Verlockung durch Zukauf?
Oracle ködert SAP-Kunden

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Mit seiner Ankündigung im März, den Spezialisten für Business Intelligence (BI) Hyperion für rund 3,3 Milliarden Dollar zu kaufen, hat Oracle seine Aktivitäten zur Konsolidierung des Markts für Unternehmensanwendungen fortgesetzt. Funktioniert der Plan?

Mit Hyperion deckt Oracle die ganze Bandbreite ab

Verlockung durch Zukauf?

Larry Ellison, Chef von Oracle, erklärte, dass die Kombination der Performance-Management-Funktionen von Hyperion und der bestehenden BI-Tools von Oracle ein Paket ergäbe, das ein Komplettangebot sei, in dem “Planung, Budgetierung, Konsolidierung, betriebswirtschaftliche Analyse und Compliance Reporting” von vorne bis hinten abgedeckt seien.

Das Unternehmen ließ verlauten, dass der Deal, der Anfang März bekannt wurde, auch darauf gerichtet ist, dem Erzrivalen SAP die Daumenschrauben anzulegen. Man möchte vor allem die SAP-Kunden, die Hyperion benutzen, als Zielgruppe ansprechen. “Tausende von SAP-Kunden schließen ihre Bücher mit Hyperion”, meint Oracle-Präsident Charles Phillips. “Wir erreichen so eine entscheidende Menge von SAP-Kunden”.

Experten haben diesen Schachzug allgemein begrüßt, denn sie behaupten, dass die Funktionalität von Hyperion eine wichtige Lücke im Portfolio der Oracle-Anwendungen schließt.


Oracle: BI doppelt gemoppelt?

Verlockung durch Zukauf?

“Oracle hatte keine Enterprise Reporting Komponente, und Brio (von Hyperion im Jahre 2003 erworben) würde diese Lücke füllen”, interpretiert Ian Charlesworth von der Analystenfirma Ovum.

Wie dem auch sei: Oracle kann sich auf viele Anfragen von Kunden einstellen, bei denen es darum gehen wird, wie Oracle die Doppelspurigkeit zwischen Hyperion und seinen eigenen BI-Tools, einschließlich der Anlalytikkomponenten, die man mit Siebel erworben hatte, in den Griff bekommen will.

“Es mögen gewisse Befürchtungen bei Hyperion-Kunden aufkommen, da die Menschen auf Veränderungen nicht gerade begeistert reagieren – und es gibt signifikante Bereiche, wo sich die Produkte überlappen”, meinte Ronan Miles, Vorsitzender der Oracle-Nutzergruppe in Großbritannien.


Der Kampf um SAP-Kunden

Verlockung durch Zukauf?

Es kann also noch schwierig werden, SAP die Kunden abzujagen. Da helfen auch die Geschosse nicht, die Ellison neulich gegen die deutsche Softwarefirma auffuhr, die angeblich von Oracle geklaut hätte: SAP sitzt zu gut im Sattel der großen Unternehmen. Selbst, wenn Oracle ein weitaus besseres Angebot zusammenstricken kann. braucht es noch einige Zeit, den Änderungswillen der Kunden herauszufordern.

Das ist gut so für SAP, denn deren Versuch, in neue Märkte vorzudringen und die kleinen und mittleren Firmen zu erreichen, wird wohl auch noch eine gewisse Zeit brauchen.