Online-Videostreams
IP-TV: Anbruch einer neuen Ära?

Allgemein

+++ PC Professionell-Online exklusive +++ Seit Januar werden nicht nur für Radios und Fernsehgeräte Rundfunkgebühren erhoben, sondern auch für internetfähige Computer. So mancher Verbraucher fragt sich jedoch, wo denn das Online-Angebot sei, das diese Gebühren rechtfertigt.

Das bekommen wir für unser Geld

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Tatsächlich ist das Angebot zur Zeit noch nicht gerade überwältigend. ARD und ZDF bieten auf ihren Webseiten einzelne Sendungen als Streams für Media- und Real-Player an. Live-Übertragungen der Tagesschau oder von Sport-Events wie zuletzt der Handball-WM sind eher selten. Die Streams sind – eine Verbindung auf dem Niveau von DSL 2000 vorausgesetzt – in PAL-Auflösung ohne Verpixelungen oder Bildfragmente zu empfangen. Die Tonqualität ist gut, Sprache ist klar verständlich.

Im Online-Angebot der beiden Sender sind allerdings nur Inhalte zu finden, die auch schon jeder Haushalt über Antenne und Kabel empfangen kann. Es gibt keinerlei neuen Content, der exklusiv online abzurufen ist. Auch ein synchroner Livestream des kompletten Programms der Sender ist noch nicht am Horizont zu erkennen, da hierzu noch die rechtlichen Grundlagen sowie die nötige Finanzierung fehlen. Zur Zeit ist das Online-Budget von ARD und ZDF noch auf 0,75% des jährlichen Gesamtetats gedeckelt, was in etwa 39 und 13 Millionen Euro pro Jahr entspricht. Werbung in den Online-Auftritten der öffentlich-rechtlichen Sender ist weiterhin keine mögliche Finanzierungsmethode.

ZDF-Intendant Markus Schächter hat nun angekündigt , dass das Zweite pünktlich zum Beginn der IFA im Herbst sein Online-Programm ausweiten will. Bisher sind online nur rund 25% des ZDF-Programms zu sehen, im Herbst soll es etwa die Hälfte sein. Sowohl ARD als auch das Zweite wollen außerdem ihre digitalen Spartenkanäle Eins Extra und ZDF-Info ausbauen und dort mehr Inhalte für den Abruf im Web oder über das Handy bereitzuhalten.


Die Konkurrenz schläft nicht

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Während ARD und ZDF ihr Online-Angebot bisher nur als Begleitung der Fernsehausstrahlung sehen, sind andere Anbieter schon weiter. Das junge Startup-Unternehmen Joost bietet die Ausstrahlung von TV-Inhalten über ein ausgeklügeltes Peer-to-Peer-Netz an. Das Projekt der Web-2.0-Pioniere Niklas Zennstrom und Janus Friis befindet sich zur zur Zeit noch in der Betaphase. Inhalte wird es unter anderem vom amerikanischen Medienkonzern Viacom beziehen, zu dessen Marken MTV, Comedy Central und das Fernsehstudio Paramount Pictures gehören.

Weitere Konkurrenz im Bereich des Free-TV-Streamings sind auch die schon länger verfügbaren P2P-Streaming-Tools wie SopCast oder der TVUPlayer, die es ermöglichen, gratis mehrere hundert Programme weltweit zu empfangen. Hier sind auch bekannte amerikanische Spartenkanäle wie ESPN zu finden. Das Angebot ist riesig. Die Bildqualität und die Bedienbarkeit der meisten Tools ist allerdings meist eher mau. Mit PAL-Qualität oder gar HDTV-Auflösung sollte man hier besser nicht rechnen.


Platzt die Blase bald?

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Der Hype um das Geschäft mit Online-Videostreams geht weiter. Auf der Website der größten deutschen PC-Messe CeBIT findet sich der Link zu CeBITv – einer Reihe von regelmäßigen und nach einer zwingenden Anmeldung kostenlosen Sendungen rund um die aktuellen Themen der Messe. Auch wenn diese nicht mit der Bildqualität der öffentlich-rechtlichen Streams mithalten kann, sieht man doch deutlich, dass fast jedes Medienunternehmen so schnell wie möglich ein Stück vom Kuchen ab haben will. In diesem Jahr werden sicher noch eine Reihe großer Unternehmen und kleiner Startups mit ihren Angeboten auf de nMarkt kommen.

Ob IP-TV aber ein Erfolg wird, hängt aber von der Kreativität der Medienmacher ab. Eine einfache Kopie vorhandener Fernsehformate online zu stellen wird oft nicht ausreichen. Noch warten die User auf den Anbieter mit der zündenden neuen Idee. Erfolgsstories wie die von Google oder XING kann es dann auch im Bereich des IP-TV geben. Vielleicht schon 2007.