Regierung glaubt: “Sicherheit der E-Pässe nicht überwindbar”

SicherheitSicherheitsmanagement

Wer die neuesten Erläuterungen der Regierung zu den E-Pässen liest, wird unweigerlich an Norbert Blüm erinnert. Damals war die Rente sicher. Jetzt sind es die elektronischen Reisepässe.

Bislang haben deutsche Behörden bereits 2,3 Millionen elektronische Reisepässe ausgegeben. Die Regierung ist stolz und verkündet heute in Berlin, die Sicherheitsmaßnahmen seien unüberwindbar.

In den neuen Pässen, die seit November 2005 ausgeliefert werden, sind Daten zum Gesichtsbild und anderen biometrischen Merkmalen auf einem integrierten Chip gespeichert. Ab November 2007 sollen auch die Fingerabdrücke gespeichert werden. Dies sei absolut sicher, erklärt die Bundesregierung heute in Berlin. Es gäbe keinerlei Erkenntnisse, die Funktionalität, Störanfälligkeit oder Datensicherheit biometrischer Reisepässe in Frage stellen würden. Lediglich in 26 Fällen seien Funktionsstörungen in den Reisepässen reklamiert worden. Die Passinhaber hätten sofort neue Pässe erhalten.

Angeblich ließen Prüfungen wie Stempeltest, Biegen unter Last, Klimatest und chemische Beanspruchungen “keine Zweifel” an der dauerhaften Funktionstüchtigkeit der Pässe. Die im Pass gespeicherten Daten könnten nicht “mit einfachen Mitteln” durch Unbefugte ausgelesen werden. Der dafür nötige Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum erzielten Informationsgewinn.

Die ab november vorgesehenen Fingerabdrücke würden mit Schutzmechanismen versehen, die weit über die Gültigkeitsdauer des Passes hinaus als “nicht überwindbar” eingeschätzt werden könnten, heißt es in der Regierungserklärung. Die Polizei besitze bereits 587 Dokumentenlesegeräte zum Auslesen der Chip-Informationen in den biometrischen Reisepässen. Andere EU-Staaten mit biometrischen Reispässen seien noch nicht so gut ausgestattet.

Genau diese Lesegeräte könnten aber zeigen, dass der Blüm-Effekt neu auftritt: Wenn die Polizei die Pässe auslesen kann, kann es aller Wahrscheinlichkeit nach auch die organisierte Kriminalität. Und die sucht gezielt nach Nachwuchs an den Universitäten, der solche “Probleme” lösen kann. (mk)

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen