Die vier Spielarten des R600

Allgemein

Theo Valich vom INQ hat reichlich Informationen über AMD-ATIs neue X2000-Serie von Grafikkarten. Sie sind schwergewichtig und gar nicht so leicht zu verdauen, wie er berichtet:

Da ich in den letzten 10 Tagen mit der amerikanischen Küche zu kämpfen hatte (und dabei sogar 2,1 Kilo verloren habe dank der langen Fußwege in Las Vegas vom LVCC zum Venetian sowie Belaggio und zurück), versuche ich die Einzelheiten der neuen Produkte ganz bildhaft wiederzugeben im Vergleich zur landestypisch bevorzugten Nahrung – Steaks.

Das T-Bone-Steak ist also 12 Zoll lang (30 cm). Dieses Baby heißt XTX und wird mit 1 GB vom allerfeinsten Speicher (GDDR-4 von Samsung) bestückt sein. Man kann sich auf 16 Speicherchips verlassen, die 1 GB Videospeicher erbringen, über einen externen 512-Bit-Bus mit der GPU verbunden. Die Speicherchips könnten mit 2,4 GHz (1,2 GHz physikalisch) getaktet sein und damit eine bislang ungeahnte Bandbreite von 153,6 GB/s erreichen, was die 8800GTX und ihre 86,4 GB/s locker in den Schatten stellt. Diese Taktrate ist jedoch nicht garantiert – die Bandbreite ist nicht alles, es geht vielmehr auch darum, wie man alles nutzt.

Die zweite Variante ist das Steak der Prime-Rib-Kategorie L – kompakter als der große T-Bone-Bruder, in der Größe auf einer Ebene mit den Grafikkarten R580 (X1950XTX) und G80GTS (8800GTS). Wir sprechen über “X2x00 XT”, was so ziemlich das gleiche ist wie XTX und sich nur durch eine verringerte Geschwindigkeit unterscheidet. Das erlaubt AMD-ATI, eine etwas kompaktere Karte zu bauen und dabei immer noch die gleiche Menge von GDDR4-Speicher unterzubringen. Abhängig von Preis und Verfügbarkeit von GDDR-4 wird diese Karte auch in einer 512-MB-Variante angeboten werden. Das geschieht nur eine Generation nach X1900XT mit 512 / 256 MB.

Die dritte Geschmacksrichtung, nennen wir sie das Filetsteak, geht in Richtung X1800XL (“X2x00XL”). Wir sprechen noch immer von GDDR-4-Speicher, aber einer weiteren Karte von 9 Zoll Länge (23 cm). Nein, das ist keine heruntergestufte Variante der bereits erwähnten XT-Karte. Wir sprechen vielmehr über eine Karte, die mit “normalen” Taktraten läuft und es den OEM-Herstellern erlaubt, sie mit wundervollen Display-Ausgängen zu versehen. Multimedia-Abhängige werden glücklich sein angesichts der zahlreichen Möglichkeiten, zumal ATI seinen uralten ViVo-Chip auslaufen ließ. Ein einzelner Slot reicht aus.

Die vierte Klasse, nennen wir sie Filet Medaillon, läuft unter der Bezeichnung X2000GT. Dieses Produkt wird vielfach mit den Chips bestückt werden, die bei der Qualitätssicherung nicht in die höchste Kategorie sortiert werden. Es ist wieder eine ganz andere Karte, die nicht von den drei zuvor erwähnten Modellen abgeleitet wurde, aber ebenfalls mit der Länge von 9 Zoll (23 cm) auskommt – damit wären es schon drei 9-Zöller, die Jungs scheinen diese Zahl zu mögen. Dieses Baby lief unter dem Codenamen UFO und hatte eine sehr schwere Geburt: Es wurde auf den Weg gebracht, verworfen, und dann wieder in die Entwicklungsschiene aufgenommen. Dies ist der R600-Chip in Kombination mit dem billigen und breit verfügbaren GDDR-3-Speicher. Es wird auch die Grundlage für GPGPU-Karten sein, da AMD Versionen dieser Karte mit 1 GB und 2 GB plant. Die 2-GB-Varianten sind natürlich dem professionellen High-End-Markt vorbehalten.

Jetzt kommt der unterhaltsame Teil. Von den hier aufgeführten Produkten benötigen drei einen neuen Stecker für die Stromzufuhr mit 8 Pins. Die Oberklasse der XTX hingegen will nichts von 8-Pin-Steckern wissen, sondern besteht auf Dual-6-Pin-Stecker genau wie die 8800GTX. Die Karten sollen mit entsprechenden Adaptern ausgeliefert werden, oder man muss sich für diese Babies einen zulegen.

Wenn es darum geht, diese Monster herabzukühlen, dann wird sich mancher freuen zu hören, dass AMD auch eine Single-Slot-Lösung entwickelt hat. Das dürfte bei den Vermarktern von AMD freudig begrüßt worden sein, da Nvidia seine 8800GTS nicht in einen einzelnen Slot zu quetschen vermochte. Andere Quellen meinen, die Single-Slot-Lösung sei auf den Herstellungsprozess in 80 Nanometer zurückzuführen, und der Dank müsse daher an die Jungs und Mädels beim Auftragshersteller TSMC gehen. Die High-End-Modelle kommen natürlich trotzdem mit einem richtigen Monster-Kühler.

Es gibt auch noch eine Option für Dual-HDMI 1.3. Diese Spezialität wird aber schätzungsweise erst serviert werden, wenn es auch bereits Karten für den breiten Markt und die Einsteiger gibt. Es gibt aber vermutlich genügend unbeugsame Enthusiasten, so dass sicher einige tausend solche Karten ihren Weg in die gepimpten HTPC-Rechner in den Wohnzimmern finden werden.

Wir haben noch tonnenweise weitere Daten, die nach Weitergabe verlangen. Um es mit Humphrey Bogart zu sagen: Von allen Hotelzimmern der Welt mussten diese Infos ausgerechnet in das unsere gelangen.

(Von Theo Valich / ins Deutsche übertragen von Bernd Kling)

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