Fernsehen manipuliert “Killerspiele”

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Das einst kritische Politmagazin Panorama der ARD bediente sich haarsträubender Manipulationen, um zusammen mit Beckstein gegen “Killerspiele” zu agitieren.

Ein TV-Beitrag wie “Morden und Foltern als Freizeitspaß” wäre es eigentlich nicht wert, darüber zu berichten, zumal der Informationsgehalt gegen Null ging. Schon die Beschreibung des Senders sagt alles: “Sie (die Spiele) heißen ‘Final Fantasy’, ‘Der Pate’ oder ‘Call of Duty’. Ihr Ziel ist immer gleich: Menschen jagen, foltern, töten.”

Die dummdreisten Manipulationen der Panorama-Ausgabe vom 22. Februar 2007 aber müssen leider ein Thema sein.

Das fängt bei der Wahl eines “Experten” an, von dem nicht verraten wird, dass seine Firma “Pan Amp” auch schon mit dem Verkauf eines “Ego-Shooter-Filters” Geld verdienen wollte. Er machte sich zudem schon damit wichtig, er habe im deutschsprachigen Internet 200.000 Anleitungen zum Bombenbau gefunden und diente sich mit solchen alarmistischen Behauptungen bereits erfolgreich dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) an, die so etwas auch immer gerne glauben wollen.

Solche willfährigen Schwadronierer brauchen Beckstein & Co für ihre populistischen Forderungen. Beckstein und einer seiner bayerischen LKA-Beamten kamen in der Sendung natürlich ebenfalls ausführlich zu Wort. Zugleich wurde die nüchtern argumentierende Bundesjustizministerin abgekanzelt, sie hätte sich bei einer Pressekonferenz “lästiger Nachfragen” erwehren müssen.

Die Tendenz ist also ohnehin klar, aber der eigentliche Hammer sind die dummdreisten Manipulationen. Am dreistesten ist die Behauptung, in dem verbreiteten Spiel “Grand Theft Auto” (GTA San Andreas) wären Punkte für Vergewaltigungen zu bekommen:

“Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt.”

Untermalt wurde das auch noch mit dem Songtitel “Rape me'” von Nirvana, was nicht das Geringste mit dem Spiel zu tun hat. Vergewaltigungen natürlich auch nicht, und Sex kommt im regulären Spiel nicht einmal vor. Den gibt es nur in einer umständlich zu patchenden Modifikation namens “Hot Coffee Mod”, aus dem die vom NDR gesendeten Szenen stammen – und damit das überhaupt passiert, müssen sich zwei Spielfiguren verabreden, und die weibliche Spielfigur muss ganz wie im richtigen Leben zu einer Tasse heißem Kaffee einladen. Die Geschichte von der Vergewaltigung ist eine plumpe Erfindung des NDR zur Stimmungsmache.

Mit Nazikram lässt sich auch immer gut diffamieren. Da passte es gut, dass man in ein Spiel Symbole einfügen kann, die ursprünglich gar nicht drin waren. Das ist illegal und kommt von privater Seite, Panorama aber brachte Hakenkreuze und Runensymbole ganz fett ins Bild, um es “Call of Duty” sowie dem Genre allgemein anzuhängen.

Im Senioren-Sender ZDF hätte das vermutlich schon lange niemand mehr gewundert. Panorama jedoch war einmal ein wirklich kritisches Magazin, das schon im Adenauer-geprägten Nachkriegsdeutschland gegen den Stachel der Obrigkeit löckte. Die Nachlassverwalter dieser stolzen Tradition sind zwar sonst im politischen Lagerdenken noch nicht ganz auf Seiten der Becksteins angekommen. Einig sind sie sich aber offenbar im Verlangen nach obrigkeitsstaatlichen Verboten neuer Medien und Technologien, die sie nicht verstehen können oder verstehen wollen.

Als Meinungsbeitrag wäre auch das zu tolerieren, selbst wenn der Niedergang von Panorama als einstigem ARD-Flaggschiff schmerzt. Mit den bewussten Manipulationen in der Sendung aber haben die Macher sich und ihren Berufsstand diskreditiert.

Wieso müssen / dürfen sie ihre Meinung mit leicht zu widerlegenden Manipulationen unterfüttern? Für wie dumm und ahnungslos halten die Öffentlich-Rechtlichen inzwischen ihr Publikum?

(bk)

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