Open-Source: Horde Groupware 1.0
Kleine Exchange-Alternative

Allgemein

Horde 1.0 will sich von der Masse PHP-basierter Open-Source-Groupware abheben und sichzugleich gegen Exchange positionieren. Das gelingt nur teilweise.

Testbericht

Open-Source: Horde Groupware 1.0

Webserver, PHP und eine Datenbank: Mehr braucht das Groupware-System Horde 1.0 nicht, um die kompletten Exchange-Grundfunktionen gratis anzubieten. Adressbuch, Kalender, Aufgaben- und Kontaktmanagement sind neben zentralisierter Memo- und Notizfunktion vorkonfiguriert. Die Horde Groupware Webmail Edition enthält zusätzlich einen Webmail-Dienst, der aber weit hinter den Fähigkeiten von Exchange zurückbleibt. Pluspunkt: Da Horde auf PHP4 setzt, läuft es auf allen gängigen Betriebssystemen; Nutzer greifen per Browser zu, ein zusätzlicher Client wie Outlook ist nicht nötig.

Benutzerfreundliche Web-Oberfläche

Im Test stellen alle aktuellen Webbrowser die Bedienoberfläche korrekt dar. Diese ist übersichtlich strukturiert und lässt sich intuitiv nutzen. Um einen Termin in der Kalender-Anwendung einzutragen, genügt zum Beispiel ein einfacher Mausklick. Komplexe Aktionen wie Wiederholungstermine oder Einladungen an weitere Teilnehmer legen Nutzer erst im zweiten Schritt fest. Durch diesen Minimalismus unterscheidet sich Horde Groupware von kommerziellen Anwendungen wie Exchange oder Notes, die Anwender oft mit ihrer Funktionsfülle überfordern. Gut für Umsteiger: Die Schulungs- und Einarbeitungsphase ist bei Horde Groupware überraschend kurz.

Horde-Groupware-Module

Die Kalender-Anwendung Kronolith bewältigt Standardaufgaben, mehr aber auch nicht. Die Kalenderansicht lässt sich frei wählen: Tages-, (Arbeits-)Wochen-, Monats- und Jahresansichten sind möglich. Auch mit wöchentlich oder täglich wiederkehrenden Terminen kommt Kronolith zurecht. Als Groupware-Funktionalität stehen auch Meetings für Gruppen auf der Haben-Seite; bei Änderungen informiert Kronolith alle Teilnehmer zuverlässig per E-Mail über den neuen Status. Bei der Planung von Gruppenterminen berücksichtigt das Programm die aktuellen Kalendereinträge aller Teilnehmer und lenkt den neuen Termin in ein freies Zeitfenster. Gut gelöst: Per Internet synchronisieren Nutzer sogar entfernte Kalender. Kronolith basiert auf dem Standard iCalendar und lässt sich dank iTip-Erweiterung (RFC 2446) plattformübergreifend einsetzen.

Das Adressbuch von Horde Groupware heißt Turbo. Mit dem Modul lassen sich bereits bestehende Adressbücher integrieren, ob von Microsoft Outlook oder aus einem zentralen LDAP-Server, der unternehmensweit als Kontaktdatenbank dient. Einfache Suchfunktionen helfen, Kontakte in großen Adresslisten zu finden. Neben den vorgefertigten Feldern können Sie unter Turbo eigene Felder mit zusätzlichen Kontaktinformationen definieren und optional die Adressbuch-Ansicht individuell anpassen. Obligatorisch ist die Unterstützung des Standards vCard, eine einfache Methode, um zum Beispiel per E-Mail einen neuen Adressbucheintrag zu übertragen.

Die Aufgabenverwaltung Nag schlägt sich im Test gut. Neben numerischen Prioritäten für einzelne Aufgaben können Sie diese mit farblich hervorgehobenen Kategorien und individuellen Bezeichnungen versehen ? beispielsweise Grün für Projekt A. Die Aufgaben lassen sich nach Name, Priorität, Fälligkeitsdatum und Kategorie sortieren. Änderungen in Aufgaben teilt Horde Groupware per E-Mail mit. Der Standard vTodo sorgt für die Interoperabilität zwischen Horde-Benutzern und dem Rest der Welt ? fast alle Groupware-Clients sprechen diesen Standard.

Ab und zu schleichen sich bei Horde noch lästige Fehler ein, die in großen Produktivumgebungen nicht vorkommen dürfen. Format- und Zugriffsprobleme lassen sich vielleicht im Fünf-Mann-Team auf dem kurzen Dienstweg lösen, große Arbeitsgruppen bremsen diese Kinderkrankheiten zu stark.

Bild: Alle Groupware-Elemente, wie Kalender oder Aufgaben, sind auf einen Blick sichtbar, ohne die Oberfläche zu überfrachten.


