Interview mit einem bekennenden Tonergeschädigten
Der Laserdrucker ist der Täter

DruckerKomponentenWorkspace

Hans-Joachim Stelting war bis zu seiner Pensionierung 1997 Dienststellenleiter im Landeskriminalamt Hamburg. Als er 1990 einen neuen Laserdrucker bekam, begann die Leidensgeschichte des bis dahin gesunden Polizeibeamten.

Interview mit Hr. Stelting, Teil 1

Interview mit einem bekennenden Tonergeschädigten

Herr Stelting, wie ruinierte der Laserdrucker Ihre Gesundheit?

Es fing an wie eine banale Erkältung, mit viel Niesen, Halsschmerzen, Grippegefühl und Schnupfen. Trotz ärztlicher Behandlung klangen die Symptome nicht ab, im Gegenteil: Meine Kiefernhöhlen entzündeten sich, ich bekam Husten. Nach fünf Monaten wurde ein leichtes Asthma diagnostiziert, aber keine Ursache gefunden. Alle Allergietests waren negativ. Trotz vieler Medikamente bekam ich immer schlechter Luft. Nach sieben Jahren, mit 43, musste ich in Frühpension gehen, wegen schwerer, irreparabler Lungenschädigung.

Wie stellten Sie fest, dass der Drucker der Schuldige war?

Meine Beschwerden waren schlagartig mit der Anschaffung des neuen Druckers aufgetreten, und das, obwohl er in einem separaten, belüfteten Raum stand. Nach zwei Jahren zeigten über die Hälfte meiner Kollegen die Symptome. Beim ersten Verdacht auf den Laserdrucker haben wir das gemacht, was unser täglicher Job als Kriminalbeamte ist: ermittelt, also fotografiert, skizziert, die Geräte genau untersucht, Staub- und Tonerproben genommen, Fachleute eingeschaltet, Abläufe recherchiert, Kollegen befragt. Das Ganze haben wir als Berufskrankheiten-Anzeige zu Papier gebracht, mit ärztlichem Attest.

Konnten Sie den Fall erfolgreich lösen?

Ein fachärztliches Gutachten hat zweifelsfrei geklärt, dass der Toner die Ursache für meine Erkrankung war. Man testete mich mit dem sichergestellten Tonerstaub, ich reagierte mit schweren Entzündungen. Es folgte daraufhin die Anerkennung als Berufskrankheit, erstmals in Deutschland.

Wie geht es Ihnen seit der Pensionierung?

Die Probleme sind mir wegen der enormen Verbreitung der Geräte erhalten geblieben. Bei bestimmten Tonern entzünden sich meine Atemwege, wenn ich nur kurz mit der Raumluft oder bedrucktem Papier in Kontakt komme. Auch Augen und Haut reagieren mittlerweile gereizt, ich habe kurzfristig Bluthochdruck und blute aus der Nase, der Lunge und dem Darm.

Was raten Sie anderen Betroffenen, die den Verdacht haben, dass Tonerstaub am Arbeitsplatz sie krank macht?

Lassen Sie den Verdacht sauber fachärztlich klären. Hierbei sind wir gern behilflich: Betroffene sollten uns eine Mitteilung über unsere Webseite www.krank-durch-toner.de senden. Sie erhalten dann einen Leitfaden und persönliche Beratung.

Bild: Hans-Joachim Stelting


Teil 2

Interview mit einem bekennenden Tonergeschädigten

Aus Ihren Erfahrungen heraus: Welche Drucker sind besonders gefährlich?

Wir haben eine sehr herstellerspezifische Verdachts- und Beweislage, vor allem zwei Hersteller fallen aus dem Rahmen. Aus naheliegenden Gründen kann ich die Namen nicht nennen. Beide Hersteller sind seit vielen Jahren umfassend informiert, aber leider nicht auf unsere Angebote eingegangen, das Problem konstruktiv zu lösen. Wir werden jetzt rechtliche Schritte einleiten.

Können Sie zumindest grob umreißen, welche Drucker negativ herausstechen – sind zum Beispiel alte Geräte größere Dreckschleudern als moderne?

Im Gegenteil, gerade die neuen, immer schnelleren Geräte emittieren offenbar besonders stark die gefährlichen Ultrafeinstäube. Das zeigen Untersuchungen des Umweltbundesamtes. Auch Farblaserdrucker sind zunehmend auffällig. Einige der neuesten Farbdrucker lassen sich nicht einmal mehr filtern, da sie die Luft zentral ansaugen und dann durch alle Ritzen die schädlichen Emissionen rausblasen.

Das BfR sieht in den ersten Ergebnissen der Gießener Studie noch keine eindeutigen Beweise dafür, dass Toner die Gesundheit schädigt. Man verweist auf weiteren Forschungsbedarf.

Die Ergebnisse werfen natürlich neue Fragen auf. Aber es geht hier nicht um akademische Fragestellungen, sondern um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Millionen von Menschen sind den ungefilterten Emissionen dauerhaft ausgesetzt. Dabei steht fest: Die Ultrafeinstäube und Schadstoffe, die in der Studie nachgewiesen wurden, schädigen die Gesundheit.

Eben das bestreitet das BfR.

Seit 1992 liefern Humanstudien wissenschaftlich belastbare Hinweise darauf, dass Menschen durch Druckerausstöße geschädigt werden. Sogar gentoxische Wirkungen hat man festgestellt, bei menschlichen Lungenzellen brach die DNA. Dadurch kann Krebs entstehen. Zudem haben wir mittlerweile über 1250 konkrete Verdachtsfälle registriert, in über 100 Fällen liegen fachärztliche Beweise für die Schädigungen von Menschen durch Toner vor. All dies ist dem BfR bekannt. Unser wiederholtes Angebot, gezielte Informationen bei den Betroffenen und Ärzten zu erheben, wurde nicht angenommen. Wir fragen uns, wem das BfR eigentlich dient.

Was sind Ihre Forderungen an die Druckerhersteller?

Die Hersteller haben dafür zu sorgen, dass ihre Geräte die Raumluft nicht mehr belasten und niemand krank wird. Filter würden zum Beispiel helfen. Der immer wieder zitierte bestimmungsgemäße Gebrauch ist endlich klar zu definieren, etwa hinsichtlich Druckleistung, Belüftung, Ballung von Geräten, Luftwechselrate, Wartung und Papier. Die Tonerhersteller müssten nachweislich dafür sorgen, dass die Toner nicht lungengängig sind und keine Schadstoffe wie Nickel, Kobalt, Styrol, Benzol und Tributylzinn enthalten. Unter diesen Bedingungen besteht die Hoffnung, dass Laserdrucker die Luft reinigen, anstatt sie zu vergiften.

Wie realistisch ist ein Einlenken der Industrie?

Die Hersteller werden all das leider kaum freiwillig in die Tat umsetzen. Also muss die Politik sicherstellen, dass die Bürger vor den Emissionen geschützt werden.

Bild: Bei manchen Laserdruckern ist es kaum möglich, den Toner zu tauschen, ohne dass Tonerstaub an die Hände kommt.