Interview mit Eugene Kaspersky und Costin Raiu

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PC Professionell im Gespräch mit den Security-Experten von Kaspersky Lab


Kaspersky vs. Microsoft ___

»Ich heiße Microsoft auf dem Antiviren-Markt willkommen!« Mit hochgekrempelten Hemdsärmeln und braun gebrannt sitzt Eugene Kaspersky in Halle 7 am CeBIT-Stand, der seinen Nachnamen trägt. Der Mitbegründer des Herstellers von Antivirensoftware scheint sich über die neue Konkurrenz zu freuen: Erst vor kurzem veröffentlichte Microsoft mit OneCare seine eigene Sicherheitssuite – mit mangelhafter Leistung, wie ein Test im Labor von PC Professionell ergab. »Sehen Sie:«, sagt Kaspersky mit stark russischem Akzent, »Microsoft macht Software. Malwareschutz ist aber ein Service. Sicherheit steht bei denen erst auf Platz zehn der Prioritätenliste.«


Vista: Spyware schon dabei? ___

Mit am Tisch sitzt Costin Raiu, Chef der Forschung- und Entwicklungsabteilung von Kaspersky Lab Rumänien. Ein ruhiger Typ mit professioneller Ausstrahlung. Er beschwert sich über das neue Betriebssystem Vista und die eingebaute Kernel Patch Protection. Diese mache es Antiviren-Tools schwer, ihre Arbeit korrekt zu verrichten, da ihnen der Zugriff tief ins System verwehrt werde. »Microsoft hat uns vorher leider nichts über die Kernel Patch Protection verraten«, so der Viren-Experte. Seltsam, denn Microsoft-Pressesprecher Thomas Baumgärtner PC Professionell gegenüber das Gegenteil. Da hapert es wohl an der Kommunikation. Aber es geht noch weiter. Denn eine Steilvorlage wird Datenspionen auch noch geboten. “Der Vista-Jugendschutz kann als Spyware missbraucht werden”, glaubt Raiu. Mit der »Parental Control« können Eltern aufzeichnen, was ihre Kinder am Computer treiben. So werden etwa die Ausflüge ins Web, die der Nachwuchs mit dem Internet Explorer unternimmt, in ein Logfile geschrieben. Hacker könnten auf diese Funktion Zugriff erlangen und dann das Sufverhalten aller Benutzer ausspionieren.

Man merkt es: In diesen Tagen sind viele Leute nicht gut auf Vista zu sprechen. Besonders Security-Firmen sind vom Sicherheitskonzept des neuen Betriebssystems noch nicht überzeugt. Dennoch werden sie nicht umhin kommen, ihre Software anzupassen. Denn der Markt wird sich in den nächsten Jahren sicher in Richtung Vista entwicklen. Ein erster Schritt zur Lösung des Problems wären intensive Gespräche mit Microsoft, die über gegenseitige Schuldzuweisungen hinausgehen. Vom ewigen hin und her hat niemand etwas – am wenigsten der Anwender.