Alles nur geklaut: iTunes entlarvt Musik-Plagiate

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Eine erfolgreiche britische Konzertpianistin wurde von iTunes posthum als Schwindlerin entlarvt. Die Musik ihrer CDs hatte sie von anderen Künstlern gerippt.

Die im letzten Jahr verstorbene Pianistin Joyce Hatto war mit ihren Auftritten nur mäßig berühmt geworden. Nachdem sie sich aufgrund einer schweren Krebserkrankung von der Konzertbühne zurückzog, erschienen jedoch über 100 Aufnahmen von ihr, die ihr in ihren letzten Lebensjahren nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch gute CD-Umsätze einbrachten. Die Künstlerin bekam regelrechten Kultstatus unter den Freunden klassischer Musik.

Zweifel an der Echtheit kamen erst auf, als ein Kritiker des Grammophone-Magazins eine Scheibe von ihr in seinen PC einlegte. Die Player-Software iTunes berechnet eine Disc-ID nach der Länge der Tracks, bevor sie online die Compact Disc Database abfragt. Und iTunes kam zum Ergebnis, die CD sei von einem anderen Pianisten, nämlich Lászlo Simon aufgenommen worden. Der Kritiker besorgte sich das Simon-Album und stellte fest, dass es sich tatsächlich um die gleichen Aufnahmen handelte.

Grammophone ließ nun Hattos Werke durch eine spezialisierte Audio-Firma überprüfen. Es stellte sich heraus, dass viele Aufnahmen direkte Kopien anderer Pianisten waren, während ein Teil der Aufnahmen durch Verlangsamung leicht verändert worden war.

Hattos Ehemann William Barrington-Coupe, der die Aufnahmen produziert hatte, konnte die Ähnlichkeiten nicht erklären. Er bekundete die Absicht, es nun selbst genauer untersuchen zu wollen.

(Nick Farrell/bk)

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