Update: SAP durch Oracle-Klage kaum gefährdet

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Der gute Ruf des deutschen Software-Konzerns könne Schaden nehmen, substanzielle finanzielle Risiken seien jedoch nicht in Sicht, erklären Markt- und Börsen-Analysten.

Das Risiko für die SAP AG in Anbetracht der US-Klage seines Erzrivalen Oracle sei begrenzt, berichtet heute die FAZ. Insbesondere die texanische SAP-Tochter Tomorrow Now wird des illegalen Downloads bezichtigt und vor ein kalifornisches Bezirksgericht zitiert (wir berichteten).

Für insgesamt fragwürdig hält der in den USA bekannte IT-Experte Joshua Greenbaum die Vorwürfe von Oracle. Die Klage des US-Wettbewerbers zeige vorrangig, dass Tomorrow Now Erfolg dabei habe, Oracle profitable Wartungseinnahmen abzujagen, schreibt er in seinem Blog. Es sei nicht ungesetzlich, dass die Texaner abtrünnige Oracle-Kunden dazu ermunteren, vor dem Auslaufen ihrer Wartungsverträge vorsorglich alle erhältlichen Updates und Patches herunterzuladen.

Firmenkenner glauben, dass SAP schlimmstenfalls sein Safe-Passage-Programm einstellen müsse, was wiederum das Neugeschäft nicht merklich beeinträchtigen werde. Dies sei nicht der entscheidende Faktor, warum Kunden von Oracle zu SAP wechseln, erklärten Analysten.

Selbst wenn Oracle als Schadenersatz die gesamten US-Einnahmen des vierten und des laufenden ersten Quartals von SAP beanspruchen würde, entspräche das mit 1,5 Milliarden Euro nur rund vier Prozent der Marktkapitalisierung von SAP, heißt es in einer Analyse von Dresdner Kleinwort.

Raimo Lenschow von Merrill Lynch sieht vorrangig die mögliche Rufschädigung als Risiko für SAP. Vor Gericht seien nur hohe Strafzahlungen ein Risiko, denn reine Entschädigungen würden am geringen Umsatz der betreffenden Tochter Tomorrow Now bemessen.

Oracle habe laut Merrill Lynch mit der Endphase des ersten Quartals absichtlich den denkbar schlechtesten Zeitpunkt für die Klageeinreichung gewählt: Angesichts des um zwölf Prozent schwächeren Dollars stelle das laufende Quartal sowieso eine Herausforderung für SAP dar. Stets fänden viele Abschlüsse erst zum Quartalsende statt – nun würden die dafür benötigten Managementkapazitäten durch die Klage gebunden. (rm)

Bild: Saller

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