Microsoft zieht Examen zurück

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Microsoft hat wieder einmal Probleme mit seinen Zertifizierungen für Informatiker. Der Softwareriese hat drei von fünf geplanten Examen zurückgezogen.

Wer sich zum Spezialisten für Windows XP Professional zertifizieren möchte, muss eine Prüfung bestehen. Bei Windows Vista sind es gleich fünf. Drei davon hat Microsoft allerdings nach längerer Beta-Dauer zurückgezogen, um “im Interesse der Qualitätssicherung für Microsoft-Zertifikationen weitere Inhalte hinzuzufügen”, heißt es in einem diese Woche verschickten Rundschreiben.

Betroffen sind die Examen mit den Prüfungsnummern 70-621, 70-622 und 70-623. Statt im Januar respektive bis Ende dieses Monats sollen diese Zertifizierungen nun erst im Mai verfügbar werden. Sie beinhalten den Desktop-Support für Windows Vista sowohl im Heimanwender wie im Geschäftsbereich. Diese Examen waren als Beta-Versionen in den vergangenen Wochen bereits von eingeladenen Microsoft-Spezialisten absolviert und offenbar leicht bestanden worden. Einträge in Onlineforen erwecken den Eindruck, dass viele Beta-Prüflinge über die niedrigen Anforderungen erstaunt waren.

In jüngster Vergangenheit hatten Microsoft-Examen immer wieder für Diskussionsstoff gesorgt. Vorletztes Jahr wollte der Softwareriese das auf Fragen mit jeweils vier Auswahlantworten beruhende Format mittels Simulationen praxisgerechter gestalten. Absolventen sollten in virtuellen Umgebungen ihre Fertigkeit bei der Erledigung täglicher Arbeiten unter Beweis stellen.

Die Veröffentlichung der Examen verspätetet sich ebenfalls, und statt umfangreicher Simulationen sind es bis heute einige wenige geblieben, die anfänglich zudem teils fehlerhaft funktionierten. Noch immer sind Auswahlantworten wie bei der Millionenshow das Rückgrat der kostenpflichtigen Examen. Eine Prüfung kostet 140 Euro und wird in speziellen Prüfungszentren unter Aufsicht und mit Zeitbegrenzung durchgeführt.

Das erleichtert auch den Betrug. Auf mehreren Webseiten können die Fragen und Antworten ganzer Examen vorab eingesehen und auswendig gelernt werden. Die Betreiber dieser dubiosen Dienste sitzen oft in ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen Microsoft gegen solche Machenschaften machtlos ist. (dbm/mto)

Bild: Microsoft

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