Online-Shop
Webshop mit XT-Commerce

CloudServer

Wer ohne große Investitionen ein Stück vom E-Shopping-Kuchen abhaben möchte, greift zur Open-Source-Software XT-Commerce. Der Workshop zeigt, wie Sie XT-Commerce perfekt einrichten und reibungslos einsetzen.

Open-Source-Lösung XT-Commerce

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Ein eigener Webshop hat diverse Vorteile: Er ist schnell eingerichtet, recht einfach zu betreuen und man verdient damit hoffentlich Geld. Letzteres hängt natürlich nicht nur von der Shop-Software ab, sondern auch von den verkauften Produkten, den zugehörigen Preisen und den Werbemaßnahmen. Die Shop-Software spielt allerdings eine zentrale Rolle dabei, wie schnell ein Shop mit Leben gefüllt und wie gut er betreut wird. Eine der bekannteren Open-Source-Lösungen ist XT-Commerce.

XT-Commerce verwendet die bekannte und strenge GPL als Lizenz. Allerdings gibt es auf der offiziellen Website www.xt-commerce.com ein ungewöhnliches und umstrittenes Erlösmodell. Für das Support-Forum und den Download von XT-Commerce werden 98 Euro fällig. Das grundlegende Forum ist kostenfrei, möchte man aber in den Download-Bereich oder wünscht man Support von den Kernmitgliedern des XT-Commerce-Teams, zahlt man den Obolus, der einem den Zugang für zwölf Monate gestattet. Wem diese Ausgabe zu viel ist, der wird im Web fündig. Diverse Anbieter, Hoster et cetera stellen den XT-Commerce-Code dort kostenlos zur Verfügung.

Installationsvorbereitungen

Die aktuelle Version von XT-Commerce ist 3.0.4 mit dem Servicepack 2.1. Es gibt hier zwei Varianten: unter Linux ein TAR.GZ und für Windows ein ZIP. Wenn Sie das Archiv vorliegen haben, entpacken Sie es auf den Webserver.

Unter Windows ist das Entpacken wegen der darin enthaltenen Symlinks unter Umständen schwierig. Verwenden Sie hier entweder ein Entpackprogramm wie Winrar, das mit Symlinks zurechtkommt, oder sortieren Sie die Dateien ohne Dateiendung vorab aus, da die in Windows integrierte Archiv-Software damit nicht umgehen kann. Wenn Sie die Daten entpackt haben, können Sie direkt das Unterverzeichnis xtcommerce verwenden und auf Ihren Webserver stellen.

Folgende Verzeichnisse benötigen volle Rechte (chmod 777):

– /cache
– /templates_c
– /images
– /images/content
– /images/product_images/info_images
– /images/product_images/popup_images
– /images/product_images/original_images
– /images/product_images/thumbnail_images
– /media/content
– /media/products
– /admin/backups
– /admin/images/icons
– /admin/rss

Außerdem müssen Sie für die Konfigurationsdateien Schreibrechte vergeben. Sie heißen configure.php und liegen in den Verzeichnissen includes und admin/includes.

Anschließend können Sie die automatische Installation starten. Rufen Sie dazu das Unterverzeichnis xtc_installer auf. Sollten Sie XT-Commerce beispielsweise auf dem lokalen Webserver in ein Verzeichnis xtcommerce installieren, würde der URL so lauten:

http://localhost/xtcommerce/xtc_installer/

Wenn Sie nicht das Installationsverzeichnis, sondern das Hauptverzeichnis von XT-Commerce aufrufen, erhalten Sie in der Regel eine PHP-Fehlermeldung, die besagt, dass benötigte Dateien nicht geöffnet werden können. Das liegt daran, dass in der Grundkonfiguration (includes/configure.php) nicht der richtige Pfad zu Ihrer Installation angegeben ist.


Routineprüfungen

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Im ersten Installationsschritt prüft XT-Commerce die Installationsvoraussetzungen. Dazu gehören die Rechtevergabe und die PHP-Version. Ebenfalls notwendig ist die GD-Bibliothek. Sie wird für die Größenanpassung von Produktbildern benötigt, wird aber im Allgemeinen bei PHP mitgeliefert oder vom Hoster mitinstalliert.

