“Bild” macht den Beckstein (Kommentar)

Allgemein

Im Verein der Populisten und Tatsachenverdreher sind sie einsame Vorreiter. Beckstein rückte in seinem “Killerspiele”-Kreuzzug Computerspiele in die Nähe von Kinderpornographie, und eine ihm gesinnungsmäßig nahestehende Boulevardzeitung macht aus einem Kinderspiel ein “Killerspiel”.

Aus Meck-Pomm, und auch noch aus einem schweizerisch klingenden Ort namens Tessin, war mal wieder ein sinnloses Verbrechen zu vermelden, und auch gleich noch ein Doppelmord. Das aber ist Alltag und gibt noch nicht genug heißen Stoff her für eine Boulevardzeitung, deren Eigentümerin gerne bierernste Kampagnen nach ihrer politischen Lust und Laune fahren lässt.

Also musste der Phantasie der Leser ein wenig nachgeholfen werden. Die beiden 17-jährigen Mordbuben hatten wie zahlreiche ihrer Altersgenossen auch ein Rollenspiel namens “Final Fantasy VII” gespielt, das von der Geschichte wie auch der grafischen Umsetzung her eher märchenhafte Züge hat. Geraten als nächstes vielleicht noch Disney-Filme in den Verdacht, ihre jugendlichen Konsumenten zur Gewalt anzustacheln?

Und wie gehabt, für “Bild” ist das Spiel schuld an dem bösartigen und hinterhältigen Verbrechen, das alles andere als ein Spiel war. So wie beim Lügen ertappte Politiker den Medien die Schuld geben, so wird heute jedes Gewaltverbrechen von Jugendlichen mit Medienwirkung erklärt. Das aber hilft nur denen, die sich nicht mit den Tatsachen und möglichen realen Ursachen auseinander setzen wollen.

Die nächsten Meinungsumfragen eines Instituts am Bodensee – das die Parteifreunde Becksteins schon immer besonders zu schätzen wussten – werden voraussichtlich eine weiter steigende Zahl von Befürwortern des “Killerspiele”-Verbots vermelden können.

(bk)

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