd Utility Computing

Findet gehostetes Grid-Computing seine Kunden?

Weshalb soll man Verarbeitungskapazität auf Sun-Servern leasen, wenn man die gleiche hochleistungsfähige Anwendung auf den eigenen PC über Nacht laufen lassen kann oder sogar als Aufgabe im Hintergrund, während man seine E-Mails liest und an einem Office-Dokument arbeitet?

Zugegeben, das ist eine gewisse Vereinfachung, nicht zuletzt, weil dabei der niemals ermüdende Drang der Software-Entwickler unberücksichtigt bleibt, Anwendungen zu entwickeln, die auch das letzte Quäntchen an Leistung aus der verfügbaren Hardware herauspressen.

In der IT kommt es immer wieder vor, dass etablierte Trends über den Haufen geworfen werden aber die enttäuschenden Kundenzahlen lassen erwarten, dass Sun auf ein totes Pferd einprügelt – das den Namen Utility Computing trägt.