Sind alle Voraussetzungen vorhanden, müssen Sie nur noch Deutsch als Sprache wählen, und weiter geht es zum nächsten Schritt. Hier folgen die Datenbankangaben. Sie können die XT-Commerce-Struktur importieren, das heißt neu anlegen, wenn noch keine Datenbank vorhanden ist. Sie müssen davor allerdings schon eine leere Datenbank angelegt oder eine solche auf Ihrem Webspace zur Verfügung haben.

Beim Import der Datenbank wird standardmäßig ein im Installer-Verzeichnis mitgeliefertes SQL-Skript verwendet. Sie können mit dieser Methode natürlich auch eine beliebige andere XT-Commerce-Datenbank installieren.

Im nächsten Schritt finden Sie noch einmal die Pfade und Datenbankverbindungen. Neben den bekannten Einstellungen steuern Sie hier allerdings auch noch einige nützliche Details: Sie können eine SSL-Verbindung aktivieren. Damit ist jede Art von Login ? ganz gleich ob für den Bestellprozess oder die Administration ? per SSL-Verschlüsselung geschützt, wenn der Webserver ein solches SSL-Zertifikat besitzt. Die anderen Einstellungen betreffen einige Grundlagen zur Anwendungskonfiguration: Sie können persistente Datenbankverbindungen verwenden (pconnect, im Normalfall nicht empfehlenswert). Außerdem haben Sie die Möglichkeit, die PHP-Sessiondaten in die Datenbank zu speichern statt in Dateien, wie es standardmäßig der Fall ist. Anschließend werden die Daten in die Konfigurationsdatei includes/configure.php geschrieben.

Ausgangsbasis

Anschließend folgen einige Daten zum Administrator des Shops und zur Shop-Konfiguration. Natürlich lassen sich auch alle Einstellungen nachträglich ändern, aber vor allem die Zugangsdaten für den Administrator sind wichtig, denn er ist im Anschluss für die Grundkonfiguration des Shops verantwortlich. Sein Land entscheidet über Steuer und Steuerzonen. In Europa werden die Steuerzonen automatisch bestimmt.

Als Nächstes sind einzelne Kundengruppen an der Reihe. XT-Commerce erlaubt beliebige Arten von Kunden. Standardmäßig gibt es zwei: Gäste, sprich nicht registrierte Nutzer, und registrierte Nutzer, die Standard-Kunden. Für jede Kundengruppe dürfen Sie eigene Rabatte, Staffelpreise und die Steueranzeigeart (mit oder ohne Umsatz- beziehungsweise Mehrwertsteuer) wählen. Für den Anfang sind hier die Standardeinstellungen eine gute Wahl.

Nach der Installation können Sie aus Sicherheitsgründen die Schreibrechte für die Konfigurationsdateien wieder aufheben. Ansonsten liefert XT-Commerce eine Warnmeldung. Weiterhin häufige Warnmeldungen gibt es für das Installationsverzeichnis. XT-Commerce empfiehlt, es zumindest auf einem Produktivsystem zu löschen. Für eine Testumgebung können Sie die Schreibrechte und das Installationsverzeichnis natürlich bestehen lassen.

Andere Warnmeldungen können beispielsweise vom nicht korrekten Schreiben der Sessions verursacht werden. In diesem Fall gibt es zwei Abhilfe-Varianten: Entweder Sie sorgen dafür, dass PHP die Sessions in ein Verzeichnis schreiben kann, oder Sie ändern in XT-Commerce jeweils in der includes/configer.php und in der admin/includes/configer.php die Einstellung für das Sessionmanagement auf mysql.

define(‘STORE_SESSIONS’, ‘mysql’);

Den Session-Speicherort für dateibasierte Sessions ändern Sie in der Administrationsoberfläche von XT-Commerce unter Sessions.


Grundkonfiguration

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Durch Klick auf Catalog landen Sie nach der Installation im Frontend Ihres Shops. Im Moment gibt es noch keine Produktkategorien und keine Produkte. Der Shop steht bisher in Deutsch und Englisch zur Verfügung, und Sie werden von einem Begrüßungstext willkommen geheißen. Um daran zu basteln, müssen Sie sich zuerst als der vorher in der Installation angelegte Administrator einloggen. Der Nutzername ist dabei die E-Mail-Adresse.

Nach dem Einloggen erscheint in der rechten Leiste die Admin Info. Außerdem sehen Sie darunter, welcher Nutzergruppe Sie zuzuordnen sind. Wenn Sie in der Admin Info auf Admin klicken, landen Sie im Backend. Das Backend ist alternativ auch direkt über das an den URL angehängte Unterverzeichnis admin zu erreichen. Dort finden Sie auf der linken Seite eine Navigation mit allen wichtigen Einstellungen. Für den Anfang bieten sich einige Bereiche besonders an:

Produkte fügen Sie über Kategorien, Artikel hinzu. Unter Module finden Sie die Zahlungsoptionen und Versandarten. Steuerliche Einstellungen nehmen Sie unter Land, Steuer vor. Die Inhalte, sprich einleitende Texte, AGB und so weiter, finden Sie unter Hilfsprogramme im Content Manager.

In Mein Shop ist eine Reihe grundlegender Einstellungen enthalten, die Sie teilweise auch schon bei der Installation festgelegt haben. Dazu zählt unter anderem der Shop-Name. Hier sollten Sie aus Sicherheitsgründen den CCString zum Verschlüsseln der Kreditkarteninformationen unbedingt ändern.

Templates mit Smarty

Wenn Sie sich ein wenig zurechtgefunden haben, geht es an die Anpassung des Templates. Das Standard-Template von XT-Commerce heißt xtc4. Auf der offiziellen XT-Commerce-Website gibt es noch einige weitere zur Auswahl. Darunter sind auch modernere CSS-Layouts. Sie sind allerdings kostenpflichtig. Alternativen liefert das Forum von XT-Commerce. Einige davon sind kostenfrei, allerdings sollten Sie sich hier jeweils über die Lizenzbedingungen informieren. Viele der bereitgestellten Templates müssen zum Beispiel den Designed-by-Link behalten.

XT-Commerce verwendet Smarty als Template-Engine. Alle Templates besitzen jeweils ein eigenes Unterverzeichnis im Verzeichnis templates. Das Verzeichnis templates_c enthält den Cache für Smarty. Wenn Sie ein neues Template anlegen möchten, kopieren Sie einfach das bestehende Standard-Template. Es besteht aus einer index.html-Seite mit den zentralen Frontend-Inhalten. Wie von Smarty gewohnt werden Platzhalter mit geschweiften Klammern eingefügt. Nähere Informationen zur Template-Engine finden Sie unter smarty.php.net.

Das XT-Commerce-Template besteht aus verschiedenen Teilen. Neben der index.html, die alles zusammenfügt, gibt es einzelne Templates für die diversen Informationsbereiche (Boxen) und die Module (Kontakt, Zahlungsvorgang et cetera). Für Schaltflächen und E-Mails werden die Dateien in eigenen Verzeichnissen in den verschiedenen Frontend-Sprachversionen zur Verfügung gestellt.

Für Produkt- und Artikelübersichten gibt es wiederum eigene Templates. Diese befinden sich in den Verzeichnissen categorie_listing und product_listing. Außerdem finden sich in product_info die Templates für einzelne Produkte und in product_options die Vorlagen für Auswahllisten zu Produkten. Diese Einzel-Templates sind an mehreren Stellen im Backend wählbar. Beispielsweise suchen Sie sich für eine neue Kategorie die Templates für Kategorie- und Produktübersicht aus. Hier stehen dann jeweils alle HTML-Dateien aus dem jeweiligen Verzeichnis zur Wahl. Durch diese Flexibilität lassen sich auch problemlos unterschiedliche Designs in einem Shop mischen.


