Deutsche Telekom: Erneuter russischer Antrag

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Man könnte meinen, der Bonner Konzern sende die falschen Pheromone aus: Der russische Mischkonzern AFK Sistema startete einen neuen Werbeversuch, um in die Familie aufgenommen zu werden.

Die Unternehmensgruppe des Milliardärs Wladimir Jewtuschenkow habe laut der Financial Times ein Tauschgeschäft angeregt: Sistema bietet Anteile an ihrer Konzerntochter MTS – mit rund 60 Millionen Kunden Russlands größter Mobilfunkprovider und damit eine reizvolle Mitgift, die an der Börse zur Zeit 16,7 Milliarden Euro Wert wäre.

Im Gegenzug soll die Deutsche Telekom seinen Anteil am Konglomerat der ungarischen Magyar Telekom an die Russen abgeben. Über einen Verkauf der 59,2 Prozent großen Beteiligung (Börsenwert ca. 3,9 Milliarden Euro) hatte der Bonner Konzern offenbar zu laut nachgedacht.

Schon im vergangenen Jahr hatte Jewtuschenkows Unternehmen versucht, Großaktionär bei der Telekom zu werden. Der Einstieg bei Europas umsatzstärksten Telefonkonzern scheiterte jedoch vor allem am Veto der deutschen Regierung. Sie hält direkt und indirekt 31,7 Prozent der Aktien.

Einer solchen ungarisch-russisch-deutschen Transaktion werden wenig Chancen eingeräumt, dürfte doch mit politischen Widerständen aus Berlin und Budapest zu rechnen sein. Telekom-Kenner glauben, dass auch die Bonner Konzernspitze das Angebot skeptisch beurteile. Sprecher von Telekom wie Sistema wollten den FTD-Bericht nicht kommentieren.

Der russische Vorstoß beweist, dass Sistema weiterhin starkes Interesse daran hat, mit seiner Telekommunikationssparte nach West- und Mitteleuropa zu expandieren. Der Mischkonzern besitzt über seine Tochter Sistema Telecom mehrere Mobilfunk- und Festnetzbeteiligungen.

Die Telekom könnte mit MTS eine strategische Lücke schließen. Sie ist zwar in Osteuropa stark, in Russland und den Ex-Sowjetrepubliken hingegen gar nicht vertreten. Zusammen hätten Telekom und MTS in Europa und Russland gut 140 Millionen Handykunden – und wären damit der führende Anbieter der Region. (rm)

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