Quelloffene Systeme fürs Geschäft
Open-Source-Anwendungen auf dem Vormarsch

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Unternehmens-Anwendungen mit offen gelegtem Quellcode werden immer mehr zu einer ernstzunehmenden Alternative zu proprietären Produkten. Das bestätigt auch die EU-Kommission in einer neuen Studie. Mittlerweile erscheinen selbst Open-Source-Produkte für Microsoft-Betriebssysteme.

OpenSource-Business-Applikationen schreiten n EU-weit voran

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Die EU-Kommission hat in sechs Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft eine Untersuchung über die Nutzung von Open Source und Linux durchgeführt. Das Ergebnis: In fast allen Fällen hat die Umstellung von proprietärer zu offener Software langfristig zu Kosteneinsparungen geführt. Einen starken Trend hin zu Open Source bemerkt auch Rüdiger Spies, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Experton Group: “Gerade SAP-Kunden verwenden zunehmend die Open Source-Datenbank MySQL im Backend.” Für alle Anwendungsarten gibt es mittlerweile quelloffene Alternativen. Die Pakete sind alle als Download erhältlich: Zu empfehlen ist allerdings, dass sich Anwender den Rat eines erfahrenen Systemberaters holen, weil die die Pakete zwar leistungsfähig sind, die Einrichtung aber nicht ohne Tücken ist.

Die Situation im Einzelnen bei Web-Content-Management (WCM), Enterprise Content-Management (ECM), Enterprise-Ressource-Management (ERP), Product Lifecycle-Management (PLM) und schließlich Customer-Relationship-Management (CRM) lesen Sie auf den Folgeseiten.


Content Management: Argumentationsprobleme für proprietäre Lösungen

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WCM (WebContent Management): Am weitesten fortgeschritten ist der Bereich Web-Content-Management-Systeme: Es gibt bereits einige gut eingeführte Projekte aus dem Open-Source-Bereich, die mit kommerziellen Produkten vom Leistungsumfang durchaus mithalten können. Das bestätigen die Analysten von Gartner, die Open-Source WCM-Lösungen für ausgereift halten. Vor allem für kleinere und mittlere Projekte hat schon ein echter Verdrängungswettbewerb eingesetzt: Kommerzielle Systeme tun sich schwer, ihren Mehrwert gegenüber Open Source Angeboten darzustellen. Auch große Referenzen für OSS-WCMs sind durchaus vorhanden: Beispielsweise setzt der Chip-Hersteller AMD auf Typo3. Das Programm, aktuell in der Version 4.0.4, ist das im deutschsprachigen Raum wohl bekannteste WCM-System. In der letzten Version ist die XML-Kompatibilität verbessert und die Unterstützung für Oracle-Datenbanken ausgebaut worden. In Deutschland allein haben sich über 500 Consultants dem Typo3-Support verschrieben.

ECM: (Enterprise Content Managemen): Im Dokumenten-Management-Bereich hat das Open-Source-ECM Alfresco für einiges Aufsehen gesorgt. Das Systemhaus Dmc übernimmt den deutschsprachigen Support: »Alfresco hat ein ähnliches Geschäftsmodell wie Red Hat, die Firmengründer bringen langjährige Erfahrung von kommerziellen ECM-Systemen mit«, erläutert Heiko Robert, bei DMC verantwortlich für den Geschäftsbereich ECM und Portale. Die Software biete eine moderne SOA-Architektur, die konsequent an Standards ausgerichtet sei. Abgeschlossene Projekte gibt es in Deutschland noch nicht, bisher ist alles noch im Pilotstadium. Robert ist aber überzeugt, dass vor allem im Finanzbereich und bei Energieversorgern ein großes Interesse an OSS-ECM vorhanden ist. DMC setzt strategisch auf die Zusammenarbeit mit Alfreso und hat fünf Mitarbeiter zertifiziert.

Robert sieht die Möglichkeit, dass sich hierbei Alfresco zu einem ähnlichen Standard entwickeln könnte, wie dies Jboss bei den Applikations-Servern gelungen ist. Jedenfalls kann Alfresco schon einiges an Vorarbeit aufweisen und tritt mit dem Anspruch auf, den ersten Rang bei OSS-ECM zu belegen.

Diesen Rang könnte Alfresco noch die französische OSS-ECM-Lösung Nuxeo streitig machen, die allerdings den Weg nach Deutschland noch nicht gefunden hat. In Frankreich kann das System aber schon einige große Referenzen wie verschiedene Ministerien oder die Nachrichtenagentur AFP (1.200 Nutzer) vorweisen. Laut Firmenangaben gibt es bereits mehr als 1000 produktive Kundenumgebungen. Nuxeo arbeitet mit Systemintegratoren wie Cap Gemini oder Unilog zusammen. Das Unternehmen hat 22 Mitarbeiter.