Produkte importieren

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Die Produkte für einen XT-Commerce-Shop werden nur bei reinen Online-Shops direkt in der Oberfläche eingegeben. Für die Anbindung an andere Systeme und Produktdatenbanken bietet sich die Import-Schnittstelle im Backend an. Sie basiert auf CSV, kommaseparierten Werten. Um sie zu testen, können Sie einfach einige bestehende Produkte exportieren. Sie landen im Verzeichnis export. Dort können Sie das CSV-Format studieren. Für den Import müssen Kategorien angegeben sein. Der Import verwendet die englische Kategoriebezeichnung. Wer mehr Importmöglichkeiten benötigt, findet im Netz diverse Erweiterungen, darunter zum Beispiel das schon etwas betagte Easy Populate. Wer eine individuelle Lösung benötigt, schreibt sich das passende Skript allerdings am besten selbst.

Eine häufige Anforderung in Shops besteht darin, für die einzelnen Produkte besondere Merkmale anzugeben. Das können Optionen sein oder bestimmte Eigenschaften. Etwas ungewöhnlich ist hier die Verwaltung: Unter Attributmerkmale pflegen Sie die Optionen ein, unter Attribut Verwaltung weisen Sie dann den einzelnen Produkten die Attributwerte zu. Die gesamte Produktverwaltung ist in verschiedene Module unter Artikelkatalog aufgeteilt: So werden beispielsweise auch Hersteller und Sonderangebote separat gepflegt.

Kundengruppen

Große Stärken hat XT-Commerce bei den Einstellungsmöglichkeiten. Sie können Ihre Nutzer in unterschiedliche Kundengruppen unterteilen und auf diese Kundengruppen beschränkt bestimmte Preise anzeigen. So lassen sich beispielsweise angemeldeten Geschäftskunden die Nettopreise mit Händlerrabatt anzeigen, während die Endverbraucher komplett andere Preise inklusive Mehrwertsteuer sehen.

Rabatte lassen sich nur auf Kundengruppen-Ebene vergeben. Sprich, wenn nur ein Kunde in einer Kundengruppe ist, ist die Kundengruppe dennoch notwendig. Dafür sind auf Kundenebene noch einige andere Einstellungen möglich. Sie können hier unter anderem Zahlungs- und Versandmethoden ausschließen und den Kunden in den Newsletter ? hier Rundschreiben genannt ? eintragen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, dem Kunden direkt über das Backend eine Mail zu schreiben.

Erweiterungen

Rund um XT-Commerce hat sich eine große Zahl an kommerziellen und nicht kommerziellen Erweiterungen geschart. Direkt integriert ist beispielsweise das Controlling-Tool Shop Monitor von Econda. Sie erhalten hier eine 14-tägige Testversion. Anschließend richten sich die Gebühren nach den Page Impressions pro Monat. Andere kommerzielle Erweiterungen werden direkt im XT-Commerce-Shop verkauft.

Für den Anfang sind allerdings auch einige Erweiterungen integriert, die nur noch nicht aktiviert sind. Dazu zählt beispielsweise ein Modul für Gutscheine. Sie finden diese Module unter Module. Der Gutschein verbirgt sich unter Module, Zusammenfassung. Klicken Sie einfach das Modul an, und Sie erhalten auf der rechten Seite eine Schaltfläche zum Installieren. Die Einstellungen finden sich nach dem Installieren unter Bearbeiten. Die Module können jeweils sofort in Betrieb genommen werden. Die bereits installierten Module erkennen Sie daran, dass die Sortierreihenfolge angegeben ist. Die Module selbst landen alle im Verzeichnis includes/modules. Dort gibt es diverse Unterverzeichnisse für die einzelnen Erweiterungen für Zahlung, Versand, Zusammenfassung und Allgemeines.

Fazit

Rein funktional ist XT-Commerce absolut überzeugend. Man sollte sich allerdings von den vielen Möglichkeiten nicht täuschen lassen. Für den Administrator ist der Einlernaufwand nicht zu unterschätzen. Das liegt zum einen am Funktionsumfang, zum anderen aber auch daran, dass die Schaltflächen nicht immer glücklich benannt oder platziert sind. Wer die umfangreiche Artikel- und Kundenorganisation aber erst einmal durchdrungen hat, darf sich an den diversen Einstellungsmöglichkeiten von den Rabatten über Gutscheine bis hin zur Mehrsprachigkeit erfreuen.