Piraten-DVD-Schnüffelhunde auf Weltreise

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Die Piratenjäger der MPAA haben die beiden Hunde auf PR-Tour geschickt, die angeblich DVDs erschnüffeln können. Und die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet sogar die Mär vom Kopfgeld, das auf die unschuldigen Labrador-Hunde ausgesetzt wurde.

Um mit ihrem Piraten-Gedöns in die Medien zu kommen, ist der Motion Picture Association of America (MPAA) keine Viecherei zu blöde. Es kommt ja auch an, jedenfalls in den Medien. Im letzten Jahr wurde weit und breit darüber berichtet, dass die Hunde am britischen Flughafen London-Stansted eingesetzt wurden, um gefälschte DVDs von den ganz echten zu unterscheiden. Was sie natürlich gar nicht konnten, wie sich später herausstellen sollte.

flo.jpgAber der Medienauftritt war gelungen, und so schickten die Antipiraten-Propagandisten das Hundepärchen auf die große Reise. Sie flogen die Labradore nach Malaysia aus, damit die dortigen Piratenjäger ihre gut inszenierte Show mit ihnen abziehen konnten.

In diesem Zusammenhang ist vielleicht zu erwähnen, dass Malaysia an einem Freihandelsabkommen mit den USA interessiert ist und deshalb einem entsprechenden Druck der Lobbytruppen des “geistigen Eigentums” ausgesetzt ist. Die Labrador-Aktion fand daher wie zuvor in England in Zusammenarbeit mit der MPAA statt, in der sich sechs große Hollywood-Firmen zwecks Durchsetzung ihrer Interessen zusammengeschlossen haben.

Auch diesmal klappte der durchsichtige Mediencoup. Wie die regionale New Straits Times berichtet, sollen Lucky und Flo an der “ersten großen erfolgreichen Aktion in Johor” beteiligt gewesen sein und dabei geholfen haben, dass rund eine Million Piraten-Scheiben mit Spielen und Filmen beschlagnahmt werden konnten. Mindestens sechs Personen wurden dabei verhaftet.

Laut MPA haben malaysische Kartellbosse eine ungenannte Summe auf die Tötung der beiden Hunde ausgesetzt. Die Behörden in Malaysia nehmen diese Drohung angeblich ernst, und die Maßnahmen zum Schutz der Hunde an ihrem gegenwärtigen Einsatzort wurden verstärkt.
Hunden, die vor Verbrechern der übelsten Sorte geschützt werden müssen, sind die Sympathien der Öffentlichkeit natürlich sicher. Die erschröckliche Geschichte wie nach Drehbuch wurde denn auch bereitwillig durch die Nachrichtenagentur Reuters kolportiert.

Dabei scheint sich niemand gefragt zu haben, wie das mit den Piratenschnüffelhunden überhaupt funktionieren soll. Die Hunde wurden trainiert, um sich zu setzen, wenn sie Kunststoff riechen. Doch nach Angaben der Polizei flogen in dem durchsuchten Gebäude tonnenweise CDs und DVDs herum. Die armen Hunde hätten daher während der ganzen Durchsuchung nur dumm herumsitzen können und wären zu gar nichts nütze gewesen. Und warum sollte dann noch jemand ein Kopfgeld auf die Köter aussetzen?

Aber was zählen schon die Fakten, wenn es um eine nette Tiergeschichte geht. Und wer hält eigentlich das Urheberrecht auf diese Geschichte? Soll das vielleicht mal ein Disney-Tierfilm werden?

(Von Nick Farrell / adaptiert von Bernd Kling)

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SMH / Reuters