Booten vom USB-Stick
USB-Stick rettet Windows

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Wer Systemrettung mit Tipporgien in der Konsole assoziiert, hat das Windows-Live-System noch nicht gesehen. Es bootet sogar vom USB-Stick.

Das Notfall-Bootmedium

Booten vom USB-Stick

USB-Sticks sind mehr als nur Datenspeicher: Auf die Flash-Stifte lassen sich alle Arten von Daten packen, zahlreiche Anwendungen und sogar komplette Betriebssysteme installieren. Bei Rechnerabsturz oder Virenbefall ist ein Notfall-Bootmedium eine große Hilfe, um Backups anzufertigen oder wichtige Daten zu retten. Mit einem Windows-XP-System auf dem USB-Stick hat man alle dafür notwendigen Werkzeuge stets parat.

Ein 512-MByte-Stick reicht aus

Ein modifiziertes Windows vom Speicherstick zu laden, klingt nach Bastellösung. Auf dem Screenshot auf Seite 195 sehen Sie aber, dass es ein voll funktionsfähiges Windows-XP-System ist, das auf einem USB-Stick läuft. Es wirkt wie eine normale Festplatteninstallation und lässt sich ebenso komfortabel bedienen. Das Beste: Schon ein Stick mit 512 MByte reicht für ein solches Live-System aus.

Wie Sie mit dem Tool Bart PE ein Live-System auf Windows-Basis zusammenstellen, zeigt der Workshop auf Seite 195. Dort lesen Sie auch, wie Sie Ihr Rettungssystem mit Reatogo erweitern. Im Gegensatz zu Bart PE hat Reatogo nämlich eine bessere Hardware-Erkennung und mächtige Features, um zusätzliche Anwendungen und Funktionen in das Live-Windows zu integrieren.

Für die Linux-Gemeinde gibt es zwar auch Live-Systeme, dieser Artikel beschäftigt sich aber ausdrücklich nur mit den Möglichkeiten der Windows-Welt. Einen Vergleichstest von Live-Linux-Systemen lesen Sie in der nächsten Ausgabe von PC Professionell.

USB-Stick vs. CD

Gegenüber CDs haben Sticks viele Vorteile: So sind sie robuster und handlicher. Zudem lassen sich komfortabel Dateien verändern und ergänzen. So können Sie das Rettungssystem regelmäßig mit Programmupdates und Virensignaturen versorgen.


Stolperfalle Speicherstick

Booten vom USB-Stick

Nicht jeder PC bootet auf Anhieb von USB-Medien. Schuld sind das Rechner-BIOS oder die Stick-Formatierung.

Weigert sich der Rechner, vom Speicherstick zu booten, kann das verschiedene Ursachen haben. Ist der Stick nicht bootfähig, ist das Problem mit den auf Seite 195 vorgestellten Tools mit wenigen Mausklicks gelöst. Allerdings kann es auch sein, dass das Rechner-BIOS das Booten vom USB-Stick gar nicht unterstützt. Vor allem ältere Systeme bereiten hier Schwierigkeiten. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten Sie daher vor einem Bootversuch die aktuellste BIOS-Version aufspielen. Je nach BIOS-Variante ? AMI oder Award/Phoenix ? gilt es zudem, diverse Einstellungen richtig zu setzen. Welche das sind, wird im Kasten auf Seite 197 erklärt. Letztendlich bleibt es mangels eines einheitlichen Boot-Standards aber jedem Mainboard-Hersteller überlassen, welche Features er seinem BIOS mit auf den Weg gibt.

Formate: Superfloppy oder Festplatte

Klappt das Booten nicht, kann das auch daran liegen, dass das Mainboard mit dem Format des Speichersticks nicht zurechtkommt. Denn dieser kann auf zweierlei Arten formatiert werden: als Festplatte ? also mit Master Boot Record, Partitionstabelle und Partition ? oder als Superfloppy. Hier gibt sich der Datenträger als Diskette aus und besitzt keine Partitionstabelle. Einen Unterschied bemerkt der Anwender nicht; Festplatten- und Superfloppy-USB-Sticks sehen unter Windows wie ganz normale Wechseldatenträger aus. Für das BIOS ist dieser Unterschied aber wichtig, und nicht jede Version akzeptiert beide Varianten als Bootmedien.

Superfloppy mit Knoppix erstellen

Um den USB-Stick zur Superfloppy umzuwandeln, reichen die Windows-Bordmittel nicht aus. Hier ist der Griff zu Linux notwendig. Sie brauchen allerdings keine Distribution installieren ? bereits eine kostenlose Live-CD wie Knoppix genügt völlig.

