Was maschinelle Übersetzungssoftware kann
Regnet es Katzen und Hunde?

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Wer internationale Geschäftsbeziehungen aufbauen und pflegen will, darf bei fremdsprachigen E-Mails, Geschäftsbriefen, Web-Seiten, Dokumentationen oder Gebrauchsanweisungen nicht das Handtuch werfen. Auch die Vernetzung länderübergreifender Unternehmensstandorte bringt neue Anforderungen. Kann maschinelle Übersetzungs-Software die Sprachverwirrung lösen?

Sicherheitsprobleme bei Online-Übersetzungsprogrammen

Was maschinelle Übersetzungssoftware kann

Übersetzen? Geht doch online und umsonst, z.B. bei Google (www.google.de/language_tools?hl=de), Abacho (http://uebersetzer.abacho.de/) oder Linguatec (www.linguadict.de). Aber Anweisungen wie “einfach den Text in das Formular eingeben” führen zu Sicherheitsproblemen, wenn die vertrauliche Geschäftskorrespondenz völlig unkontrolliert in öffentlichen Web-Formularen hin- und her übersetzt wird.

Hier setzt beispielsweise professionelle Übersetzungssoftware von Linguatec Sprachtechnologien GmbH (www.linguatec.de), Promt (www.promt.de) oder Systran (www.systransoft.com) an, die, im Intranet installiert, allen Mitarbeitern zur Verfügung steht. So bleibt die Geschäftskorrespondenz firmenintern.


Vorteil: Alle Mitarbeiter nutzen die gleiche Terminologie

Was maschinelle Übersetzungssoftware kann

Maschinelle Übersetzungs-Software eignet sich besonders, “wenn es gilt, schnelle Übersetzungsergebnisse zu erzielen”, so Christian Hanke, Projektleiter pi-consult gmbh, gegenüber IT im Unternehmen. So können zum Beispiel fremdsprachige E-Mails und Kundenanfragen schneller bearbeitet werden. “Diese Übersetzungsergebnisse können als Basis für eine Weiterverarbeitung durch einen Korrektur dienen – die menschliche Komponente setzt in diesem Fall also auf die maschinelle auf.”

Mit dem Corporate Translation Management-System “across” unterstützt sein Unternehmen die mehrsprachige Distribution von Informationen und optimiert den Workflow mit dem Übersetzungsbüro.

Weitere Vorteile von Übersetzungssoftware: Sie erleichtert die Nutzung eines unternehmensweiten Vokabulars. So steht jedem Mitarbeiter der Wortschatz zur Verfügung, den das Unternehmen zur Verbreitung seiner Produkte gewählt hat. So wird eine einheitliche Kommunikation möglich.

Nicht zu unterschätzen: Die Wiederverwendung von bereits übersetzten Textpassagen. Warum nicht eine einmal durchgeführte – und bezahlte – technische Übersetzung in einem Angebot oder einer E-Mail noch einmal verwenden?

Auch das übersetzungsgerechte Schreiben – die bewusste Verwendung von bereits übersetzten Passagen für E-Mails oder Angebote – kann den Geschäftsalltag erleichtern. Wer für sein Handbuch keinen Literatur-Nobelpreis anstrebt, kann ja von vornherein solche Formulierungen wählen, die eine im Intranet installierte Software gut verstehen kann – und mehrzeilige Satz-Ungeheuer und lyrische Umschreibungen vermeiden.


EU-Projekt EuroMatrix: Alle Sprachpaare maschinell übersetzen

Was maschinelle Übersetzungssoftware kann

Technisch verwenden die Programme derzeit zwei grundlegende Ansätze: Regelbasierte Systeme analysieren und übersetzen Satz für Satz nach Regeln, die von Linguisten programmiert wurden. Ihre Schwachstelle: Sie können den Kontext, in dem ein Wort oder ein Satz steht, nur schwer erkennen. Was meint jemand, der sagt, er möge ein Gericht nicht?

Das verstehen statistische Verfahren besser. Sie speichern große Textmengen in “Translation Memories”, aus denen sie Übersetzungsmuster lernen. Dadurch kennen sie viele Kontexte, haben aber Schwierigkeiten mit mehrzeiligen Satz-Ungetümen.

An einer Erweiterung des regelbasierten Ansatzes arbeitet z.B. Linguatec mit dem “Personal Translator 2008”. Die auf der CeBIT neu vorgestellte Version nutzt zusätzlich semantische Netze, die die richtige Bedeutung eines mehrdeutigen Wortes wie “Gericht” aus dem Kontext heraus identifiziert. So will man verhindern, dass es Katzen und Hunde regnet.

Auch in der EU steigt der Bedarf an Übersetzungs-Software. Im EU-geförderten Projekt EuroMatrix (www.euromatrix.net) arbeiten internationale Forscher an der Kombination von regelbasierten und statistischen Verfahren: Als Ergebnis soll jedes Sprachpaar innerhalb der EU gegenseitig übersetzt werden können.

Bei populären Sprachpaaren wie Deutsch/Englisch geht es dabei um eine Qualitätsverbesserung. Für sehr schwierige Sprachen wie Finnisch und Ungarisch reichen den Projektteilnehmern statistische Übersetzungen als ersteer Schritt aus – Trainingsmaterial wie Gesetzestexte in allen Amtssprachen gibt es genug.

Bye bye Babel? Noch nicht. Denn das darf man bis jetzt von keinem existierenden System erwarten: Einen perfekt übersetzten Text auf Knopfdruck. “Menschliche und maschinelle Übersetzer kommen sich in der Regel nicht in die Quere” so Elisabeth Bauer, Pressesprecherin von Linguatec gegenüber IT im Unternehmen. “Wo es um Texte geht, bei denen es auf gute Formulierung und inhaltliche und sachliche Richtigkeit ankommt, da wird mindestens eine gründliche Nachkorrektur, oder besser gleich ein Übersetzer unabdingbar sein,” betont Bauer.