Beckstein, der Ego-Shooter

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Wie gut wäre der bayerische Innenminister Günther Beckstein und Anwärter auf den Thron des bayerischen Ministerpräsidenten als Counter-Strike-Spieler? Als erfahrener Taktiker in CSU-internen Machtkämpfen hätte er jedenfalls die besten Chancen.

Wenn man ihn in einer Talkshow so plaudern hört, könnte man den freundlichen älteren Herrn mit abgestellten Schlitzohren, Knittergesicht und Zauselhaaren für ganz harmlos und menschenfreundlich halten. Dieser Eindruck und sein treuherziger Blick täuschen, denn um in der bayerischen Politik auch im Alter von 63 Jahren noch ganz oben zu bleiben, braucht es ganz andere Eigenschaften. Da muss einer ein absoluter Egomane sein, hart wie Kruppstahl, ein echter Killerspieler, der seine parteiinternen Gegenspieler erledigt, ohne auch nur eine Nanosekunde zu zögern. Nur so kann einer CSU-Grande werden und die anderen überleben.

Nehmen wir mal seinen gerade erfolgreich durchgeführten Pumpgun-Angriff auf den Konkurrenten Horst Seehofer, der noch vor ihm als kommender Ministerpräsident in Bayern gehandelt wurde, nachdem Stoiber nur noch abwärts taumelte. Der spielt noch immer nicht Golf und hatte sich mit einer Mitarbeiterin seines Bundesverbraucherministeriums eingelassen und dabei das mit dem Verhüten vergessen (oder eben aus religiösen Gründen nicht gedurft). Eine Schwangerschaft aber kann auch ein CSU-Politiker im Zeitalter der Gentechnik nicht lange und erfolgreich abstreiten.

Was macht der in den Jahrzehnten parteiinterner Machtkämpfe geschulte Beckstein? Nein, er greift seinen Gegenspieler nicht direkt an. Er spielt über Bande und hofft darauf, dass die Querschläger ihr Ziel um so tödlicher treffen. Er hat die Chuzpe und stellt sich unverfroren vor Seehofer, gibt sogar vor, ihn schützen zu wollen. Er sagt, vor fünfzig Jahren wäre so etwas ein ernsthaftes Problem gewesen, da hätten zum Beispiel Evangelische und Franken (was er selber beides ist, wie spätestens jetzt jeder weiß) und Leute mit anderen Fehlern in der CSU keine führende Position bekommen können. So ein Fehler könne doch jedem mal passieren.

Vorbildliche Taktik: Jetzt ist auch in Bayern endlich mal ein evangelischer Franke dran, habt ihr das alle?

Entrüstet wies Beckstein gleichzeitig die via “Bild”-Zeitung lancierten Veröffentlichungen über Seehofers Affäre mit Nachwuchs und die Kritik an Seehofer zurück. Wenn er aber wirklich der Ansicht gewesen wäre, Seehofers Affäre mit Nachwuchs wäre kein öffentliches Thema – warum redet er dann so laut und im Zusammenhang mit der Stoiber-Nachfolge darüber? Schon Stoiber wurde schließlich Stoiber, weil ein bayerischer Kardinal (und späterer Papst) im Flüsterton verlauten ließ, sein Konkurrent Theo Waigel sei kein guter Katholik, weil der sich scheiden lassen wollte und katholischen Bräuchen zuwider eine neue Herzensdame hatte.

Der Konkurrent ist aus dem Weg geschossen – der Weg zum Ober-Bayern ist für den fränkischen Populisten und “Killerspiele”-Kreuzzügler frei. Hund sammer scho – dass kann jetzt auch ein zauseliger alter Franke von sich sagen.

Wir gratulieren, Beckstein, denn das war eine taktische Meisterleistung. Mit so viel menschenverachtender Raffinesse, Hinterlist und gnadenloser Taktik wäre ein War in American Army oder eine Runde Counter-Strike ein Kinderspiel.

(bk)

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