Ist das Linux-System hochgefahren, wechseln Sie in die Konsole. Dort liefert die Eingabe von fdisk -l den Namen, unter dem der Stick gemountet ist. Anschließend stattet ihn install-mbr /dev/Name –force und mkdosfs -I /dev/Name mit einem Master Boot Record aus und formatiert ihn als Superfloppy. Dann können Sie, wie auf den folgenden Seiten beschrieben, ein spezielles Windows-System auf den Speicherstick packen und ihn als Rettungsmedium einsetzen.

Bild: Ein mit Reatogo und Bart PE erstelltes Live-Windows steht einer echten XP-Installation in der Funktionalität kaum nach – und auch die Optik stimmt.


Windows für den USB-Stick

Booten vom USB-Stick

Ein modifiziertes Windows XP bootet vom Speicherstick und bringt alle Systemtools mit, die Sie im Notfall brauchen.

Boot-Sticks mit DOS leisten zwar gute Dienste, wenn das Betriebssystem nicht mehr startet. Allerdings fehlen einige Features, die unter Windows selbstverständlich sind. Dazu zählen der Zugriff auf NTFS-Partitionen und der Netzwerk-Support, um ins Internet zu gelangen oder Backups auf einen anderen lokalen Rechner beziehungsweise ein NAS zu sichern. Ein Bootmedium mit diesen Funktionen erstellen Sie mit dem PE Builder, der eine nur rund 150 MByte große Minimalinstallation von Windows XP, Bart PE genannt, auf den USB-Stick packt. Das Geniale: Sie bekommen allen Komfort von Windows geliefert ? Kernel, grafische Benutzeroberfläche sowie Netzwerk- und Gerätetreiber. Weitere Programme packen Sie zudem unkompliziert über frei definierbare Plug-ins in das Notfall-Windows.

Allerdings läuft Bart PE nur mit Windows XP, eine Version für den Nachfolger Vista gibt es derzeit noch nicht.

Service-Pack 2 integrieren

Um mit dem PE Builder ein Rettungsmedium mit Windows zu erstellen, benötigen Sie neben der Installations-CD von Windows XP Home oder Windows XP Professional auch das Service-Pack 1, besser noch das Service-Pack 2. Wer nur die Original-Setup-CD besitzt, kann das Service-Pack 2 mit wenig Aufwand integrieren und damit auf den neuesten Stand bringen.

Das 265 MByte große Paket bietet Microsoft zum Download an. Es kann auch als CD-Version bei Microsoft geordert werden. Allerdings beträgt die Lieferzeit mehrere Wochen und es fallen 8 Euro Versandkosten an.

Damit Sie später weniger tippen müssen, benennen Sie das Service-Pack zunächstvon WindowsXP-KB835935-SP2-DEU.exe in XPSP2.exe um und kopieren es in ein Rootverzeichnis, so dass der Pfad beispielsweise D:\XPSP2.exe lautet. Dann kopieren Sie den kompletten Inhalt der Windows-Installations-CD in einen Festplatten-Ordner nach Wahl, zum Beispiel D:\XP_CD. Achten Sie darauf, dass im Explorer auch alle versteckten Dateien angezeigt werden. Das lässt sich im Dateimanager-Menü unter Extras/Ordneroptionen/Ansicht überprüfen.

Die Integration des Service-Packs in die Windows-Setup-Dateien läuft nach Klick auf Start, Ausführen und der Befehlszeile D:\ XPSP2.exe /integrate:D:\XP_CD automatisch ab. Dabei wird das Service-Pack zunächst in ein temporäres Verzeichnis entpackt und anschließend automatisch eingebunden. Je nach PC-Hardware kann das mehrere Minuten dauern.


Aktualisierte Setup-CD für XP

Booten vom USB-Stick

Wenn Sie das Service-Pack 2 in Ihre Windows-XP-Files integriert haben, sollten Sie davon gleich eine neue Setup-CD erstellen. Auf diese Weise ist Ihr System bei allen zukünftigen Installationen immer auf dem neuesten Stand. An einfachsten klappt das Erstellen einer solchen Boot-CD mit dem Brennprogramm Nero.

