Wie hoch ist die Windows-Steuer?

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Wie lässt sich das berechnen, da Microsoft die Vertragspartner und Steuereintreiber zur eisernen Verschwiegenheit verpflichtet? Dell hilft uns bei der Berechnung.

Microsoft lässt die PC-Hersteller nicht aus dem Nähkästchen plaudern, jede Zuwiderhandlung gilt als Vertragsverletzung. Mit ein wenig detektivischer Spürnase kann man es aber dennoch herausfinden.

Bei Dells Workstation-Angeboten für gewerbliche Abnehmer gibt es die gleichen Kisten mit den Betriebssystemen Red Hat, XP und Vista. Die Red-Hat-Angebote sind dabei günstiger als die mit Windows-Beigabe. Nun könnte man sagen, was soll’s – aber hier handelt es sich nicht um die kostenlos herabladbare Linux-Version, sondern um die Enterprise-Version mit vollem Support einschließlich den Medien.

Meistens machen einem die Firmen den direkten Vergleich schwer, indem sie die angebotene Hardware so sehr verändern, dass ein unmittelbarer Vergleich nicht mehr zu machen ist, aber das gilt hier nicht.

Wenn man die rundum gleiche Hardware wählt, kommt man mit der Linux-Distribution Red Hat auf einen Preis von 1952 $, während die Variante mit Windows XP oder Vista einen um 2011 $ erleichtert. Damit läge der Borg-Steueraufschlag gegenüber Red Hat bei 59 US-Dollar. So lange Red Hat nicht über seine Verträge mit Dell reden will, können wir allerdings nicht sicher sein, wie viel eine Windows-Lizenz den Hersteller tatsächlich kostet.

Dieser Vergleich konnte nur in Dollar stattfinden. Denn anders als im härteren amerikanischen Wettbewerbsumfeld drehen die Preisauszeichner von Dell in Euroland ganz merkwürdige Pirouetten. Hier haben sie sich sogar eine Strafsteuer für die Abwahl von Windows einfallen lassen: In der von der deutschen Dell-Filiale vorgeschlagenen Konfiguration der Workstation Dell Precision 690 kostet die Linux-Version 3872,26 €, während die Geschmacksrichtung Windows XP Professional immer noch ein Loch von satten 3777,06 € in das Budget schlägt. Hallo, Dell.de – mit welchen Rechenkünsten kommt ihr darauf, dass die Kunden für Linux 95,20 € mehr abdrücken sollen als für Windows XP? Mit Linux ist das Teil im übrigen auch nicht für Privatanwender oder kleine Unternehmen, sondern erst ab Dells Angeboten für den “Mittelstand” erhältlich.

Und da wir gerade dabei sind – warum soll der 27-Zoll-Monitor Dell 2707WFP explosive 1558,90 € statt 1169 Dollar kosten? Der Monitor enthält übrigens ein Panel von Samsung, und ein vermutlich auch noch deutlich besseres Gerät wurde von Samsung selbst für 999 $ angekündigt.

(Charly Demerjian/bk)

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