Auch Firmen- und Produktsteuerung als OpenSource

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ERP (Enterprise Ressource Planning): Es zeichnet sich ab, dass bei ERP nur ein Projekt das Potenzial hat, zu einem ähnlichen Erfolg zu werden, wie Jboss bei Application Servern und MySQL bei Datenbanken: Compiere wird vom Reifenhersteller Goodyear gesponsort. Die Lösung positioniert sich laut Yves Sandfort, Vorstand des größten deutschen Compiere-Partners Comdivision, in erster Linie als Alternative zu Navision: »Kunden, die eine einfache Warenwirtschaft wollen, sind mit den Box-Produkten von Lexware oder Sage besser beraten.« Compiere erfordert einen ähnlichen Beratungsaufwand wie eine SAP-Implementation, Projektlaufzeiten von mehreren Monaten sind nichts Ungewöhnliches. Dass das Produkt noch Schwächen bei der Produktionsplanung hat, wie Analysten und Wettbewerber bemängeln, gesteht auch Sandfort zu. Zudem warnt er ausdrücklich davor, die OS-ERP-Lösung mit anderen Open-Source-Produkten zu kombinieren; zu empfehlen sei ein Betrieb auf einer Oracle-Datenbank unter Solaris. Als Zielgruppe sieht er vor allem Kunden aus dem Einzelhandel.

PLM (Product Lifecycle Management): Dass Open Source nicht gleich Linux ist, hat sich noch nicht weit herumgesprochen. Die Software von Aras ist zwar die neueste, aber keineswegs die einzige Anwendung, die zwar quelloffen ist, aber nicht Linux voraussetzt. Auch SugarCRM oder Open Office werden in erster Linie unter Windows eingesetzt. Mit der Entscheidung für die Microsoft Community License geht Aras aber noch einen Schritt weiter und stützt sich auf die Shared-Source-Initiative, die die Redmonder als Gegenpol zur Open-Source-Community ins Leben gerufen haben. Peter Schroer, President von Aras, gibt sich herausfordernd: “Wir glauben, dass die Community voreingenommen ist, wenn sie glaubt, dass Open-Source-Produkte unter Linux laufen müssen. Für uns bedeutet Open Source Kontrolle und Flexibilität”. Sein Unternehmen habe geprüft, die Software unter der General Public License (GPL) zu veröffentlichen, sich aber dagegen entschieden, weil um die GPL viel Konfusion bei den Kunden herrsche. Der Analyst Rob Helm vom Marktforschungsinstitut Directions on Microsoft kommentierte, die Ankündigung von Aras werde viele Linux- und GPL-Aktivisten verärgern, unterscheide sich aber letztlich nicht sehr vom Geschäftsmodell von Red Hat .


Offenes Kunden-Management ist nur ein weiteres Beispiel

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CRM (Customer Relationship Management): Als kommerzieller Open-Source-Anbieter sieht sich auch SugarCRM. Die Firma will 2007 ein europäisches Büro eröffnen, möglicherweise in Deutschland. SugarCRM bietet gehostete und fest installierte Versionen seiner Software und will seinen Vertriebskanal in Europa wesentlich ausbauen: »Wir bieten eine ähnliche Funktionalität wie Salesforce.com, allerdings zu günstigeren Preisen«, sagt Lars Nordwall, Vicepresident Sales bei SugarCRM. Salesforce sei zwar der Hauptwettbewerber, im dire
kten Vergleich gewinne Sugar aber jedes Mal, gibt sich Nordwall siegessicher.

Fazit: OpenSource ist auf dem besten Wege, sich einen bedeutenden Marktanteil im Bereich der Enterprise Software zu erobern. Offener Code und offene Schnittstellen erleichtern hierbei den Unternehmen, mehr Einfluss auf die Entwicklung der Lösungen speziell für ihre Anforderungen zu nehmen. Zwar stecken einige Systeme noch in den Kinderschuhen – doch die ersten Ergebnisse und deren konkreter Einsatz auch in größeren Unternehmen zeigen, dass sich die quelloffenen Systeme nicht mehr hinter den Angeboten der “Closed Source”-Anbieter verstecken müssen. In vielen Fällen ist die Kostenersparnis erst später ersichtlich, doch wer zu spät investiert, bekommt auch nichts heraus.