Synchronisation mit SyncML

Open-Source: Horde Groupware 1.0

Die Synchronisation mit mobilen Geräten wie PDA und Handy sowie klassischen Groupware-Clients stellt Horde Groupware über das Protokoll SyncML her. Unterstützte Clients sind Apple iCal, Mozilla Sunbird und Microsoft Outlook. In der Praxis testen wir das Zusammenspiel zwischen Horde und Microsoft Outlook. Als SyncML-Schnittstelle verwenden die Tester das Funambol-Outlook-Plug-in. Nach nur wenig Anpassungsaufwand klappt das Zusammenspiel, Kalender, Aufgaben, Adressbuch sowie Notizen lassen sich bequem zwischen Outlook und Horde synchronisieren. Grundsätzlich ist jedoch Vorsicht angebracht: Die Synchronisation nach SyncML ist in Horde Groupware 1.0 noch lückenhaft. Viele SyncML-Clients befinden sich außerdem noch im Teststadium oder haben es gerade abgeschlossen. Wie weit die Synchronisation mit Ihren Groupware-Clients realisierbar ist, sollten Sie im Vorfeld durch ausführliche Praxistests evaluieren.

Differenzierte Optionen für Admins

Die Administrations-Optionen von Horde Groupware reichen vom einfachen Erstellen neuer Benutzer und Gruppen bis zum Eingriff auf Shell-/PHP- und SQL-Niveau. Fein differenziert Horde Groupware die Vergabe von Rechten: Neben der gängigen Unterteilung in Benutzer- und Gruppenrechte lassen sich neben Ersteller- auch Gastrechte festlegen. Weiteren Feinschliff erhält das Rechtesystem durch die Gruppierung in einzelne Horde-Module oder Anwendungen: Für Kalender, Adressbuch, Aufgaben, E-Mail und Notizen können Sie individuell unterschiedliche Rechte für Benutzer, Gruppen oder allgemeingültige Regeln festlegen. Der Shell-Zugriff über die Administrator-Oberfläche hinterlässt allerdings einen wenig sicheren Eindruck: Ein gültiger Administrator-Account erlaubt den Zugriff auf Shell-Ebene mit den Rechten des Benutzers, unter dem der Webserver läuft. Je nach Systemumgebung und -konfiguration könnte hier ein beträchtliches Sicherheitsloch entstehen.

Installation nur für Spezialisten

Für die Installation von Horde Groupware benötigen Sie fundiertes Fachwissen über die Systemadministration des verwendeten Betriebssystems. Die Installation unter Linux wird von der Online-Dokumentation abgedeckt, variiert aber von Distribution zu Distribution stark. Unter Red Hat Enterprise Linux sind alle notwendigen Pakete (RPM) über zentrale Repository-Server erhältlich.

Nach dem Entpacken des PHP-Codes wird dieser in das Verzeichnis Horde in den HTML-Root-Baum des Webservers verschoben. Anpassungen an die Benutzer- und Gruppenrechte sind erforderlich, bei Systemen mit zusätzlichen Schutzmechanismen wie AppArmor oder SELinux wird es hakelig mit der Konfiguration ? einfach und intuitiv sieht anders aus. Wegen der verwendeten Entwicklungssprache PHP läuft Horde Groupware auch auf Windows-Systemen.

Es ist auch möglich, weitere Groupware-Komponenten einzubinden. Neben den gängigen Kollaborations-Werkzeugen ist der Dateimanager Golem interessant. Er soll nach Erscheinen ein hierarchisches Dateisystem zentral in der SQL-Datenbank ablegen. Weitere geplante Erweiterungen sind ein Bookmark-Manager sowie ein Wiki-Add-on.

Exchange-Konkurrenz im Kleinen

Gegen Exchange und Outlook kann Horde derzeit nicht bestehen. Kleine Arbeitsgruppen bis zu fünf Teilnehmer stemmt die Groupware aber ohne Probleme. Für größere Aufgaben fehlt es an Stabilität, Performance und Zusatzfunktionen.


Testergebnis

Open-Source: Horde Groupware 1.0

Produktname: Horde Groupware 1.0
Hersteller: Horde Group, Open Source
Internet: Horde Group Homepage
Preis:
kostenlos

Note befriedigend
Leistung (40%): gut
Ausstattung (30%): befriedigend
Bedienung (30%): befriedigend

Das ist neu
– Plattformunabhängiger Groupware Server
– Breite Datenbank-Unterstützung
– Webmail-Support
– Synchroni
sation mit mobilen Geräten

Systemvoraussetzungen
Betriebssysteme: plattformunabhängig
Webserver: Webserver mit PHP-Support
Datenbanken: MySQL, PostgreSQL, Oracle,SQL Server und viele mehr

Fazit
Horde ist eine funktionale Groupware für kleine Arbeitsgruppen. An die Outlook-Funktionen kommt sie nicht heran, außerdem ist die Installation zu komplex.