Second-Life-Gründer gibt schlappe Umsätze zu

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Während die PR-Schreier mit täglichen Erfolgsmeldungen von neuen Unternehmenspräsenzen in der Zweitwelt nerven, muss sich Philip Rosedale zumindest der finanziellen Realität stellen.

Der Gründer und Vorstandschef der Firma Linden Lab weiß, warum große Teile seiner virtuellen Welt recht ausgestorben wirken. Er gibt zu, dass “nur rund 10 Prozent der angemeldeten Mitglieder die Seite auch regelmäßig nutzen” – was allerdings noch immer eine ziemliche Übertreibung sein dürfte. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nennt er auch selbst den Grund, warum sich viele Nutzer frustriert abwenden:

“Das Navigieren ist umständlich, und die Sachen sind oft nicht einfach zu finden. Allein sich ein Paar Schuhe anzuziehen ist schwieriger, als es sein sollte.”

Das soll aber alles besser werden. Mehr Server, mehr Mitarbeiter und besseres Seiten-Design sollen es bringen. Second Life könne noch größer werden als MySpace, und in fünf Jahren sollen “mehr als die Hälfte aller Menschen eine zweite Identität im Internet haben”. Wenn Google mit 1,65 Milliarden Dollar vor der Tür stünde wie bei YouTube? “Sehr unwahrscheinlich, dass wir das annehmen würden”, so Rosedale.

Second Life ein Spiel? Nein, das hört der “Erfinder” von Second Life gar nicht gern, und eine Modeerscheinung soll es schon gar nicht sein: “Wir sind kein Gag. Wir bieten einen echten Wert für den Nutzer.”

Ganz im Widerspruch zu den großspurigen Erwartungen jedenfalls steht der tatsächliche Umsatz des SL-Betreibers Linden Lab, den der Chef lieber nicht genau beziffern will. Er bestätigt aber eine Schätzung von weniger als 11 Millionen Dollar für das Jahr 2006 als “vernünftig”. Das hört sich nicht eben prall an für ein Unternehmen, in das Investoren bereits 20 Millionen Dollar an Wagniskapital versenkt haben.

Die Rede ist wohlgemerkt von Umsätzen, nicht von Gewinn. Da hört es sich dann allerdings fast nach Hochstapelei an, wenn es eine virtuelle Second-Life-Unternehmerin wie Anshe Chung aufgrund ihrer Gewinne in Second Life zur Millionärin in echten Dollars gebracht haben will und sich dafür in Wirtschafts- und Nachrichtenmagazinen weltweit feiern lässt.

So sind sie eben, die Avatare aus einer anderen Welt – die können einem einfach alles erzählen.

(bk)

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