RSS ist nicht mehr simpel
Zu viele Feeds haben RSS aufgebläht

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Mangelnde Standardisierung und “Feature Creep” (das unbegrenzte Aufblähen von Anwendungen mit immer mehr Funktionen) sind schuld am chaotischen Zustand der RSS-Formate – die Nutzer können deshalb die Inhalte nicht mehr steuern.

RSS wird überfrachteter Mainstream

RSS ist nicht mehr simpel

Vor ein paar Jahren habe ich über meine neue Begeisterung für RSS-Feeds und Reader geschrieben. Nun, da RSS Gefahr läuft, sich zu einer Massentechnologie zu entwickeln, ist es angebracht, auf dieses Thema zurückzukommen. “Mainstream” ist etwas nach meiner ganz persönlichen Auffassung, wenn mein langjähriger Kneipenkumpel so ein Thema im Pub zur Sprache bringt. Dies galt für das Blogging Mitte letzten Jahres, und bei RSS dürften wir nicht weit davon entfernt sein.

Der Kernpunkt meines ursprünglichen Artikels war, dass RSS mit zunehmender Ausgereiftheit dem “Feature Creep” anheim fallen könnte und so seine Einfachheit verliert. Die Simplizität machte RSS zu einem so nützlichen Instrument. Sind wir nun schon soweit, dass es die verliert? Auf alle Fälle! Ich muss nur meinen gegenwärtigen Lieblings-Reader öffnen (den Freeware Feedreader) und durch die Dutzende von Seiten browsen, die ich regelmäßig beobachte. Zwangsläufig wird klar, dass RSS aus Sicht des Nutzers in totalem Chaos versinkt. Einige Seiten bieten mir die Überschrift und eine einzeilige Zusammenfassung. Einige bieten den ganzen Artikel, mit Bildern und Links – und sogar eingebetteten YouTube Videos.

Es gibt Multimedia-RSS-Feeds, die den Reader auf eine Datei und nicht auf eine Webseite schicken und wie das dann gehandhabt wird, hängt von der Reader-Software ab. Zwangsläufig beginnt sich auch die Werbung heimlich still und leise ihren Weg dorthin zu bahnen.


Mangelnde Standards – Kontrolle entrissen

RSS ist nicht mehr simpel

Ich mag es zwar einfach, habe nichts gegen einige der neuen Funktionalitäten, außer dass sie mir ganz oder teilweise die Kontrolle darüber entreißen. Denn es ist völlig unberechenbar, was man bekommt, wenn man sich für einen RSS-Feed anmeldet – die Nutzer lieben Unberechenbarkeit aber ganz und gar nicht. Das gilt vor allem für diejenigen, die herausfinden wollen, was die große orangefarbene Schaltfläche im Internet Explorer 7 so tut.

Unseren wird völlig klar sein, dass so etwas immer passiert, wenn niemand im Besitz der Normen ist. Laut Wikipedia gibt es zurzeit acht Versionen von RSS von 0.90 bis 2.0 in zwei Entwicklungszweigen. Zusätzlich existiert noch ein relativer Neuling in Form des IETF Atom Syndication Formats (http://de.wikipedia.org/wiki/Atom_(XML-Format), dessen Ziel darin bestand, die Inkompatibilitäten und Inkonsistenzen (http://www.at-mix.de/inkonsistenz.htm) von RSS zu beheben. Atom Syndication ist mittlerweile weit verbreitet und wenn man eine Seite besucht, werden häufig mehrere Feed-Formate angeboten. Natürlich haben die meisten Nutzer keine Ahnung, welches sie nehmen sollen.

Trotzdem werde ich mein Abonnement für all die unterschiedlichen und bizarr formatierten Feeds beibehalten, denn es ist immer noch einfacher, ein paar Hundert Überschriften von 50plus-Seiten durchzusehen als jede Seite selbst aufzurufen. Aber es sollte mir überlassen werden und nicht dem Syndikator, wie viel oder wie wenig Inhalt mir zur Ansicht im Feed angeboten wird. Von einigen Seiten möchte ich nur einen kurzen Einzeiler von anderen möchte ich vielleicht die zugehörigen Bilder oder Links oder sogar den vollständigen Text des Artikels. Das bekomme ich jetzt zwar, aber von den falschen Webseiten. Zugegeben, einige Webseiten bieten eine Wahlmöglichkeit – aber sie bilden die Ausnahme.

Mit Nutzer-gesteuerter Innovation – einem alten und viel geschmähten Konzept – ist dieser Meckerei abzuhelfen: Erkennen, was der Nutzer will und austüfteln, wie man es ihm bieten kann. Aber wie es scheint ist der Nutzer noch immer ein unerwünschter Mitfahrer im Schwerlastzug Web 2.0. Seine Wünsche und Ratschläge scheinen nicht gefragt, weil einige Leute, die Geld verdienen wollen – und nicht darüber nachdenken wie -, den Bogen zu weit drehen.