Windows XP in Piraten-Panik

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Es wird ja vielleicht manchen überraschen, aber der INQ hat eine ganz eindeutige Pro-Microsoft-Fraktion. Sie besteht aus Andrew Thomas, einem echten Veteranen des IT-Journalismus – und er meldet sich heute zum Thema WGA zu Wort.

Andrew Thomas erzählt gerne aus alten Tagen und auch davon, einmal den besten Teil eines Tages mit Steve Ballmer verbracht zu haben, ohne dass er auch nur ein einziges Mal von ihm angeschrien wurde. Und hält Stevie noch immer für einen netten Kerl. Er gehört also, um das mal festzuhalten, zu den Leuten, die nicht den Hauch eines Vorurteils gegenüber unserem bevorzugten Fensterhersteller haben. Hören wir uns also an, was er zu WGA und seinen eigenen Erfahrungen damit zu berichten hat:

Die Echtheitsprüfung (Windows Genuine Advantage – WGA) läuft jetzt seit zweieinhalb Jahren. Das Programm soll illegale Kopien von Microsofts Produkten aufspüren und den Schuldigen die Chance geben, ins Reine zu kommen und die Kröten für die echte Packung auszuspucken.

Wie Information Week berichtet, wurde die Software von bislang über 20 Prozent der 512 Millionen Computer, die nach Hause telefonierten, als fragwürdig befunden – das sind 114 Millionen Benutzer, Leute.

Von diesen 114 Millionen haben dürftige 56.000 einen Bericht über eine Fälschung eingesandt, der sie zu einem reduzierten Preis oder in einigen Fällen sogar einer kostenlosen echten Kopie von Windows berechtigt hätte. Allerdings ist WGA nicht narrensicher, und Microsoft schätzt, dass ein halbes Prozent oder 571.000 Leute fälschlicher Weise als die Benutzer einer gekaperten Version von XP identifiziert wurden.

Tatsächlich verschlug es mich erst gestern zu den anderen 570.999 unschuldigen Opfern, als einer meiner XP-Rechner einen Salto schlug und sich aufführte, als wäre er nie aktiviert worden und liefe zudem noch mit einer gestohlenen Version von XP.

Ich verspüre keine Sympathie für die kriminelle Unterklasse, die jede Firma, so sie über mehr Geld als sie selbst verfügt, gerne guten Gewissens berauben möchte, ob es nun Plattenfirmen, Filmstudios, TV-Stationen oder Software-Anbieter sind. Diese Leute sind nicht besser als Straßenräuber, die sich einen iPod von einem anderen armen Kerl schnappen, der hart gearbeitet hat, um ihn zu bezahlen.

Ich stimme daher absolut zu, dass Microsoft mit Fug und Recht darauf bestehen kann, Support und Updates nur Leuten zukommen zu lassen, die tatsächlich für ihre Produkte bezahlt haben. Aber ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass das wesentlich besser hätte umgesetzt werden können. Software-Piraterie wird niemals gänzlich ausgerottet werden. Und es dem Unschuldigen möglichst unbequem zu machen, statt die Schuldigen zu bestrafen, das macht den Arsch zum Gesicht, wie meine alte Großmutter immer zu sagen pflegte.

Statt die Kosten für Support und Upgrade in das Produkt einzupreisen – wäre es da nicht sinnvoller, es zum günstigsten überhaupt möglichen Preis zu verkaufen mit einem Anspruch auf Upgrades für drei Monate, um dann für die weitere Unterstützung und eine Art von Gewährleistung zu berechnen?

Das scheint bei anderen Software-Produzenten zu klappen, bei Autoherstellern und Elektronik-Firmen. Und noch etwas fiel mir ein, als ich von der WGA-Fehlerrate von 0,5 Prozent las. Wenn die Echtheitsprüfung 571.000 XP-Installationen zu Unrecht als betrügerisch erkennt, dann ist doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass 571.000 der als gesetzestreu anerkannten Systeme tatsächlich mit Software laufen, die von einem Typ in der Kneipe weiter unten stammen?

(Von Andrew Thomas / ins Deutsche übertragen von Bernd Kling)

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