Keine Patentlösung für den Umgang mit Patenten?
Bis zu 30 Prozent der Handy-Kosten für Patente

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Hat die zunehmende wirtschaftliche Macht von Patenten Airgo in die Arme von Qualcomm getrieben?

Airgo gekauft wegen Patenten?

Keine Patentlösung für den Umgang mit Patenten?

Qualcomm hat kürzlich entschieden, Airgo Networks zu kaufen. Beide Firmen befassen sich mit hochkomplizierter drahtloser Kommunikation: Qualcomm ist vor allem im Mobilbereich aktiv und Airgo bei drahtlosen LANs. Was also – außer allgemeiner Unternehmensexpansion – sind die Gründe für die Übernahme?

Die Antwort mag sich in der düsteren Welt der Patente verbergen. Qualcomm ist einer der Pioniere des “Code Division Multiple Access” (CDMA), einer Technologie, die die Funkbasis für 3G-Mobilnetze vor allem in den USA bildet. Außerdem hat Qualcomm viel Forschungsarbeit in Multiple-Input, Multiple-Output (Mimo), auch Mehrgrößensystem genannt, gesteckt. Mimo ist eine Technologie, die mehrere Antennen an jedem Anschlussende verwendet, um bessere Sprachergebnisse zu erzielen. In diesen nutzt man unterschiedliche Frequenzen zur selben Zeit. Mimo kann zu einem beträchtlichen Anstieg in der Kapazität führen und ist heutzutage das Top-Thema in der drahtlosen Kommunikation.

Airgo sollte die Fähigkeiten seiner Gründer bei der Mimo-Technologie in die Praxis umsetzen und hat bei leistungsstarken WLAN-Systemen recht beeindruckende Ergebnisse erzielt. Beide Firmen sind Hauptakteure bei der weiteren Entwicklung der arg verzögerten IEEE 802.11n LAN-Norm.


Qualcomm und Airgo kontrollieren Technik im Wireless-Markt

Keine Patentlösung für den Umgang mit Patenten?

Und beide Anbieter haben dicke Mappen mit Patenten. Gibt man das Wort “Qualcomm” in die Datenbank des Europäischen Patentamts ein, kommen 18.000 Treffer. Die Liste von Airgo ist zwar viel kürzer, aber in Wirklichkeit signifikanter als es den Anschein haben mag. Einige der Patente haben weit reichende Anwendungsmöglichkeiten.

Durch Fusion der Unternehmen können nun beide ihren Aktionsradius ausdehnen, indem sie die Technologie des jeweils anderen nutzen können. Aber es gibt noch weitere Vorteile.

Moderne Netzwerke, insbesondere drahtlose, basieren auf international vereinbarten Normen, um einen einheitlichen Markt im Technologiebereich zu schaffen. Leider wird aber die Entwicklung von Normen wegen Gerangel um “geistiges Eigentum” immer schwieriger. Man kann viel Geld machen, wenn man Lizenzen für Schlüsseltechnologien vergibt. Das führt zu einem ewigen Gezänk bei den Beratungen der Normungskommissionen. In den letzten Jahren ist es immer schlimmer geworden, wofür die erbitterten Schlachten bei den Kommissionen um die Normen 802.11n und 802.20 beredtes Zeugnis ablegen.


Normungsgremien: Drahtlos und kopflos?

Keine Patentlösung für den Umgang mit Patenten?

Alle Normungsgremien haben sich den Kopf zerbrochen, wie das Problem mit den Patenten in den Griff zu bekommen ist. Die meisten haben jetzt Strategien, die in den Versuch münden, das Thema aus dem Normierungsprozess herauszunehmen. Dabei werden im Allgemeinen Patentinhaber gebeten, eine Erklärung abzugeben, dass sie ihre Technologie auf einer fairen, nicht diskriminierenden Basis lizenzieren werden. Bei einer Weigerung wird die Technologie nicht in die Norm aufgenommen. Das hat relativ gut funktioniert, aber es steht so viel auf dem Spiel, dass die Unternehmen nach Wegen suchen, diese Regeln zu umgehen.

Auch wenn man sich gütlich über Normen einigt, kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn man Lizenzen von mehreren Patentinhabern beziehen muss. So heißt es etwa, dass neue Anbieter, die GSM-Telefone herstellen wollen, über 30 Prozent der Handset-Kosten für Lizenzgebühren ausgeben müssen. Diejenigen, die jetzt groß im Geschäft sind, haben langfristige Vereinbarungen über den Austausch ihres geistigen Eigentums. Quacomm gilt als harter Knochen bei Patentverhandlungen und die Übernahme von Airgo wird seine Position noch festigen.