Deutscher Internetmarkt: Riskanter Boom?

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Der Rubel rollt wieder im deutschen Internetbusiness, die geplatzte IT-Web-Blase vor sechs Jahren scheint vergessen. Und schon sind riskante Modelle ohne Gewinnaussichten wieder in.

“Das Internet ist reif geworden und die Marktbedingungen sind günstig”, begründet Martin Weber, Geschäftsführer von Holtzbrinck Ventures, den Boom, der nach dem angelsächsischen Raum längst auch Deutschland spürbar erfasst hat. Zu spüren bekommen das vor allem die klassischen Medienhäuser. Um gegen die sinkenden Marktanteile und Werbeinnahmen in Radio, Print und TV anzukämpfen, treten manche die Flucht nach vorne an und investieren in innovative Web-2.0-Portale. Wie Holtzbrinck. Die Verlagsgruppe hat sich den e-Marktplatz erento und das Studentenportal StudiVZ zugelegt. Letzteres Engagement soll laut Spiegel um die 85 Millionen Euro gekostet haben. Für ein Portal, das keinen Umsatz erbringt, ziemlich viel.
“Ob die Social-Networking-Portale wirklich zu teuer sind, werden wir alle abschließend nur im Nachhinein beurteilen können”, glaubt Stefan Heng, Analyst bei der Deutschen Bank. Die Preise, die im Moment bezahlt werden, seien im Vergleich zu den Umsätzen allerdings zu hoch, unterstreicht Heng. Ihm sei kein Social-Geschäftsmodell bekannt, das derzeit wirklich profitabel wäre. Die Portale, die ansonsten die Öffentlichkeit suchen, sind bei der Veröffentlichung ihrer eigenen harten Geschäftszahlen zumeist äußerst diskret, merkt er an. (rm)