Bevor Sie allerdings mit Nero loslegen, brauchen Sie noch eine Datei von der originalen Windows-Installations-CD, um die neue CD bootfähig zu machen. Legen Sie den Or
iginal-Datenträger in ein Laufwerk und installieren Sie die Shareware ISOBuster. Mit dem Tool extrahieren Sie nach der Installation die nur 2 KByte große Datei Microsoft Corporation.img. Um diese mit ISOBuster sichtbar zu machen, klicken Sie im Programm zunächst auf den Pfad Bootable Disc und speichern das File dann über die Kontextmenü-Option Extrahieren. Damit haben Sie nun sämtliche Zutaten für Ihre Boot-CD zusammen.

Starten Sie das Brennmodul von Nero aus dem Startmenü über Programme/Nero/Daten/Nero Burning ROM und beginnen Sie über Datei/Neu ein neues Projekt. Im folgenden Auswahlfenster wählt man linkerhand den CD-Typ CD-ROM (Boot) und gibt rechts unter Image-Datei die zuvor gespeicherte Bootdatei Microsoft Corporation.img an.

Nun geben Sie Nero noch einige Experteneinstellungen mit auf den Weg: Setzen Sie ein Häkchen im gleichnamigen Feld. Der Emulationstyp wird auf Keine Emulation eingestellt, die Anzahl zu ladender Sektoren geben Sie mit den Wert 4 an. Nach einem Klick auf den Reiter Titel benennen Sie die CD so wie das Original, normalerweise WXPVOL_DE. Die Schreibmethode legen Sie im Reiter Brennen fest, in diesem Fall Disc-at Once. Bestätigen Sie nun alle Einstellungen mit Neu. Anschließend können Sie den gesamten Inhalt des XP-Verzeichnisses per Drag & Drop dem Projekt hinzufügen und brennen.

Mit vier Mausklicks zum Notfall-OS

Nun aber zurück zum Rettungssystem für den USB-Stick. Bart PE genügen die auf Festplatte kopierten Setup-Files von XP, um ein vollständig funktionierendes Notfall-Windows zu erstellen. Sie brauchen im Programm nur die Pfade für die Windows-CD (Quelle) und das Ausgabe-Verzeichnis (Zielordner) anzugeben. Nach einem Klick auf Start werden alle Files des Rettungs-Betriebssystems dorthin gespeichert. Wichtige Systemkomponenten sind bereits mit an Bord, beispielsweise Netzwerk-Unterstützung mitsamt DHCP-Support, Diagnosetools und ein explorerähnlicher Dateimanager.

Wer es weniger eilig hat oder sein Rettungssystem mit mehr Features bestücken will, klickt auf die Schaltfläche Plugins. Im folgenden Fenster können Sie dann einstellen, welche Programme Bart PE auf den Boot-Stick packen soll. Viele Module sind bereits automatisch aktiviert, darunter ein Windows-ähnliches Startmenü, Netzwerkunterstützung und eine RAM-Disk.

Für zusätzliche Tools wie die Freeware Deep Burner gibt es zwar die Option, sie per Ja/Nein-Schalter in das Notfallsystem zu integrieren, allerdings müssen Sie die Programm-Dateien selbst hinzufügen, da sie nicht Teil des Bart-PE-Pakets sind. Wohin, lässt sich aber leicht herausfinden, denn für jedes Modul gibt es ein passendes Unterverzeichnis im Bart-PE-Installationsorder Plugin, das Konfigurationsdateien und meistens auch ein weiteres Unterverzeichnis (Files) für die Originaldateien enthält. Die Verfahrensweise ist immer die gleiche: Erscheint beispielsweise beim Einbinden des Deep-Burner-Plug-ins die Fehlermeldung, die Datei Deepburner.exe fehle, kopiert man diese einfach in den Unterordner Deepburner/files.


Das Lieblings-Tool als Bart-Plug-in

Booten vom USB-Stick

Gibt es für ein Programm, das Sie in Ihrem Notfallsystem haben wollen, kein vorinstalliertes Plug-in, so können Sie sich die entsprechenden Konfigurationsskripte selbst erstellen ? eine Online-Hilfe bringt Bart PE mit. Viel bequemer ist es jedoch, auf bereits fertig entwickelte Plug-ins von Dritten zurückzugreifen. Denn davon gibt es unzählige, und viele sind richtig praktisch.

Die rege Bart-PE-Community, der unter www.911cd.net/forums eine eigene Forums-Sektion gewidmet ist, entwickelt stetig neue Plug-ins und stellt sie zum Download bereit. Eine riesige Auswahl an Modulen gibt es unter Plugins, ausgiebig getestete und funktionierende findet man im Plugins Repository, zum Beispiel für OpenOffice.org, Partition Magic, Kaspersky Anti-Virus oder Symantec Norton System Works.

