Google warnt: Online TV belastet das Web zu sehr

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INQ_OnlineTV.jpgIst denn schon der 1. April? Ausgerechnet Googles Manager für TV-Technologie hält das viele Ausstrahlen von Online-Videos für eine Zerreißprobe des Internets.

Vincent Dureau hat Zweifel daran geäußert, dass die Infrastruktur des weltweiten Web mit den wachsenden Anforderungen von Plattformen wie YouTube oder Joost klarkomme. Die Kapazität werde bis zu dem Punkt ausgereizt, bis nichts mehr gehe, warnt der Google-Vortänzer – nachdem man selbst fast anderthalb Milliarden ausgegeben hat, um sich die größte Video-Schleuder (YouTube) zu kaufen. Das klingt wie die Politiker, die vor steigenden Steuern warnen, kurz nachdem sie entsprechende Gesetzesvorlagen eingebracht haben.
Vom Untergang des Web predigte Dureau gerade auf der “Cable Europe Conference” in Amsterdam: “Die Infrastruktur hält nicht Schritt. Sie bietet nicht jenes Qualitätsniveau, das die Kunden erwarten.” Google investiere bereits massiv in Web-Hardware, nur um die Chose am Laufen zu halten, aber das könnte noch zu wenig sein…
Immerhin steht Dureau nicht allein mit seiner Meinung, denn auch die Analysten bei Deloitte warnen in einem Bericht, dass dieses Jahr die Online-Kapazität komplett ausgelastet werden würde. Schuld seien neben den Video-Portalen auch die Social Networks wie MySpace oder Bebo. In die gleiche Bresche schlägt der britische Technologie-Marktforscher CacheLogic, der gemessen haben will, dass 60 Prozent des gesamten Peer-to-Peer-Geschehens nicht mehr auf MP3, sondern auf Video- und Film-Dateien entfalle – mit einer durchschnittlichen Dateigröße von 1GByte.
Fredrik de Wahl vom noch jungen TV-Portal Joost gibt sich dagegen optimistisch. Er glaubt, dass die Bemühungen und Investitionen der Provider in die Infrastruktur gute Fortschritte gemacht hätten. Als Beispiel nennt er VeriSign, die jüngst angekündigt haben, weitere 100 Millionen Dollar über die nächsten drei Jahre nur für die Erweiterung von Bandbreite (man rechnet mit dem Faktor 10) ausgeben zu wollen. Das europäische Pendant Interoute gab jüngst 22 Millionen Euro aus, um sein Netzwerk gerade für den HD–Video-Verkehr zu optimieren.
Tim Sparke, Boss von Mercury Media, setzt auf das freie Spiel der Marktkräfte: “Die werden schon jedes technische Problem bewältigen.” Ist Sparke nun zu optimistisch oder Dureau zu pessimistisch? (Jane Hoskyn/rm)

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