IT und andere Innovationen müssen gemanagt werden
Nur zu, KMU? EU-Projekt soll Unternehmen wappnen

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Chef und Mitarbeiter sitzen zusammen, überlegen sich, wie sie ein Produkt weiterentwickeln können. Was passiert mit diesen Ideen? Ein Vertriebsleiter berichtet von einem Super-Vorschlag eines Kunden. Wird diese Idee bis zum Produkt vordringen?

Projekt IMP3rove: Wege zu mehr Innovation

IT und andere Innovationen müssen gemanagt werden

Innovation – das klingt entsetzlich abgedroschen und nach Sonntagsgerede. Dabei muss nach offizieller Einschätzung gerade Europa in diesem Punkt zulegen, um sich gegenüber den Billiglohnländern zu profilieren. “Wir müssen etwas herstellen oder etwas leisten, was diese nicht können. Gerade in den dynmanisch wachsenden Zukunftstechnologien ist Deutschland schwach vertreten,” betonte Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, bei der Eröffnung des EU-Projekts IMP3rove in Berlin.

Mit IMP3rove – IT im Unternehmen berichtete – soll das anders werden. Hohe Erwartungen an ein besseres Innovationsmanagement der insgesamt 23 Millionen KMUs(kleine und mitelständische Unternehmen) in Europa, die 75 Millionen Arbeitsplätze stellen.

Zurzeit können 70 Prozent der Unternehmen ihren Zeitplan bei Innovationsprojekten nicht einhalten, haben Wissenschaftler am Fraunhofer IAO festgestellt. Gründe liegen nicht etwa in der Technik, sondern in Mängeln beim strategischen und operativen Innovationsmanagement. Zum Beispiel sind oft die Projektziele gar nicht klar.

Im Mittelpunkt von IMP3rove steht ein europaweit zum Ausfüllen freigegebener Online-Fragebogen. Themen sind Innovationsstrategie und -kultur, Umsatzzahlen und die Frage, wie ein Unternehmen Anregungen von außen aufnimmt. Teilnehmer erhalten anschließend eine Auswertung, die sie mit anderen KMUs europaweit vergleicht (Benchmark). Drittens soll es ein ausführliches Gespräch mit ausgebildeten Beratern geben, in denen Verbesserungsansätze entwickelt werden. Dieses Gespräch ist zumindest in der Startphase kostenlos.


Innovation ist mehr als ein neues Produkt

IT und andere Innovationen müssen gemanagt werden

“Viele KMUs denken, Innovationsmanagement ist etwas für große Unternehmen”, so Dr. Eva Diedrichs, verantwortliche Projektleiterin für Europa von A.T.Kearney gegenüber IT im Unternehmen. Die internationale Unternehmensberatung ist neben der Fraunhofer Gesellschaft eine der Projektleiterinnen des von der EU bis Ende 2009 mit fünf Millionen Euro geförderten Projekts.

Auf der anderen Seite gäbe es aber hoch innovative Unternehmen, so Dr. Diedrichs, die meinen, sie hätten gar kein Innovationsmanagement. Haben sie aber doch. Denn in Wirklichkeit achten sie sehr wohl darauf, dass Ideen neue Wege und Budgets bekommen, in denen sie sich entfalten können – als neues Produkt, als neue Dienstleistung, neuer Service oder als neues Geschäftsmodell. So treten zum Beispiel viele KMUs im Geschäftsmodell “Partnerschaften” auf.

Zu sehen war IMP3rove am CeBIT-Messestand des Stuttgarter Unternehmens i.con innovation GmbH, Länderkoordinator des Projekts für Deutschland und Österreich. “Angenehm war den meisten Unternehmen eine neue Sichtweise auf die Innovationsfähigkeit des eigenen Unternehmens”, betonte Dr. Klaus Teichmann, Geschäftsführer von i.con innovation, gegenüber IT im Unternehmen. Eine Perspektive, die im Alltagsgeschäft häufig untergehe. Dabei sei die strukturierte Befragung durch die Web-Seite sehr hilfreich gewesen, auch wenn es auf Grund der fehlenden Datenbasis noch keine Auswertung geben konnte.

Und: Das Thema Innovation steht in vielen KMUs eher unten auf der Agenda. “Dabei geht es nicht nur darum, aus Erfindungen ein neues Produkt zu machen. Sondern es geht vor allem darum, die Prozesse zu untersuchen und zu fragen: Wie geht das Unternehmen mit neuen Ideen um? Wie sieht die Innovationskultur im Unternehmen aus?”


Zentrale Datenbank erfordert Datenschutz

IT und andere Innovationen müssen gemanagt werden

Dr. Teichmann ist optimistisch, was den Erfolg von IMP3rove angeht. Auch das Projekt selbst sei eine Innovation, ein Versuch. Zunächst gehe es darum, eine solide Datenbasis aufzubauen und ein Beraternetzwerk aus Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungsgesellschaften, regional aktiven Verbänden, Banken und Steuerberatern aufzubauen.

Im Vorfeld haben Wissenschaftler vom Fraunhofer IAO die derzeit bestehenden Ansätze für eine Innovationsmanagement-Beratung untersucht. A.T. Kearney hat dann einen Ansatz auf dieser Basis entwickelt, um die Berater in Workshops zu schulen. So soll ein Expertennetzwerk entstehen, in dem KMUs gezielt auf Beratungsunternehmen zugehen können. Auch können Investoren auf der Basis der Online-Bewertung das Finanzrisiko eines Vorhabens besser einschätzen.

Wo eine europaweite Datenbank mit sensiblen Unternehmensdaten aufgebaut wird, stellt sich schnell die Frage nach dem Datenschutz. Alle Beteiligten versichern, dass nur das betreffende Unternehmen Zugang zu seinen eigenen Auswertungen habe, und dass Daten nicht weitergegeben würden. “Es werden keine Fragen gestellt zu Ideen, sondern nur zu den Themen: wie managen wir Technologien?” betonte Dr. Diedrichs. Die Rechte an der europaweiten Datenbank besitzt die Europäische Kommission.