Manches der Pakete mag neben den Originalfiles noch den Download zusätzlicher Dateien erfordern, zum Installieren reicht es aber fast immer, sie im Plug-ins-Verzeichnis in einen eigenen Ordner zu entpacken. Wenn alles klappt, taucht das neue Modul nach einem Neustart von Bart PE in dessen Plug-in-Liste auf und lässt sich so in das Rettungssystem integrieren.

Sieht aus wie Windows: Reatogo

Komfortabler geht das Einrichten von Plug-ins mit Reatogo, einem auf Bart PE aufsetzenden Tool mit zahlreichen Zusatzfeatures. Mehr als 200 Plug-ins lassen sich direkt aus dem Programm heraus einbinden ? die benötigten Komponenten lädt Reatogo automatisch herunter. Beide Programme erzeugen zwar ein bootfähiges Live-System, Reatogo setzt gegenüber Bart PE aber noch eins drauf. Auf den ersten Blick sieht ein mit dem Tool erstelltes Notfallsystem genauso aus wie eine »normale« Windows-Installation. Während Bart PE nur die grundlegenden Systemtreiber mitbringt, hat Reatogo auch die Hardware-Erkennung von Windows samt Windows-Explorer und sämtlichen Systemkomponenten mit an Bord.

Windows auf den USB-Stick

Um das Notfall-Windows nun auf einen Speicherstick zu packen, gehen Sie wie folgt vor: Formatieren Sie zunächst den Flashspeicher mit dem HP USB Storage Format Tool, jedoch ohne die Option Quick Format und mit dem NTFS-Dateisystem. Dann können Sie das komplette Verzeichnis mit Ihrem Mini-Windows auf den Stick kopieren.

Der Notfall-Stick bootet allerdings nur mit den Dateien setupldr.bin und ntdetect.com, die Sie im i386-Ordner finden. Diese kopieren Sie in den Root-Ordner des Speichersticks ? also zum Beispiel nach G:\ ? und benennen setupldr.bin in ntldr um. Schließlich erhält das i386-Verzeichnis noch den neuen Namen minint.

Sofern der Rechner es unterstützt und alle Verzeichnisse richtig benannt sind, startet Windows XP anschließend vom USB-Stick.

XP-Variante mit RAM-Disk

Wenn Sie statt des Windows-Desktops einen Bluescreen mit dem Fehlercode 7B (»Inaccessible_Boot_Device«) zu sehen bekommen, hat der von Windows geladene USB-Treiber einen Bus-Reset ausgelöst. Mit einem Trick klappt das Booten aber trotzdem. Das erfordert jedoch den Download des 333 MByte großen Service-Pack 1 für Windows Server 2003.

Dieser Riesen-Download ist notwendig, weil die darin enthaltene Datei setupldr.bin gegenüber der XP-Version einen entscheidenen Vorteil hat: Sie ermöglicht es dem PE Builder, das Mini-Windows nicht über den USB-Treiber, sondern mit einem RAM-Disk-Loader zu starten.

Das Service-Pack 1 für Windows Server 2003 packen Sie über die Kommandozeile mit der Option Servicepackname -r aus. Die im Service-Pack-Verzeichnis i386 enthaltenen Dateien setupldr.bin und ramdisk.sy_ kopieren Sie in das zuvor angelegte PE-Builder-Directory namens srsp1. Achtung: Das File ramdisk.sy_ liegt in komprimierter Form vor, lässt sich aber mit der Kommandozeile expand -r ramdisk.sy_ entpacken.

Von diesem Punkt an geht es weiter wie zuvor beschrieben: den Speicherstick formatieren, PE Builder starten und anschließend mit Plug-ins konfigurieren. Bei der Option Build ISO Image ist allerdings ein Häkchen notwendig, damit PE Builder ein Abbild erstellen darf.

Um die Windows-Dateien nun auf den Speicherstick zu bekommen, verwenden Sie das Tool PE2USB. Entpacken Sie das Programm direkt in das PE-Builder-Verzeichnis. PE2USB macht den Stick bootfähig und überträgt das mit PE Builder erstellte Image-File. Geben Sie dafür in der Kommandozeile Pe2usb -f Laufwerksname ein. Der Laufwerksname ist der Pfad zum USB-Stick, der Parame
ter -f sorgt dafür, dass der Flashspeicher formatiert wird.