Neue Intel-Chipsätze
Hasen und Igel

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Intel ist nicht nur der größte Prozessorhersteller, sondern auch die Nummer eins unter den Chipsatzschmieden. Mit neuen Chipsätzen baut Intel diese Position aus.

Codename Bearlake

Neue Intel-Chipsätze

Bei AMD herrschte unlängst große Freude. Mit dem AMD 690 glaubte man endlich einen Chipsatz mit integrierter Grafik im Programm zu haben, der fähig ist, die Konkurrenz von Intel und Nvidia auf die Plätze zu verweisen. Denn das große Geschäft machen die Chipsatzhersteller mit den Modellen mit integrierter Grafik.

Irgendwie geht es AMD aber wie dem Hasen im Märchen. Kaum ins Ziel gehechelt, steht da bereits der Igel und ruft: »Ich bin schon da«. Der Igel heißt in diesem Fall Intel, und dessen Joker sind die brandneuen Chipsätze mit dem Codenamen Bearlake.

Intels Chipsatz-Septett

Bis Ende Mai sollen zunächst der G33 mit integrierter Grafik und der für separate PCI-Express-Grafikkarten bestimmte P35 auf den Markt kommen. Hier waren erste Platinen schon auf der Cebit zu sehen. Das Einsteigermodell G33 und sein Business-Pendant Q33 verwenden noch die aus Intels G965-Chipsatz bekannte DirectX-9-Grafikeinheit, beim G33 ist die Grafikleistung allerdings etwas höher.

Mit einem neuen Grafikkern sollen dann der im dritten Quartal 2007 erscheinende G35 und sein Business-Gegenstück Q35 auch DirectX 10 und die Ausgabe über HDMI unterstützen. Zur selben Zeit kommt mit dem X38 die Ablösung für den in die Jahre gekommenen 975X-Highend-Chipsatz auf den Markt. Der X38 wird das schnellere PCI Express 2.0 unterstützen und bietet zwei vollwertige PCI-E-x16-Schnittstellen für Grafikkarten. Bis auf das ebenfalls für die zweite Jahreshälfte geplante Einsteigermodell G31 mit integrierter Grafik unterstützen alle Bearlake-Chipsätze den schnelleren FSB1333-Systemtakt für die kommende E6x50-Familie der Core-2-Duo-Prozessoren und die 2008 erscheinenden 45-Nanometer-CPUs.

DDR-Speicher, die Dritte

Ein gemeinsames Merkmal aller Bearlake-Chipsätze mit Ausnahme des G31 ist die Unterstützung von DDR3-RAM. Zwar werden die ersten verfügbaren Module im neuen Speicherstandard als DDR3-800-Typen auf den Markt kommen und damit keine höheren Frequenzen bieten als die verfügbaren DDR2-Bausteine. Der neue Standard macht aber den Weg frei zu schnelleren Taktraten: Geplant sind Module mit einem effektiven Takt von bis zu 1600 MHz und Datenraten von bis zu 25,6 GByte/s.

Zur Performance-Optimierung besitzen die neuen Speicher einen von 4 auf 8 Bit verdoppelten Prefetch-Buffer, können also mehr Daten auf Vorrat laden. Letztendlich werden diese Verbesserungen allerdings von den bei DDR3 längeren Adressierungszyklen (CAS-Latency) wieder etwas ausgebremst. Wie beim Umstieg auf DDR2-Speicher wird der Geschwindigkeitsgewinn daher bei wenigen Prozent liegen. Der größte Vorteil der DDR3-Speicher ist derzeit noch die im Vergleich zu DDR2 um etwa 40 Prozent niedrigere Leistungsaufnahme. Allerdings arbeiten die Bearlake-Chipsätze auch mit DDR2-Speicher zusammen. Einige Mainboardhersteller werden deshalb auch Platinen bringen, die nur DDR2-Steckplätze bieten oder auf denen alternativ beide Speichertypen eingesetzt werden können.

Aufholjagd bei AMD und Nvidia

Angesichts der neuen Intel-Chipsätze wird es für AMD schwerer, mit der unter ATI-Label erscheinenden Intel-Variante des eigenen 690er-Chipsatzes Terrain zu gewinnen. Anders sieht es bei den Chipsätzen für die eigenen Prozessoren aus. Denn dort bringt der AMD 690G mit integrierter Radeon-X1250-Grafikeinheit nicht nur gute Leistung, sondern ist für die Mainboardhersteller auch aufgrund seines niedrigen Preises interessant. Mit HDMI-Unterstützung eignet sich der Chipsatz zudem gut für Media-Center-PCs.

Bei Nvidia-Chipsätzen muss man dafür derzeit noch einen zusätzlichen Chip bemühen. HDMI wird erst der nächste Nvidia-Chipsatz mit integrierter Grafik, der MCP68, mitbringen. Dieser wartet zudem mit einer verbesserten Version des Video-Beschleunigers Pure Video auf.